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01.01.2007

Oberflächen im eigenen Look

Wer glaubt, dass Shellskripte nicht in eine grafische Benutzeroberfläche passen, der kennt vermutlich Gtkdialog (http://www.gtk.org/api/2.6/gtk/GtkDialog.html) nicht. Gtkdialog ist das Gtk-basierte Pendant zum bekannten Dialog, mit dessen Hilfe der Benutzer seine Shell mit einer Ncurses-Oberfläche versieht.

Im Vergleich zu Dialog gibt sich Gtkdialog weitaus leistungsfähiger und bietet dem Anwender mehr gestalterischen Freiraum. Dies zeigt sich schon daran, dass es den Aufbau eines Fensters in XML beschreibt. Idealerweise sammelt das Gtkdialog aufrufende Programm alle XML-Parameter in einer Variablen, die es beim Aufruf von Gtkdialog übergibt. Auf diese Weise können nicht nur Shell- oder Awk-Skripte, sondern auch Programme in fast jeder beliebigen Programmiersprache Gtkdialog nutzen. Wer Algorithmus und grafische Oberfläche lieber strikt trennt, legt die XML-Beschreibung der jeweiligen Oberfläche in separaten Textdateien ab und übergibt diese beim Aufruf an Gtkdialog.

Welche Einsatzmöglichkeiten Gtkdialog bietet, veranschaulichen am besten die zahlreichen Beispieldateien, die das Source-Archiv mitliefert. Von einfachen Anzeigen über die Verwendung von Buttons und Eingabefeldern bis hin zu Pulldown-Menüs findet sich für jeden Verwendungszweck ein Beispiel. Hilfe in Form einer Manpage sucht der Anwender jedoch vergebens: Gtkdialog stellt seine Dokumentation nur unter dem Info-Dokumentensystem zur Verfügung.

Die Entwicklung von Gtkdialog hat im Sommer 2006 nach 14-monatiger Pause einen größeren Versionssprung gemacht. Wer eine der älteren 0.5x-Versionen einsetzt, sollte auf die aktuelle 0.7.9 umsteigen, es lohnt sich.

Gtkdialog: Mit wenigen Zeilen XML-Code ein schönes Eingabefeld entwerfen.

Wer sucht, der findet

Um Dateien oder bestimmte Inhalte auf der Festplatte zu finden, dienen Kommandozeilenklassiker wie find oder grep. Wesentlich bequemer ist es, Searchmonkey (http://searchmonkey.sourceforge.net) auf Suche zu schicken.

Das Programm versteht sich als Kreuzung zwischen der einfach bedienbaren Desktop-Suche Beagle und der leistungsfähigen Kombination Find/Grep. Allerdings wirkt die Gtk-basierte Oberfläche anfangs unübersichtlich. Die Entwickler bemühten sich, möglichst viele Konfigurationseinstellungen direkt zugänglich zu machen. Erfahrene Anwendern profitieren davon: Ohne in ein Menü wechseln zu müssen, gibt der Benutzer den zu suchenden Dateinamen oder Inhalt an und grenzt den Suchrahmen durch Dateigröße, Modifikationsdatum oder bestimmte Unterverzeichnisse ein. Treffer listet Searchmonkey in der unteren Hälfte des Programmfensters auf.

Wie es sich für eine Suchmaschine gehört, unterstützt Searchmonkey die Suche mit regulären Ausdrücken. Ist der Anwender unsicher, ob sein Ausdruck funktioniert, testet er ihn zuerst an einem Beispiel, bevor er ihn auf den Datenbestand loslässt. Neulinge auf diesem Gebiet unterstützt ein Wizard bei der Erstellung der Regexe. Der Benutzer klickt mit Hilfe des Assistenten seinen regulären Ausdruck bequem zusammen.

Wer des öfteren nach den gleichen Dateien sucht, speichert ein bewährtes Suchmuster in einer Datei und setzt es jederzeit erneut ein. Das Suchergebnis legt Searchmonkey auf Wunsch als CSV-Datei ab, die bei Bedarf jede Tabellenkalkulation weiterverwertet.

