Distribits

01.12.2006

Ein Blick auf Enlightenment

Die auf Debian basierende Live-Distribution Elive (http://www.elive.org) verwendet als Desktop das seit einigen Jahren in Entwicklung befindliche Enlightenment 17 (http://www.enlightenment.org). Neben Enlightenment 17 ist auch noch die stabile Version 16 des Desktops mit an Bord.

Elive nutzt einen leicht modifizierten Kernel 2.6.15, in der aktuellen Version funktioniert zudem die 3D-Beschleunigung auf ATI-Grafikkarten. Schon nach dem Start der CD fällt angenehm auf, dass Elive ein grafisches Menü präsentiert, aus dem der Benutzer Sprache, Tastaturbelegung und Bildschirmauflösung zusammen stellt. Neben dem Enlightenment-Desktop enthält das System ein aktuelles OpenOffice für die Büroarbeit, Gimp für die Grafikbearbeitung und Firefox sowie Thunderbird für die Internet-Connectivity. Weitere Programme liefert der Fundus von Debian.

Auch auf älterer Hardware macht Elive eine gute Figur: Selbst auf einem Pentium-2-Rechner mit 366 MHz Taktrate und 192 MByte RAM war flüssiges Arbeiten möglich. Ein grafisches Installationsprogramm kopiert Elive auf Wunsch auf die Festplatte, die neueste Version des Setupprogramms ermöglicht auch ein Update älterer Elive-Versionen.

Elive setzt auf Enlightenment als Desktop.

Linux neu sortiert

GoboLinux (http://www.gobolinux.org) bricht mit der traditionellen Dateisystemhierarchie: Alle Programme liegen samt Konfigurationsdateien in eigenen Verzeichnissen. Das erleichtert nicht nur die Installation mehrerer Versionen eines Programms nebeneinander, sondern auch das Löschen einer Anwendung: Ein schlichtes rm -rf nebst Ordnernamen putzt das Programm rückstandslos von der Festplatte.

Um ein Mindestmaß an Kompatibilität zu wahren, bildet das System den traditionellen Linux-Dateibaum in Form symbolischer Links auf die GoboLinux-Verzeichnisse ab. Für Einsteiger eignet sich GoboLinux aufgrund dieser Eigenheiten nicht: Es setzt voraus, dass der Anwender alle Programme aus den Quellen übersetzt und an die richtige Stelle im Verzeichnisbaum kopiert.

Eine Live-CD bietet allen Interessenten jetzt die Gelegenheit, ein komplett lauffähiges GoboLinux mit KDE-Desktop und OpenOffice zu testen, das sich auf Wunsch auch auf der Festplatte installieren lässt.

Das Projekt GoboLinux verhilft Ihnen zur maßgeschneiderten Installations-CD.

Suse künftig mit Ext3

Das kommende OpenSuse 10.2 (http://www.opensuse.org) setzt erstmals das Dateisystem Ext3 anstelle von ReiserFS ein, das seit Suse Linux 6.4 als Standard diente. Jeff Mahoney, einer der OpenSuse-Entwickler, begründete diese Wahl damit, dass ReiserFS große Probleme beim Skalieren habe und zudem mit erweiterten Attributen nicht zurechtkomme. Das sei vor allem deshalb ein Problem, weil der auf OpenSuse basierende Suse Linux Enterprise Server immer mehr als Samba- und NFS-Server im Einsatz sei und daher die Nutzung von erweiterten Attributen noch zunähme.

Ein Wechsel auf die in Arbeit befindliche Version 4 von ReiserFS sei keine Alternative, da dieses Dateisystem ein vollständiges Neuformatieren erfordere und seine Stabilität noch nicht bewiesen habe. Mit der kürzlichen Verhaftung des ReiserFS-Entwicklers Hans Reiser – er steht unter dem Verdacht, seine Ehefrau ermordet zu haben – hänge der Schwenk auf Ext3 nicht zusammen, betont Suse – die Koinzidenz sei rein zufällig.

Der Dinosaurier lebt

Slackware (http://www.slackware.org), die älteste noch aktiv gepflegte Linux-Distribution, ist jetzt in Version 11 erschienen. Erstmals bringt es einen Kernel der 2.6er-Serie mit, der aber nur optional zum Einsatz kommt: Als Standardkernel dient Linux 2.4.33, das die Entwickler mit Unterstützung für SATA, ATA-RAID und SCSI ausgestattet haben. Falls Sie bei der Installation Kernel 2.6 wählen, benutzt Slackware automatisch Udev anstelle des schon etwas betagten Hotplug.

Laptop-Benutzer dürfen sich darüber freuen, dass sich Slackware von den überholten PCMCIA-Tools verabschiedet und jetzt die aktuelleren PCMCIA-Utils einsetzt. Für den Desktop bringt Slackware KDE 3.5.4 und Xfce 4.2.3.2 mit, Gnome bleibt außen vor. Das Projekt Gware (http://www.gware.org/) stellt aktuelle Gnome-Pakete für Slackware bereit. Seamonkey 1.0.5 ersetzt die Mozilla-Suite, auch Firefox und Thunderbird sind in aktuellen Versionen dabei.

