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Alternative Firmware für iPod und andere MP3-Player

Apples iPod hat in den letzten Jahren einen unglaublichen Siegeszug angetreten – vom simplem MP3-Player mutierte er zum Livestyle-Objekt. Nicht alle Funktionen der Standard-Firmware stoßen jedoch auf Gegenliebe bei den Anwendern. Besonders ärgerlich: Manche Features fehlen gänzlich – beispielsweise spielt der Player von Apple keine Dateien im Ogg/Vorbis-Format ab.

Falls Sie experimentierfreudig sind, schlagen Sie Apple allerdings ein Schnippchen: Als Alternative zur normalen Firmware gibt es im Internet die Rockbox-Firmware des gleichnamigen Projekts. Sie bietet diverse Features, mit denen das System aus Cupertino nicht aufwartet: So spielt sie Ogg/Vorbis-Dateien ab, gestattet die volle Kontrolle über das Erscheinungsbild der Bedienoberfläche und bietet zudem die Möglichkeit, die Software über Plugins praktisch beliebig zu erweitern. Dazu zählen diverse Spiele-Plugins – darunter auch eines, das Gameboy-Spiele auf den iPod bringt. Selbst auf ein Programm zur Anzeige von Textdateien und auf einen JPEG-Viewer brauchen Sie nicht zu verzichten.

Rockbox versteht sich jedoch nicht nur mit dem iPod bestens, sondern auch mit anderen MP3-Playern, darunter einige Modelle von Archos und iRiver. Dieser Artikel beschränkt sich jedoch auf den Apple-Player.

Rockbox installieren

Der Weg zu einem iPod mit Rockbox ist gar nicht so steinig, wie Sie vielleicht vermuten. Das Programm besteht aus zwei Teilen – nämlich aus der eigentlichen Firmware, die Sie als einfache Datei auf dem iPod speichern, sowie aus einem kleinen Programm (dem Bootloader), das beim Start des iPods diese Firmwaredatei lädt.

Den Bootloader auf den iPod zu bekommen, stellt den kniffeligsten Teil der Arbeit dar – insbesondere, weil er einen Teil der Original-Apple-Firmware löscht und sich dieser nicht ohne weiteres wieder herstellen lässt.

Im Test kam ein iPod Video zum Einsatz, also ein Gerät der fünften Generation. Auf der Homepage des Rockbox-Projekts [1] liegen für sämtliche iPods Firmware-Images zum Download bereit. Die Installation verläuft bei allen Modellen analog, allerdings ändern sich unter Umständen kleinere Details (lesen Sie im Zweifelsfall die entsprechenden Kapitel im Online-Handbuch nach). Wir setzen im folgenden voraus, dass Sie die Installation auf dem iPod von einem PC mit Linux aus vornehmen, und dass die Hauptpartition des tragbaren Players mit dem Dateisystem FAT32 formatiert wurde.

Risiken und Nebenwirkungen

Es sei darauf hingewiesen, dass der Flash-Vorgang gewisse Gefahren in sich birgt, die in der Natur der Sache liegen: Bricht das Flashen des iPod aus irgendeinem Grund ab, bevor die Firmware vollständig geladen ist, verwandelt sich der iPod in einen sehr teuren, extravaganten Briefbeschwerer. Diese Gefahr besteht prinzipiell bei allem Geräten, bei denen sich die Firmware per Flash auszutauschen lässt. Versuchen Sie insofern, das Risiko eines Stromausfalls zu minimieren.

Verbinden Sie Ihren iPod über das mitgelieferte USB-Kabel mit dem PC. Stellen Sie durch Blick auf die Ausgabe von dmesg sicher, dass Linux den iPod erkannt und ordnungsgemäß in das System eingebunden hat. Merken Sie sich den Gerätenamen, den der Kernel dem iPod zuweist – er steht an dritter Stelle in der Zeile, die mit SCSI device anfängt (Listing 1).

Listing 1
usb 4-1: new high speed USB device using ehci_hcd and address 7
scsi4 : SCSI emulation for USB Mass Storage devices
usb-storage: device found at 7
usb-storage: waiting for device to settle before scanning
        Vendor: Apple Model: iPod Rev: 1.62
        Type: Direct-Access ANSI SCSI revision: 00
SCSI device sdb: 58605120 512-byte hdwr sectors (30006 MB)

Firmware extrahieren

Besorgen Sie aus dem Netz [2] den Quellcode für ipod_fw – ein kleines, aber sehr hilfreiches Tool zum Ändern der Firmware. Kompilieren Sie das Programm durch Aufruf von gcc -o ipod_fw ipod_fw.c.