Bei Searchmonkey handelt es sich um ein relativ junges Projekt, das aber ambitioniert voranschreitet. Seit August haben die Entwickler nicht weniger als zehn Versionen veröffentlicht, deren bei Redaktionsschluss aktuellste die Nummer 0.7.3 trug.

Wer mit regulären Ausdrücken auf Kriegsfuß steht, klickt sie mit Searchmonkey einfach zusammen.

Kurz notiert

Novells freie .NET-Implementierung Mono ist in Version 1.2 erschienen und laut Hersteller in Sachen Kompatibilität zu .NET 2.0 einen großen Schritt weitergekommen. Die neue Version bietet dem Anwender das API Windows.Forms.1.1 inklusive aller Standardkontrollelemente, und auch das API System.Drawing ist vollständig enthalten. Von den Programmierschnittstellen System.ServiceProcess und System.Transactions implementiert Mono dagegen nur grundlegende Elemente. Optimierungen in Sachen Kryptographie zählen ebenfalls zu den Neuerungen.

Das Unternehmen Access will die im Sommer auf der Mobilfunkmesse 3GSM in Barcelona vorgestellte Access-Linux-Plattform noch in diesem Jahr unter der Mozilla Public License freigeben. Bei der Entwicklerplattform für mobile Geräte handelt es sich um ein komplettes Application Framework samt Kernel-Patches. Das Framework basiert auf Gtk+ und stellt eine Reihe von Diensten bereit, die Installation, Verwaltung und Kommunikation zwischen Anwendungen ermöglichen. Eine Kompatibilitätsschicht macht außerdem die Ausführung von Palm-Programmen möglich, was laut Access bei Open-Source-Lösungen einzigartig ist.

Wie jedes Jahr findet auch diesen Herbst wieder die Wahl des Vorstands der Gnome-Foundation statt. Jedes Mitglied der Foundation ist wahlberechtigt und darf außerdem selbst kandidieren. Für die sieben Sitze im Vorstand bewerben sich Máirín Duffy, Behdad Esfahbod, Glynn Foster, Quim Gil, Sara Khalatbari, David Neary, Anne Østergaard, John "J5" Palmieri, Vincent Untz und Jeff Waugh. Drei der elf Kandidaten sind Angestellte von Red Hat. Mehr Informationen zu den einzelnen Kandidaten finden sich auf der Web-Seite http://foundation.gnome.org/elections/2006/. Die Wahlperiode dauerte bis zum 10. Dezember. Bis Heiligabend gilt das Ergebnis aber noch als anfechtbar.

Der Gnome Deutschland e.V. präsentiert sich jetzt mit neuer Webpräsenz als Wiki. Über den anonymen Zugriff dürfen damit auch Nicht-Mitglieder Beiträge zu Gnome einstellen. Zahlreiche ältere Beiträge hat der Verein bereits übertragen, sogar eine kompakte deutsche Übersetzung des Gnome-Women-Projekts findet sich. Interessierte erreichen den Gnome Deutschland e.V. unter der URL http://www.gnome-de.org.

Auf einer Tagung in Bergen berichtete Gimp-Entwickler Oyvind Kolas über den aktuellen Stand der Entwicklung der Generic Graphical Library (kurz: GEGL). Die Arbeit an der Bibliothek begann bereits 1999. GEGL sollte ursprünglich den Gimp-Grafik-Kern ablösen. Nachdem sich die Entwicklung im Sommer 2005 fast totgelaufen hatte, griffen die deutschen Gimp-Entwickler Neumann und Natterer den Code wieder auf. Kolas steuerte außerdem eine kleine grafische Oberfläche bei, die die Funktionalität von GEGL verdeutlicht. Dass GEGL den alten Gimp-Kern tatsächlich wie geplant irgendwann einmal ersetzt, ist jedoch nicht sicher.

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LinuxUser 03/2012

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