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Fliegendes Linux

Linux auf dem Dialogue Flybook V23i

01.01.2007 Es ist klein, schick und arbeitet ziemlich gut mit Linux zusammen: das Flybook von Dialogue. Wir zeigen, welche Funktionen Probleme bereiten und womit das Mini-Notebook überzeugt.

Stellen Sie sich ein Notebook vor, das gerade mal zweieinhalb Pfund wiegt, 3D-Beschleunigung, WLAN, UMTS sowie einen Touchscreen mitbringt und zudem noch mit Linux funktioniert. Das Flybook (siehe Tabelle "Technische Daten") kommt diesen Ansprüchen ziemlich nahe, die Einrichtung erfordert jedoch etwas Geschick und Ausdauer.

Technische Daten

Modell Dialogue Flybook V23i
Prozessor Pentium M, 600 MHz
Hauptspeicher 1 GByte
Grafikkarte ATI Radeon Xpress 200M (max. 256 MByte, shared)
Anschlüsse 2 USB, 2 Firewire, 1 Cardbus
Netzwerk WLAN, Bluetooth, SIM-Karte, Gigabit-Ethernet, Modem
Gewicht 1250 g
Preis (ca.) 1800 Euro

Installation

Aktuelle Linux-Distributionen wie Ubuntu 6.10, Fedora Core 6 und Suse Linux 10.1 lassen sich problemlos installieren, wenn man über ein externes CD- oder DVD-Laufwerk verfügt. Auf ein internes Laufwerk verzichtete der Hersteller beim Flybook aus Platzgründen. In der Grundeinstellung sind nur Firewire-Laufwerke zum Booten eingestellt, über kleine Änderungen im BIOS startet der Rechner jedoch problemlos von einem USB-Laufwerk.

Die Probleme beginnen nach der Installation mit der Einrichtung der grafischen Oberfläche. Das Flybook besitzt ein 8,9-Zoll-Display im Breitbildformat mit 1024x600 Bildpunkten. Zur Auswahl bietet diese Auflösung lediglich das Suse-Tool Sax2, doch auch hier startet der X-Server stets mit der SVGA-Auflösung (800x600). Abhilfe schafft der Fglrx-Treiber von ATI [1]. Er erkennt die Radeon Xpress 200M und unterstützt diese mit 3D-Beschleunigung (Abbildung 1). Mit fgl_glxgears schafft die Karte rund 175 FPS.

Ein Touchpad sucht man beim Flybook vergebens: Die Maus ersetzt das so genannte Joypad mit zwei Maustasten rechts über der Tastatur. Rechte und linke Maustaste finden sich zudem auch links über der Tastatur. Die mittlere Maustaste bedient unter Linux der PAN-Button, der eigentlich die Anzeige für den Tablet-Modus um 90 Grad drehen sollte.

Abbildung 1: Mit Hilfe des proprietären Grafikkartentreibers von ATI lässt sich auf dem Flybook auch spielen.

Touchscreen

Hinter dem ziemlich stark spiegelnden Display des Flybooks verbirgt sich ein Touchscreen der Firma Penmount. Hat man dies einmal eruiert, findet man unter [2] und [3] Linux-Treiber dafür. Für die grundlegenden Funktionen des Touchscreens zeichnet das Kernelmodul penmountlpc verantwortlich, die Steuerung unter dem X-Server übernimmt das Xorg-Modul evtouch.

Der aktuelle Linux-Kernel (2.6.18) bringt ein Modul für Penmount-Touchscreens mit (penmount), das aber nicht mit dem Touchscreen des Flybooks funktioniert. Sie benötigen also den Penmountlpc-Patch. Um den Treiber zu installieren, müssen Sie den Kernel neu übersetzen.

Laden Sie dazu die passenden Kernelquellen aufs System, legen Sie einen symbolischen Link /usr/src/linux an und speichern Sie danach die Datei penmountlpc-20060121.diff in diesem Verzeichnis. Es genügt nicht, ledigich die Header-Dateien zu installieren, wie zum Beispiel unter Ubuntu üblich. Anschließend wendet der Befehl

cat penmountlpc-20060121.diff | patch -p 1

den Patch an. Kopieren Sie anschließend die Konfiguration des aktuellen Kernels als .config-Datei ins Verzeichnis /usr/src/linux. Die Konfiguration finden Sie im Verzeichnis /boot. Unter Suse Linux 10.1 heißt Sie zum Beispiel config-2.6.16.21-0.25-default, bei Ubuntu Edgy config-2.6.17-10-generic.

Rufen Sie nun den Befehl make oldconfig auf. Das System merkt, dass sich der Kernel verändert hat, und fragt, was mit dem neuen Eintrag penmountlpc geschehen soll. Drücken Sie [M], um den Treiber als Modul zu generieren. Ein anschließendes make modules und make modules_install startet den Kompiliervorgang, der auf unserem Testrechner mit dem 600-MHz-Prozessor rund 5 Stunden dauerte.

Stimmt der aktuelle Kernel mit den Quellen überein, können Sie das Modul anschließend über modprobe penmountlpc laden. Der Kernel legt dann die neue Gerätedatei /dev/input/event3 an. Lesen Sie diese Datei als Root mit

cat /dev/input/event3

aus und bewegen nun den Stift über den Touchscreen. Hat alles geklappt, sollten Sie sehr viele Zeichen auf der Konsole sehen.

Den Evtouch-Treiber für X.org müssen Sie nicht selber übersetzen: Laden Sie einfach den Tarball von [2] herunter und speichern Sie die Datei evtouch_drv.o im Verzeichnis /usr/lib/xorg/modules/input/ (Ubuntu) beziehungsweise /usr/X11R6/lib/modules/input/ (Suse). Danach tragen Sie den Touchscreen als Input-Device in die Konfigurationsdatei /etc/X11/xorg.conf ein. Details dazu lesen Sie ebenfalls auf der Evtouch-Seite.

In den Tests gab es Probleme mit der Feinjustierung des Touchscreens. Zudem funktionierte das "Tappen" nicht richtig, das eigentlich den rechten Mausklick emulieren sollte. Da der Penmountlpc-Patch bereits ein Jahr alt ist, liegt dies vielleicht am Treiber.

Möchten Sie den Touchscreen nutzen, müssen Sie das Modul unbedingt beim Systemstart laden: Anderenfalls friert der Rechner beim Start des X-Servers ein. Unter Suse Linux tragen Sie dazu das Modul in der Datei /etc/sysconfig/kernel unter der Variable MODULES_LOADED_ON_BOOT ein. Bei Ubuntu genügt ein Eintrag penmountlpc in der Datei /etc/modules.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

Zum Blog von Marcel Hilzinger →


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