Lesen Sie per fdisk /dev/Gerätename die Tabelle mit den Informationen über die Partitionen des iPods aus (Listing 2). Ersetzen Sie dabei Gerätename durch den Namen, den Sie in der Ausgabe von dmesg gefunden haben. Lesen Sie nun die komplette aktuelle Firmware des iPods aus – dazu nutzen Sie wieder den Befehl dd:

dd if=/dev/Partitionsname
 of=bootpartition.bin

Es empfiehlt sich, die Datei bootpartition.bin danach sofort auf CD zu brennen und diesen Datenträger irgendwo sicher aufzubewahren – sie ist, wenn Sie von Rockbox einmal genug haben und lieber wieder Apples Firmware verwenden möchten, der einzige Rückweg.

Listing 2
Device Boot     Start   End     Blocks          Id      System
/dev/sdb1       1       10      80293+          0       Empty
/dev/sdb2       11      3648    29222235        b       W95 FAT32

Nun kommt das eben heruntergeladene ipod_fw ins Spiel: Nutzen Sie es, um aus der eben ausgelesenen Partition die Firmware als Image zu extrahieren. Der entsprechende Befehl lautet:

./ipod_fw -o apple_os.bin -e 0 bootpartition.bin

Im File apple_os.bin liegt anschließend der erste Teil der iPod-Originalfirmware. Mit dem anschließenden Befehl:

./ipod_fw -o apple_sw_5g_rcsc.bin -e 1 bootpartition.bin

entpacken Sie auf gleiche Weise den zweiten Teil der Firmware in die Image-Datei.

Bootloader aufspielen

Im nächsten Schritt fügen Sie den ersten Teil der Apple-Firmware mit einer zweiten Datei – dem eigentlichen Rockbox-Bootloader – zusammen und laden die neue Datei auf den iPod. Besorgen Sie sich dazu von [3] den Rockbox-Bootloader und speichern Sie ihn im aktuellen Verzeichnis ab. Über den Befehl ./ipod_fw -g video -o rockboot.bin -i apple_os.bin bootloader-video.bin fügen Sie die beiden Dateien zusammen.

Danach schreiben Sie den neuen, mit Rockbox präparierten Bootloader direkt in den Bootrecord des iPods: dd if=rockboot.bin of=/dev/Gerätename , wobei es sich bei Gerätename natürlich wie zuvor um den aus der Ausgabe von dmesg ermittelten Namen handelt.

Firmware installieren

Wenn Sie den iPod jetzt neu starten, weiß er zwar schon, dass Rockbox als neues System auf dem Gerät arbeiten soll – der Bootloader greift aber trotzdem ins Leere, weil Sie bis dato noch keine Firmware-Datei hochgeladen haben. Besorgen Sie sich von [4] die tagesaktuelle Version sowie ein Paket mit allen Rockbox-Schriftarten. Hängen Sie den iPod, falls noch nicht geschehen, in das Dateisystem ein, und entpacken Sie die heruntergeladenen Zip-Dateien direkt auf den Player.

Hängen Sie das Laufwerk wieder aus dem Dateisystem aus und trennen Sie alle noch angeschlossenen Kabel. Schalten Sie den iPod nun aus, indem Sie auf dem Scrollrad die untere Taste für mehrere Sekunden lang gedrückt halten. Wenn Sie das Gerät danach wieder einschalten, startet der Rockbox-Bootloader automatisch das neue Betriebssystem des iPods.

Erste Schritte

Nach dem Erscheinen des Rockbox-Splashscreens sehen Sie nicht – wie vielleicht erwartet – eine Liste der Lieder auf ihrem iPod, sondern den Rockbox-Filebrowser: also einen Dateimanager (Abbildung 1). Das ist die Standardansicht von Rockbox, die Sie künftig immer dann sehen, wenn Sie nicht explizit einen Befehl ausführen, der etwas anderes auf das Display bringt.

Abbildung 1: Das Rockbox-Hauptmenü erlaubt Ihnen schnellen Zugriff auf die wichtigsten Funktionen.

Das Bedienen von Rockbox, also das Navigieren durch verschiedene Ordner und Optionen, orientiert sich naturgemäß an Apples Vorgaben. Das Clickwheel funktioniert im Wesentlichen so, wie Sie es von der Apple-Firmware gewohnt sind: So bewegt sich der Auswahlbalken nach unten, wenn Sie mit dem Finger über die rechte Seite des Sensorfelds streichen. Analog dazu wandert der Balken nach oben, wenn es links berühren. Möchten Sie einen bestimmten Eintrag – zum Beispiel ein Lied in der Dateiansicht – abspielen, drücken Sie entweder die untere Taste des Clickwheels oder Sie drücken einfach die mittlere, große Taste.

