Hut ab!

Fedora Core 6 im Test

01.12.2006
Vor kurzem erblickte Fedora Core 6 (Codename: "Zod") das Licht der Welt. LinuxUser hat die aktuelle Version der von Red Hat geförderten Community-Distribution unter die Lupe genommen.

"Zittert, Erdlinge, denn Zod ist erschienen" – mit einer bombastischen Mail [1] kündigte das Fedora-Projekt im Oktober die sechste Version der Distribution mit dem Codenamen "Zod" [2] an. Wir testen, ob Fedora Core 6 [3] bereit zur Übernahme der Macht auf den Computer dieser Welt ist.

Alles mit dabei

Die Programmierer versprechen Optimierungen für Systemverwalter und Entwickler, aber auch die Anwender sollen nicht zu kurz kommen: Mehr Benutzerfreundlichkeit für den Linux-Desktop haben sich die Fedora-Macher auf den Hut geschrieben und liefern die neuesten Versionen der Desktopumgebungen Gnome (2.16) und KDE (3.5.4) sowie ein verbessertes Drucksystem. Es basiert auf CUPS 1.2, dem Konfigurationstool system-config-printer und der neuen Drucktechnologie aus Gtk+).

Praktisch ist auch, dass Fedoras Installer Anaconda mit weiteren Online-Paketquellen bekannt gemacht werden kann, sodass sich – eine aktive Internetverbindung vorausgesetzt – schon während der Installation der Distribution externe Repositories kontaktieren lassen. Im Bereich Softwaremanagement gibt es aber noch weitere Neuerungen: Yum bringt nun ein Applet für die Kontrollleiste mit ("Puplet"), das automatisch über aktualisierte Pakete informiert.

Unter der Haube werkelt ein Kernel 2.6.18, und für grafisches Vergnügen sorgt X.Org in der Version 7.1 zusammen mit der AIGLX-Erweiterung, die (bei entsprechender Hardware) schicke, GL-beschleunigte Effekte für den Desktop liefert: Die berüchtigten schwabbelnden Glasfenster und rotierenden Desktop-Würfel. Das Fedora Artwork Projekt [4] hat ebenfalls ganze Arbeit geleistet und der Distribution ein ansprechendes Äußeres verpasst (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ansprechendes Äußeres: Der Gnome-Desktop unter Fedora Core 6.

Fedora Core 6 ("Zod") für die x86-Architektur liegt dieser LinuxUser-Ausgabe auf DVD bei. Als minimale Systemvoraussetzungen nennt das Fedora-Projekt:

  • für den Textmodus: Intel Pentium Pentium, 200 MHz, mindestens 128 MByte Arbeitsspeicher;
  • für den Grafikmodus: Intel Pentium II, 400 MHz, mindestens 192 MByte Arbeitsspeicher.

Als Empfehlung nennen die Entwickler ein System mit Intel Pentium 4 oder vergleichbarer CPU sowie mindestens 256 MByte RAM. Der Platzbedarf auf der Festplatte kann zwischen 90 MByte (Minimalinstallation) und 9 GByte (Vollinstallation) variieren.

Neben dem auf der Heft-DVD enthaltenen Installationsabbild finden Sie auf den Servern des Projekts [5] auch CD- und DVD-Images für die Plattformen x86_64 und ppc.

Fedora Core 6 – Übersicht

Systemkomponenten
Kernel 2.6.18
Glibc 2.5
Bash 3.1
Grafische Oberfläche
X-Server X.org 7.1 / AIGLX
3D-Desktop Compiz 0.0.13
Desktops
Gnome 2.16
KDE 3.5.4
Anwendungen
OpenOffice 2.0.4
MySQL 5.0.22
PostgreSQL 8.1.4
Programmieren
Eclipse 3.2.1
Gcc 4.1.1
Perl 5.8.8
Python 2.4.3
Subversion 1.3.2
Netzwerk
OpenLDAP 2.3.27
OpenSSH 4.3p2
Samba 3.0.23c
Webserver
Apache 2.2.3
PHP 5.1.6
Tomcat 5.5.17
Mailserver
Postfix 2.3.3
Sendmail 8.13.8
Spamassassin 3.1.4

Auf die Platte, fertig, los!

Nach dem Einlegen des Installationsmediums und dem Neustart des Rechners – vergessen Sie vorher nicht, die Bootreihenfolge im BIOS zu ändern – präsentiert Fedora Core den Bootscreen (Abbildung 2). In der Regel reicht es aus, die Eingabetaste zu drücken, um mit der Installation zu beginnen. Sofern genügend Arbeitsspeicher vorhanden ist, startet dann der Installer Anaconda im grafischen Modus und verwendet die eingelegte Heft-DVD als Installationsquelle.

