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Feuerfest

Iptables im Überblick

Regeln erstellen

Um eine Firewallregel zu erstellen, ruft man Iptables mit den gewünschten Parametern auf. Die Regel bleibt dann so lange aktiv, bis man sie entweder explizit löscht oder den Computer herunterfährt. Da man nicht jedes Mal die Regeln erneut eingeben will, startet man beim Hochfahren des Computers das Regelwerk per Skript. Frontends für Iptables, wie etwa Firestarter oder KMyFirewall, erledigen das in der Regel automatisch.

Ein kleines Beispiel für den E-Mail-Dienst POP3 soll eine Regel erstellen, um vom meinem Computer aus E-Mails von pop.gmx.net abfragen zu können. Der entsprechende Aufruf von Iptables sieht so aus:

iptables -A OUTPUT -s 192.168.50.22 -d 213.165.64.22 -p tcp --sport 1024:65535 --dport 110 -j ACCEPT

Ubuntu-Nutzer müssen dem Aufruf noch ein sudo voranstellen, da Iptables Root-Rechte verlangt. Diese kleine Zeile bedeutet: Iptables fügt der Chain OUTPUT eine Regel an, die von der Quelladresse (-s 192.168.50.22) zur Zieladresse (-d 213.165.64.22) mit Hilfe des TCP-Protokolls (-p tcp) von einem beliebigen Quellport zwischen 1024 und 65535 (--sport 1024:65535) zum Zielport 110 (--dport 110) die Kommunikation erlaubt (-j ACCEPT).

Der Quellport lässt sich in der Regel nicht genauer angeben: Im Gegensatz zum festgelegten Zielport des Serverdiensts erhält der Client zum Zeitpunkt der Verbindungsanfrage einen beliebigen freien Port oberhalb 1023.

Statt der IP-Adressen kann man auch die Hostnamen von Quelle und Ziel angeben. Das setzt allerdings voraus, dass die Namensauflösung funktioniert und man den Antworten des DNS-Servers traut. Besser sollte man bei der Erstellung des Regelwerks die IP-Adresse einmal nachschlagen und eintragen. Falls man nur den Internetnamen des Zielservers kennt, findet man mittels nslookup die zugehörige IP-Adresse heraus:

user@pc:~$ nslookup pop.gmx.net
Server:         192.168.50.1
Address:        192.168.50.1#53
Non-authoritative answer:
Name:   pop.gmx.net
Address: 213.165.64.22

Da man die Ports der Anwendungen beim Erstellen von Firewallregeln kennen muss, gibt die Tabelle "Wichtige TCP- und UDP-Ports" die wichtigsten Server-Ports wieder. Im Zweifelsfall kann man auch bei Wikipedia [4] nachschlagen, eine detaillierte Liste der allgemein definierten Ports findet sich auch in der Datei /etc/services.

Eine Besonderheit stellt das File Transfer Protocol dar. Hier unterscheidet man aktives und passives FTP. Beim aktiven FTP teilt der Client über den Control-Kanal (Port 21) dem Server den eigenen Port mit. Der Server leitet dann die Daten von seinem Port 20 an diesen Clientport über den Data-Kanal. Die Firewall muss dabei berücksichtigen, dass hier der Server eine Verbindung zum Client aufbaut.

Einfacher gestaltet sich die Verwendung des verbreiteten passiven FTP, bei dem der Client selbst die Verbindung zu beiden Kanälen öffnet. Hier muss die Firewall lediglich beachten, dass Ports für den Data-Kanal zu beiden Seiten jenseits der 1023 liegen.

Wichtige TCP- und UDP-Ports

Port

Erläuterung

Protokoll

80 Browsen mit HTTP TCP
443 Browsen verschlüsselt mit HTTPS TCP
25 Mails versenden mit SMTP TCP
110 Mails abrufen mit POP3 TCP
995 Mails verschlüsselt mit POP3S abrufen TCP
53 Namensauflösung (DNS) TCP,UDP
20,21 Dateitransfer mit FTP und FTP-DATA TCP
123 Zeitdienst NTP TCP,UDP
22 Secure Shell SSH TCP
68 Dynamische IP-Adresszuordnung (DHCP) TCP,UDP

Eine kleine Regelübung

Listing 1 demonstriert ein Startskript für eine Iptables-Firewall auf einem typischen PC. Als Schnittstelle zum Internet kommt das Gerät eth0 zum Einsatz, da hier ein DSL-Router die Einwahl selbstständig vornimmt. Erfolgt die Verbindungsaufnahme ins Internet via Modem direkt durch den PC, heißt die entsprechende Schnittstelle meist ppp0.

