Bildungswunder
Edubuntu – Ubuntu für Schulen
Edubuntu als Server
Nun wäre eine Linux-Distribution für den Bildungsbereich nicht komplett, wenn sie nur für Verwaltungsaufgaben und auf Einzelplatzsystemen eingesetzt werden könnte. Viele Schulen verfügen auch über Computerkabinette, in denen zu Bildungszwecken ein komplettes Netzwerk – zumeist inklusive Internetzugang – zur Verfügung steht.
Edubuntu bietet verschiedene Möglichkeiten zum Aufbau eines solchen Kabinetts an: Während bei anderen Betriebssystemen die Schülerrechner (Clients) und auch der Server über eine sehr leistungsfähige und daher aktuelle Hardware verfügen müssen und obendrein mit nahezu jedem Releasewechsel des Betriebssystems neue – noch leistungsfähigere – Rechner zu beschaffen sind, verfolgt Edubuntu den so genannten Terminalserver-Ansatz.
Hier erfüllt ein sehr starker Server alle Aufgaben, die im Netzwerk anfallen, während die Schülerrechner aus so genannten Thin Clients bestehen, deren Leistungsspektrum auch recht schmal ausfallen darf: Sie brauchen noch nicht einmal über eine eingebaute Festplatte zu verfügen, sondern können über das Netzwerk gestartet werden. Der Server wiederum zeichnet nicht nur für den Internetzugang und die Bereitstellung von Datei- und Druckdiensten verantwortlich, sondern erledigt auch alle Rechenaufgaben, die die Clients an ihn herantragen. Somit fungieren die Schülerrechner lediglich als mehr oder weniger "dumme" Ein- und Ausgabegeräte.
Dieses Prinzip bietet gegenüber dem "Fat-Client"-Konzept mit voll ausgestatteten Rechnersystemen als Arbeitsstationen viele Vorteile: Zunächst lässt sich die Installation eines solchen Netzwerks sehr kostengünstig realisieren, weil man für die Schülerrechner auch ältere, andernorts ausrangierte Hardware nutzen kann. Kostspielige Aufrüstungen entfallen – ein einfacher Rechner mit einer bootfähigen Netzwerkkarte genügt den Ansprüchen. Da die Clients via Netz booten, kann man auf Massenspeicher wie Festplatten oder CD-ROM-Laufwerke verzichten.
Ein weiterer Vorteil besteht in der deutlich verbesserten und vereinfachten Verwaltung der gesamten Anlage: Anstatt Software auf vielen einzelnen Maschinen installieren und warten zu müssen, wickelt man dies zentral auf dem Terminalserver ab. Hinzu kommen gewichtige Sicherheitsaspekte: Die Konzeption des Netzwerkes mit "dummen" Arbeitsplatzsystemen ohne Wechsellaufwerke minimiert die Gefahr, dass durch mitgebrachte Speichermedien der Schüler Probleme entstehen.
Schulen, die über vollwertige PCs mit internen Festplatten verfügen, können den Edubuntu-Client lokal einsetzten und mithilfe eines in Edubuntu integrierten Konfigurationsprogramms mit dem Terminalserver verbinden. Auf Maschinen ohne Massenspeicher aktiviert man lediglich die Netzwerk-Bootoption. Weiterer Konfigurationsschritte an den Arbeitsstationen bedarf es dann nicht.
Auf dem Edubuntu-Server müssen lediglich ein DHCP-Dienst sowie der Terminalserver laufen. Letzteren realisiert die Distribution in Gestalt einer Implementierung des LTSP-Servers ("Linux Terminal Server Project") [3]. Die entsprechenden Softwarepakete finden sich in den Ubuntu-Repositories (Abbildung 4).
Eine zweite Netzwerkkarte verbindet den Terminalserver mit dem Internet. Sinnvollerweise sollte man dazu auf dem Terminalserver noch eine Firewall installieren, um so ein Mindestmaß an Sicherheit zu gewährleisten.
Die nahtlose Integration des LTSP-Servers in Edubuntu ermöglicht ein einfaches und zeitsparendes Management des gesamten Netzwerks auch ohne tief schürfende EDV-Kenntnisse des Administrators – für Lehrkräfte, die oft mit mehr Engagement als Vorwissen die Wartung eines Schulnetzes übernommen müssen, stellt dies eine wichtige Arbeitserleichterung dar.
Edubuntu als Allrounder
Edubuntu eignet sich nicht nur für den Bildungsbereich und Serveranwendungen: Über die bildungsspezifischen Applikationen hinaus verfügt die Distribution auch über den gesamten Fundus an Softwarepaketen, der allen Ubuntu-Derivaten zur Verfügung steht. Mittlerweile weisen die Repositories mehr als 19.000 Pakete auf.
Damit bietet Edubuntu neben allen gängigen Diensten (etwa Apache, Squid, Bind) auch Applikationen von der Entwicklungsumgebung über Multimediasoftware bis hin zu Office- und Finanzprogrammen. Damit stellt sich Edubuntu als typisch vielseitige Linux-Distribution dar.



