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Blauer Sound

Drahtloser Sound über Bluetooth-Stereo-Headsets

Let's rock

Haben Sie die beiden Konfigurationsdateien für die Alsa-Konfiguration und den A2DP-Daemon angelegt, starten Sie den Daemon auf der Konsole über den Befehl a2dpd. Dazu benötigen Sie keine Sysadmin-Rechte. Als Ausgabe sehen Sie am Schluss folgende zwei Zeilen:

avrcp: Accepting incoming connection
avdtp: Accepting incoming connection

Die Fehlermeldung Cannot open /dev/input/uinput: No such file or directory können Sie ignorieren.

Lassen Sie die Konsole geöffnet, starten Sie XMMS und drücken Sie [Strg]+[P], um den Konfigurationsdialog zu öffnen. Wählen Sie als Ausgabe-PluginALSA [libALSA.so] und klicken Sie auf Konfigurieren. Tragen Sie ins Feld Audio-Gerät von Hand a2dpd ein (das Gerät lässt sich nicht aus der Liste auswählen) und klicken Sie zweimal auf OK, um die Einstellungen zu übernehmen.

Starten Sie nun das Playback in XMMS, so erscheint ein Dialog, der Sie zum Pairing des Geräts auffordert. Achten Sie deshalb darauf, dass sich das Headset im Pairing-Modus befindet. Unter Suse Linux meldet sich der Pairing-Dialog des KDE-Bluetooth-Frameworks, unter Ubuntu ein Fenster der Gnome-Bluetooth-Tools. Dazu muss allerdings unter Edgy das Paket bluez-passkey-gnome installiert sein.

Verlief das Pairing erfolgreich, startet der Player die Wiedergabe. Sie sehen dann im Konsolenfenster des a2dpd-Befehls die Meldung:

DEBUG: a2dp_transfer_raw: Bandwith: 27250 (212 kbps) 32

Analog zu XMMS lässt sich die Soundausgabe auch in Amarok oder Kaffeine benutzen. In Amarok wählen Sie dazu Einstellungen | Amarok einrichten | Audio-Ausgabe und stellen das Ausgabemodul auf Alsa. Nach einem Klick auf Anwenden tragen Sie in den Feldern Mono und Stereo jeweils das Gerät a2dpd ein (Abbildung 2).

Abbildung 2: Um Musik über den A2DP-Daemon abspielen zu können, müssen Sie in Amarok als Alsa-Gerät "a2dpd" einrichten.

In Kaffeine wählen Sie Einstellungen | Xine-Parameter | Audio, wechseln auf den Reiter Experten Optionen und scrollen bis zum Eintrag device.alsa_front_device Gerät für die Stereoausgabe. Tragen Sie hier anstelle von default das Gerät a2dpd ein.

Pro und Kontra

Einer der großen Vorteile der Bluetooth-Lösung gegenüber konventionellen drahtlosen Kopfhörern besteht darin, dass sich per Bluetooth-Headset auch Befehle an den Linux-Rechner senden lassen. So können Sie zum Beispiel den Player stoppen, zum nächsten Song springen oder ein Lied zurück wechseln.

Welche Befehle der A2DP-Daemon auf welchen Tastendruck hin sendet, legen Sie in der Datei .a2dprc fest. Im Abschnitt # AVRCP Commands to run sind hier sämtliche Befehle für XMMS eingetragen. Bevorzugen Sie Amarok, ersetzen Sie zum Beispiel cmdplay=xmms --play durch cmdplay=amarok -p. Hinter cmdprev= setzen Sie amarok --previous ein und so weiter. Welche Befehle der Daemon überträgt, sehen Sie ebenfalls im a2dpd-Fenster.

In der gleichen Datei legen Sie auch die Bandweite der Übertragung fest. In der Grundeinstellung arbeitet a2dpd mit maximal 256 kbit/s. Möchten Sie die Bandbreite erhöhen, ändern Sie den Wert für sbcbitpool von 32 auf 64. In den Tests kam es damit aber zu einigen Aussetzern. Mit einem Wert von 16 reduzieren Sie die Bandbreite auf maximal 128 kbit/s. Mit dieser Bitrate lässt die Tonqualität allerdings deutlich nach.

Da der Bluetooth-Kopfhörer automatisch mit dem A2DP-Server Kontakt aufnimmt, lässt sich mit ein wenig Bastelei auch eine Lösung realisieren, die den Stream von einem Rechner auf einen zweiten überträgt, um zum Beispiel in einem großen Gebäude den gesamten Bereich abzudecken.

Nicht ganz zufrieden waren wir mit der Soundqualität der Bluetooth-Lösung. Per A2DP-Profil tönt die Wiedergabe zwar um Welten besser als über die auf Sprache ausgerichtete SCO-Verbindung. Dennoch trübt ein leises Rauschen das sonst sehr positive Bild.

Je nach CVS-Version traten auch Latenzprobleme auf. So stoppte der Daemon in einer frühen Version vom 7. November 2006 das Playback, nachdem sich das Headset außerhalb der Reichweite befand, und spielte die verpassten Töne danach mit doppelter oder dreifacher Geschwindigkeit ab, um den Livestream quasi wieder einzuholen. Nach einem Patch von Fréderic Dalleau, der Bluetooth-Alsa zurzeit zusammen mit Brad Migley weiterenwickelt, war dieses Problem zwar gelöst, in einer CVS-Version vom 15. November traten allerdings wiederum Latenzprobleme auf.

Diesmal schwankte die Geschwindigkeit nach kurzen Aussetzern während des Playbacks. Wer sich an die Schallplattenzeit erinnert, kann sich vorstellen, wie das tönt. Aufgrund der trägen Reaktionszeit der A2DP-Verbindung reagiert der Player jeweils rund eine Sekunde später. Dies stellt jedoch kein wirkliches Problem dar. Für das Videoplayback eignet sich die Lösung zurzeit nur bedingt: Bei einigen Filmen waren lediglich die Stimmen zu hören, der Sound verzerrt oder überhaupt nicht.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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