Listing 1
#!/bin/bash
FW=/sbin/iptables
EXTIF="eth0"
# Alles Löschen
$FW -F
$FW -X
# Policy
$FW -P INPUT DROP
$FW -P OUTPUT DROP
$FW -P FORWARD DROP
# Chain INPUT
# Localhost darf alles - wichtig für X-Server, Drucker, etc.
$FW -A INPUT -i lo -j ACCEPT
# Alles was zu ausgehenden Verbindungen gehört, darf rein
$FW -A INPUT -i $EXTIF --match state --state RELATED,ESTABLISHED -j ACCEPT
# Alles andere loggen
$FW -A INPUT -i $EXTIF --match state --state NEW,INVALID -j LOG
# Chain OUTPUT
# Localhost darf alles - wichtig für X-Server, Drucker, etc.
$FW -A OUTPUT -o lo -j ACCEPT
# DNS-Auflösung
$FW -A OUTPUT -o $EXTIF -p tcp --sport 1024:65535 --dport 53 -j ACCEPT
$FW -A OUTPUT -o $EXTIF -p udp --sport 1024:65535 --dport 53 -j ACCEPT
# Browsen per HTTP
$FW -A OUTPUT -o $EXTIF -p tcp --sport 1024:65535 --dport 80 -j ACCEPT
# Sicher browsen mit HTTPS
$FW -A OUTPUT -o $EXTIF -p tcp --sport 1024:65535 --dport 443 -j ACCEPT
# Mails empfangen
$FW -A OUTPUT -o $EXTIF -p tcp --sport 1024:65535 --dport 110 -j ACCEPT
# Mails sicher empfangen
$FW -A OUTPUT -o $EXTIF -p tcp --sport 1024:65535 --dport 995 -j ACCEPT
# Mails versenden
$FW -A OUTPUT -o $EXTIF -p tcp --sport 1024:65535 --dport 25 -j ACCEPT
# Uhr mit Zeitserver stellen
$FW -A OUTPUT -o $EXTIF -p udp --sport 1024:65535 --dport 123 -j ACCEPT
# Alles andere loggen
$FW -A OUTPUT -o $EXTIF --match state --state NEW,INVALID -j LOG

Das Skript in Listing 1 löscht zunächst eventuell bestehende Firewallregeln (Zeilen 5 bis 7). Danach definiert es das Standardverhalten, falls keine definierte Regel angewendet werden kann. Für alle drei Chains gilt: Nach erfolglosen Durchlauf der Regelketten wird das Paket verworfen (Zeilen 8 bis 11).

Viele lokale Prozesse nutzen die Netzwerkschnittstelle für die Interprozesskommunikation. Daher erlauben sowohl die INPUT-Chain als auch die OUTPUT-Chain für die Schnittstelle lo die beliebige Kommunikation (Zeilen 15 und 23).

Im Beispiel handelt es sich um einen einfachen Client, der in der Regel Verbindungen zu Servern aufbaut und selbst keine Dienste zur Verfügung stellt. Als einzige Regel für eingehende Verbindungen gestattet die INPUT-Chain das Antworten auf Anfragen (Zeile 17). Versuche von Verbindungsaufnahmen von außen werden protokolliert (Zeile 18).

In der OUTPUT-Chain finden sich alle erlaubten Verbindungen nach außen: Namensauflösung (Zeilen 25 und 26), Browsen (Zeile 28 und 30), Versand und Empfang von E-Mails (Zeilen 31 bis 36) und der Zeitabgleich mit einem NTP-Server (Zeile 38). Sonstige Verbindungen werden protokolliert (Zeile 40).

Das Firewallskript fällt sehr einfach aus, wird mit steigenden Anforderungen aber schnell sehr umfangreich. Mehr Komfort und Übersicht bietet die Bedienung von Iptables über ein grafisches Frontend, das den speziellen Bedürfnissen des Anwenders entgegenkommt. Zwei Beispiele solcher Frontends stellen Ihnen die beiden folgenden Artikel vor.

Der Autor

Marcus Nasarek schätzt den Unterhaltungswert einer Linuxkonsole und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Sicherheit in großen Organisationen.

Glossar

TCP

Transmission Control Protocol, IP-Protokoll für den verbindungsorientierten, zuverlässigen Transport von Daten.

UDP

User Datagram Protocol, einfaches und kompaktes IP-Protokoll für den verbindungslosen Datentransport.

HTTP

Hyper Text Transfer Protocol, Formatprotokoll zum Darstellen von Webseiten.

Stateful Inspection

Firewall-Technik, die eine etablierte Verbindung registriert und zugehörige Antworten zuordnen kann. So kann die Öffnung einer TCP-Verbindung in eine Richtung erlaubt werden, ohne dass die Gegenrichtung dauerhaft offen gehalten werden muss.

NAT

Network Address Translation. Eine Technik, die mehreren internen privaten IP-Adressen eine Internetadresse zuordnet. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn nur eine Internetadresse zur Verfügung steht und sich mehrere Computer eines privaten Netzes einen Internetzugang teilen. Eine andere Bezeichnung für NAT ist oft auch Masquerading.

DNS

Domain Name System. Dienst zur Namensauflösung in TCP/IP-Netzen. Setzt Hostnamen in IP-Adressen um (Forward Lookup) und umgekehrt (Reverse Lookup).

Infos

[1] BSI-Informationen: http://www.bsi-fuer-buerger.de

[2] Linux im TCP/IP-Netzwerk: Achim Leitner, "Home sweet home", LinuxUser 11/2005, S. 40, http://www.linux-user.de/ausgabe/2005/11/040-protokolle/

[3] Übersicht wichtiger Netzwerkports: http://de.wikipedia.org/wiki/Port_(Protokoll)

[4] Manpage zu Iptables: man 8 iptables

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