Musik hören

Zu den wichtigsten Aufgaben des iPods gehört natürlich auch mit Rockbox die Wiedergabe von Musikdateien. Rockbox bietet sogar zwei unterschiedliche Modi an, um Musikdateien auf dem Player zu finden und abzuspielen: So haben Sie auf der einen Seite die Möglichkeit, Lieder direkt aus dem Filebrowser heraus aufzurufen. Andererseits erlaubt es das neue Programm, mit Hilfe des Tag Cache Browser ganz ähnlich wie in iTunes oder der originalen iPod-Firmware Lieder nach Genres und anderen Kategorien zu ordnen.

MP3-Dateien, die sich vor dem Umstellen auf dem iPod befanden, gehen durch den Wechsel auf die neue Firmware nicht verloren – Rockbox kennt aber das iTunes-Datenbankformat nicht. Um die bereits vorhandenen Lieder in den Tag-Cache einzufügen, starten Sie einen manuellen Suchlauf: Drücken Sie auf dem Clickwheel die Taste MENU und wählen Sie den Eintrag Tag Cache Menu. Scrollen Sie nach unten auf Auto Update und drücken Sie die mittlere Taste, damit Rockbox ab jetzt bei jedem Neustart des iPods automatisch die Datenbank neu aufbaut.

Scrollen Sie dann nach unten auf Initialize Now und drücken Sie erneut die Select-Taste in der Mitte. Das System erstellt nun die Tag-Cache-Datenbank. Dies nimmt – je nach Menge der vorhandenen Musikdateien – einige Zeit in Anspruch. Manövrieren Sie in der Menühierarchie zurück in die oberste Ebene (Abbildung 2), wählen Sie General Settings | File View und navigieren Sie dort zu Show Files. Setzen Sie diesen Wert anschließend auf ID3 Database.

Abbildung 2: Beim Abspielen eines Titels zeigt der Player zusätzliche Informationen über den Interpreten an.

Rockbox mit Musik beladen

Ein passendes Computerprogramm als Gegenstück zu Rockbox, so Sie es eventuell von iPod und iTunes kennen, gibt es nicht. Etwas in dieser Art wäre auch überflüssig: Schließlich spielt Rockbox jedes Lied im Speicher ab, ganz gleich, in welchem Verzeichnis es liegt. Deshalb ist es denkbar einfach, den Rockbox-iPod mit Musik zu beladen. Hängen Sie das Gerät einfach an Ihren Computer an, warten Sie, bis Linux den mobilen Krachmacher in das Dateisystem eingehängt hat, und kopieren Sie anschließend nach Lust und Laune Lieder in den iPod-Hauptordner.

Haben Sie, wie oben beschrieben, die Option Auto Update gewählt, so genügt es danach, den iPod komplett aus- und wieder anzuschalten. Rockbox aktualisiert dann den Tag-Cache, die hochgeladenen Lieder stehen in der Auswahl bereit.

While-Playing-Screen

Während der iPod mit Rockbox ein Lied abspielt, zeigt er (wie bei der Standard-Firmware) an, welches Lied er aktuell abspielt. Die Entwickler haben diese Funktion bei Rockbox While-Playing-Screen (WPS) genannt. Der WPS bietet Ihnen schnellen Zugriff auf Funktionen von Rockbox. Über das Kontextmenü des WPS, das Sie durch längeres Drücken der Select-Taste öffnen, erreichen Sie beispielsweise die Konfiguration der Soundeinstellungen. Hier legen Sie die Lautstärke und diverse andere Parameter für die Audiowiedergabe fest.

Beeindruckend ist die Fähigkeit von Rockbox, mittels eines Themes ein ganz neues Aussehen zu erhalten. Einige interessante Themes gehören bereits zum Lieferumfang. Sie starten diese direkt aus Rockbox. Im Hauptmenü finden Sie den Punkt Browse Themes. Öffnen Sie diesen Menüpunkt, um eine Liste aller verfügbaren Themes zu erhalten. Wenn Sie zwischen den einzelnen Themes hin- und herwechseln, sehen Sie in Echtzeit, wie das gewählte Theme das Aussehen verändert.

Interessant ist übrigens, dass die Themes nicht bloß das äußere Erscheinungsbild von Rockbox verändern – auch die Elemente einzelner Anzeigen, wie beispielsweise des WPS, steuern und modifizieren sie mit den Themes. Wenn Sie aber tatsächlich Ihren eigenen WPS mit den Elementen Ihrer Wahl gestalten möchten, empfiehlt sich ein Blick in das Kapitel 9.2.2 des Rockbox-Handbuches [4].

