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Genau geprüft

Neue Nachschlagewerke aus dem Duden-Verlag

Problemfall Korrektor

Mit der Duden Korrektor Starterbox bietet die Bifab AG einen eigenständig arbeitenden Korrektureditor für Texte in deutscher Sprache an, den das Unternehmen als unter Linux ablauffähig bewirbt (ISBN 3-411-70323-7, Preis: 9,95 Euro).

Als Systemvoraussetzungen nennt es hierbei unter anderem Suse ab Version 10.0 oder alternativ Distributionen mit Kernel 2.2.13 und höher sowie der Glibc ab Version 2.2.0. Da diese Kernel- und Glibc-Versionen bereits so betagt sind, dass sie de facto nirgendwo mehr im Einsatz sind, suggeriert dies dem Kunden, dass die Korrektor Starterbox auf nahezu allen gängigen und halbwegs aktuellen Linux-Distributionen läuft. Auf Anfrage – so ein Boxaufdruck – teile das Unternehmen zudem weitere Distributionen mit, unter denen die Korrektor Starterbox arbeitet.

Nach Öffnen der Box findet sich auf der Innenseite ein exakt zwei Zeilen umfassender Installationshinweis, demzufolge der Anwender die Datei dk_start.rpm wie ein Shell-Skript aufzurufen hat. Dieses absolut unübliche Vorgehen findet eine wenig erfreuliche Ergänzung in der Tatsache, dass die laut Beipackzettel aufzurufende Datei dk_start.rpm sich gar nicht auf der CD-ROM befindet. Stattdessen findet sich dort in einem Unterordner ein Tar-Archiv, das es zunächst zu entpacken gilt.

Nach dem Wechsel in das beim Entpacken entstandene Unterverzeichnis DKS-3.5.1-setup rufen Sie entweder das Shellskript ./setup.sh oder ./installer.sh auf. Beide Skripte produzieren nach Annahme der Lizenzbedingungen verschiedenste Fehlermeldungen, in manchen Fällen legen Sie jedoch noch nach Rückfrage eine veraltete Java-Version auf der Festplatte ab. Nach dieser Installationsprozedur sollte der Befehl ./start im Unterverzeichnis /opt/Duden/DudenKorrektorStarterbox das Programm aufrufen.

Support: Fehlanzeige

Leider passiert nach dem Programmstart in den meisten Fällen gar nichts. Im Test standen Systeme mit Suse 10.1, Mandriva LE 2005, Mandriva 2007, Ubuntu 6.06.1 LTS, SAM Linux 3-2006, CentOS 4.4 und Zenwalk 2.6 zur Verfügung. Unter SAM Linux 3-2006 ließ sich das Programm zwar starten, verweigerte aber die angepriesenen Korrekturdienste. Lediglich unter der bereits veralteten Version 2.6 des Slackware-Derivats Zenwalk zeigt sich die Starterbox zur Mitarbeit bereit.

Unter allen anderen Distributionen brach die Software beim Start mit verschiedensten Fehlermeldungen ab, die teils inkompatible Java-Aufrufe als Ursache anzeigten, meistens jedoch auf gravierende Fehler in den Shellskripten zurückgingen. Angesichts dieses schlichtweg desaströsen Programmpakets wächst der Wunsch, den Entwicklern der Bifab AG ernsthaft einen Grundkurs in Sachen Shellprogrammierung und Dokumentation nahezulegen, bevor sie sich dem Entwickeln anspruchsvoller Software widmen.

Genauso zuverlässig wie die Software als solche erwies sich die Bereitschaft der Bifab AG, auf Anfrage weitere unterstützte Distributionen mitzuteilen: Auf mehrere entsprechende E-Mails an die angegebenen Supportadressen reagierte das Unternehmen nicht. Lediglich einmal bestätigte eine automatisch generierte Antwort-Mail den Empfang der Anfrage, wobei diese E-Mail auf diverse, ebenfalls noch nicht gelöste Softwareprobleme mit dem Lexikon "Der Brockhaus multimedial" hinwies.

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LinuxUser 06/2012

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