Abbildung 2: Der Bootscreen von Fedora Core 6: Über verschiedene Bootparameter beeinflussen Sie die Installation.

Alternativ stehen einige Bootparameter zur Verfügung, mit denen es möglich ist, die Installationsquelle manuell festzulegen (linux askmethod), das Einspielen des Systems im Textmodus zu starten (linux text) oder die Hardwareerkennung auszuschalten (linux noprobe). Sämtliche Informationen zu diesen und anderen Parametern erreichen Sie über die Funktionstasten [F1] bis [F5].

Als nächstes bietet der Installer an, das eingelegte Medium zu testen, und anschließend präsentiert Anaconda die Sprachauswahl für die Installationsprozedur sowie die Tastatur. Bereits vorhandene Red-Hat- oder Fedora-Core-Systeme erkennt Anaconda automatisch und bietet ein Upgrade an.

Achtung: Bei der Partitionierung schlägt Anaconda standardmäßig vor, alle Linux-Partitionen der Festplatten zu entfernen und den freigewordenen Platz für Fedora Core neu aufzuteilen. Daher gilt es an dieser Stelle aufzupassen und einerseits im grauen Kasten das richtige Laufwerk, andererseits im Dropdown-Menü den richtigen Eintrag auszuwählen, um vorhandene Systeme nicht zu überschreiben.

Wer sich für den Eintrag Maßgeschneidertes Layout kreieren entscheidet, kann die entsprechende(n) Platte(n) mit Hilfe von Disk Druid manuell aufteilen. Eine Größenanpassung vorhandener Partitionen ist nicht möglich, so dass man hier im Zweifelsfall vorher Platz schaffen muss.

Danach geht es an die Netzwerkeinrichtung: Hier bietet Fedora Core die automatische Konfiguration über DHCP sowie eine manuelle Vergabe von IP-Adresse, Hostname, Gateway und DNS-Server an (Abbildung 3).

Abbildung 3: Netzwerkgeräte konfigurieren Sie entweder manuell oder vollautomatisch über DHCP.

Nach dem Einrichten der Zeitzone geben Sie das Administratorpasswort ein und wiederholen dieses, um Vertipper auszuschließen. Die Standardpaketauswahl umfasst den Gnome-Desktop sowie die Gruppe Office und Produktivität (OpenOffice, Evince etc.). Im oberen Bereich lassen sich weitere Paketzusammenstellungen, wie etwa Softwareentwicklung oder Web-Server, auswählen. Was sich hinter den Gruppen im Einzelnen verbirgt, erfahren Sie, wenn Sie die Checkbox Jetzt anpassen aktivieren und auf Weiter klicken. In dieser Übersicht ist es dann auch möglich, den KDE-Desktop zur Installation vorzumerken (Abbildung 4).

Abbildung 4: Fedora bietet verschiedene Zusammenstellungen zur Installation an; wer eine Übersicht der einzelnen Pakete wünscht, klickt auf Optionale Pakete.

Zusätzliche Software können Sie – eine aktive Internetverbindung vorausgesetzt – darüber hinaus aus Onlinequellen beziehen. Das Repository Fedora Extras [6] ist bereits aufgelistet; ein Mausklick reicht aus, um es zu aktivieren. Andere Quellen binden Sie manuell über den Button Zusätzliche Software-Depots hinzufügen ein. Dazu geben Sie in das entsprechende Dialogfenster einen Namen und eine URL für einen HTTP- oder FTP-Server ein.

Eine Funktion zum Entfernen einzelner Repositories gibt es jedoch nicht, sodass Sie die Quellen nur über Klick auf den Button Zurück entfernen können – in diesem Fall löscht das System allerdings gleich alle Einträge außer Fedora Extras. Im Test zeigte sich dieses Feature allerdings nicht sehr zuverlässig, die Installation brach mehrfach mit Fehlermeldungen ab (Abbildung 5).

Abbildung 5: Das Einbinden weiterer Repositories funktionierte im Test nicht immer zuverlässig.

Der Installer überprüft nun die Abhängigkeiten der ausgewählten Pakete und beginnt mit dem Einspielen der Software. Nach dem Reboot des Rechners stehen noch einige weitere Konfigurationsschritte an: Zustimmung zur Lizenzvereinbarung, minimale Einrichtung der Firewall und von SELinux ("Security Enhanced Linux", [7]), Einstellen von Datum und Uhrzeit, die optionale Konfiguration eines NTP-Servers, das Einrichten eines Benutzerkontos sowie das Setup der Soundkarte. Danach startet der Displaymanager, und Sie können sich an der grafischen Oberfläche anmelden.

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