Plugins

Zum Lieferumfang von Rockbox zählen bereits rund 60 Plugins, darunter viele bekannte Spiele wie Solitär, Schach, Pong oder Minesweeper (Abbildung 3) . Daneben finden sich auch kleine Werkzeuge mit nützlichen Funktionen – eines davon macht den iPod beispielsweise zur Schachuhr – sowie komplette Applikationen wie Rockboy, ein Gameboy-Emulator.

Abbildung 3: Rockbox bringt bekannte Spiele wie Frozen Bubble (links), das von Mobiltelefonen bekannte Snake (Mitte) und sogar ein komplettes Schachspiel (rechts) auf den iPod.

Findet Rockbox im Filebrowser eine Datei, für ein Plugin installiert ist, genügt es, einfach auf den entsprechenden Dateinamen zu navigieren und die Select-Taste zu drücken. Rockbox startet automatisch das richtige Plugin. Haben Sie also ein JPG-Bild gespeichert, klicken Sie einfach darauf, und das passende Plugin stellt es direkt auf dem Display dar.

Deutsch, bitte

Zwar macht es keinen großen Unterschied, ob sich die Firmware des iPods in Deutsch oder in Englisch präsentiert – wenn Sie dennoch Deutsch als Sprache verwenden möchten, erledigen Sie dies über das Menü General Settings | Languages im Hauptmenü. Möchten Sie, dass der iPod Deutsch als Standardsprache schon beim Start lädt, kopieren Sie die Datei german.lng aus dem Ordner /.rockbox/langs/ in den Ordner /.rockbox. Achten Sie aber darauf, nicht mehrere Dateien mit der Endung .lng in diesem Ordner zu haben.

Zurück zu Apple

Hat man die anfangs ausgelesene Originalfirmware des iPod zur Hand, lässt sich Rockbox problemlos vom iPod entfernen und der Auslieferungszustand wieder herstellen. Verbinden Sie den iPod mit Ihrem PC und löschen Sie die Datei rockbox.ipod sowie den Ordner .rockbox aus dem Hauptverzeichnis des iPod. Sehen Sie mittels dmesg nach, wie der Gerätename lautet, den Linux Ihrem iPod zugewiesen hat.

Ein dd if=bootpartition.bin of=/dev/sdb1 stellt in unserem Beispiel die originale Firmware wieder her (bei Ihnen lautet der Name der Partition eventuell anders). Schalten Sie den iPod komplett ab und danach sofort wieder an – der Apfel im Display verrät, dass der iPod nun wieder mit der Originalsoftware werkelt.

Fazit

Rockbox ist eine nette Spielerei für alle, die Ihren iPod etwas aufwerten möchten. Der Support für Vorbis-Dateien gefällt, das gleiche gilt für die mitgelieferten Plugins. Wenig zeitgemäß ist hingegen die Tatsache, dass Rockbox den Anwender nach der Installation in einen simplen Dateibrowser schickt. Dem unerquicklichen Gründeln nach Musik in den Untiefen des Dateisystems hilft lediglich die Tag-Cache-Funktion ab.

Auch für einen Rockbox-iPod lässt sich jedoch iTunes nutzen, um die Musikstücke einfach und bequem zu verwalten. Als freie Alternative bietet sich Gtkpod an, das ebenfalls mit Rockbox-iPods kommuniziert.

Zumindest im Hinblick auf den iPod 5G gibt es eine Funktion, die dem Rockbox-System noch definitiv fehlt: Videos spielt das Gerät mit der Alternativfirmware noch nicht ab. Ein Plugin, das Rockbox um diese Funktion erweitert, befindet sich zwar schon im Entwicklungsstadium, gilt aber zur Zeit noch als experimentell. Wer also regelmäßig Videos auf dem iPod abspielt, sollte von Rockbox vorerst die Finger lassen.

Insgesamt überzeugt Rockbox auf dem iPod aber. Da es problemlos gelingt, zurück zur Original-Firmware zu kommen, wenn Rockbox doch nicht gefällt, lohnt sich ein Blick über den Tellerrand also allemal.

Infos

[1] Rockbox-Website: http://www.rockbox.org

[2] Tool zum Extrahieren der Firmware: http://www.rockbox.org/viewcvs.cgi/*checkout*/tools/ipod_fw.c

[3] Rockbox-Bootloader: http://download.rockbox.org/bootloader/ipod/bootloader-video.bin

[4] Quelle für Rockbox-Firmware, Schriften und Dokumentation: http://www.rockbox.org/daily.shtml

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