Für Entwickler liefert Slackware unter anderem Python 2.4.3, Perl 5.8.8, Ruby 1.8.4 sowie SVN 1.4 mit. Der Webserver Apache liegt in Version 1.3.37 vor und unterstützt SSL, PHP und Dynamic Shared Objects. Über das Extra-Repository stellt Slackware Software wie Java und Programme zur Einwahl via ISDN zur Verfügung.

Neben der Vollversion der Distribution, die wahlweise auf sechs CDs oder einer DVD zu haben ist, gibt es mit Zipslack ein nur etwa 70 MByte großes Kompakt-Slackware, das Sie problemlos auf einer bestehenden Windows-Partion entpacken und über eine Batch-Datei starten.

Die Entwickler versprechen, dass ein Update auf die aktuelle Version mit den Slackware-Werkzeugen problemlos möglich ist. Aufgrund der umfangreichen Änderungen, wie der Integration von Udev, sei Updatewilligen aber eine genaue Lektüre der "Slackware Changes and Hints" (http://www.slackware.com/announce/changes11.0.php) angeraten.

Eric S. Raymond hilft Freespire

Eric S. Raymond trat der Projektleitung der Distribution Freespire (http://www.freespire.org) bei, dem freien Ableger von Linspire. Raymond zählt zu den Mitbegründern der Open-Source-Bewegung und beschrieb im berühmten Essay "The Cathedral and the Bazaar" (http://catb.org/~esr/writings/cathedral-bazaar/cathedral-bazaar/) den Entwicklungsprozess freier Software.

Raymond gilt als Verfechter von Open Source, meint aber, dass sich Linux auf dem Desktop nur dann durchsetzen kann, wenn es ein geregeltes Miteinander von offener und proprietärer Software gibt. Bei Freespire handelt es sich um eine Debian-basierende Distribution, die neben quelloffener Software auch proprietäre Treiber und Codecs mitliefert. Das ermöglicht es dem Benutzer, ohne nachträgliche Installation sofort MP3- und Quicktime-Dateien abzuspielen und DVDs anzusehen.

In welche Richtung sich die Entwicklung der Distribution bewegt, bestimmt Raymond in Zukunft im Vorstand von Freespire mit. Der besteht nun aus dreizehn Mitgliedern, darunter auch Debian-Gründer Ian Murdock und der ehemalige Debian-Projektleiter Martin Michlmayr.

Linux-Installation nach Maß

Der Service Instalinux (http://www.instalinux.com) stellt eine kompakte Boot-CD zusammen, von der sich ein Linux-System ohne Zutun des Benutzers installieren lässt. Dabei stehen CentOS 4.3, Debian 3.1, Fedora Core 3/4/5, Kubuntu Breezy, Suse 9.3 bis 10.1 sowie Ubuntu Breezy, Dapper und Hoary jeweils für x86- und x86_64-Systeme zur Auswahl.

Über ein mehrseitiges Webformular fragt das System die verlangte Distribution mitsamt der gewünschten Pakete, die Zielpartition und das Root-Passwort sowie die Angaben zu einem unprivilegierten Benutzer ab. Aus den so gewonnenen Daten erzeugt Instalinux eine Installations-CD, die das System auf dem Zielrechner einrichtet und die nötigen Pakete aus dem Netz nachzieht und installiert.

Das Einrichten des Systems setzt keine Benutzereingaben mehr voraus. Allerdings überschreibt das Installationsprogramm alle Daten auf der Zielfestplatte ohne Nachfrage und partitioniert die Platte neu. Eine Installation parallel zu einem anderen System ist somit nicht möglich.

Planungen für "Feisty Fawn"

Bereits kurz vor dem Release von Ubuntu 6.10 begannen die Entwickler und Ubuntu-Mäzen Mark Shuttleworth mit den Plänen für die kommende Version 7.04, die den Codenamen "Feisty Fawn" (Lebhaftes Kitz) trägt. Shuttleworth verspricht für Ubuntu 7.04 einen erweiterten Hardwaresupport, verbesserte Multimediafähigkeiten und neue Desktopeffekte. Auf einem Entwicklertreffen im November in Mountain View klären die Ubuntu-Machern die Details.

Besonders wichtig erscheint Shuttleworth, dass Ubuntu 7.04 im Gegensatz zu Version 6.10 wieder mehr Änderungen mitbringt, die für den Anwender unmittelbar erkennbar sind. Mit "Feisty Fawn" kehrt Ubuntu voraussichtlich wieder zum sechsmonatigen Releasezyklus zurück, nachdem der Entwicklungszeitraum von Ubuntu 6.06 länger, jener der Version 6.10 kürzer dauerte.

Kurz notiert

Die aktualisierten ISO-Images von Suse Linux 10.1 (http://www.opensuse.org) – sie tragen den Zusatz "Remastered" im Namen – kombinieren die Ausgabe vom Mai mit allen Sicherheitsupdates und Aktualisierungen. Die CDs eignen sich besonders für Neuinstallationen – wer regelmäßig Updates eingespielt hat, hat sein System schon auf diesem Stand.

Die Entwickler von Debian (http://www.debian.org) haben sich entschieden, die Distribution umgehend fertig zu stellen und auf die Herausnahme unfreier Firmware aus dem System vorerst zu verzichten. Nach Abschluss der Arbeiten planen die Maintainer eine erneute Diskussion zu der Problematik. Außerdem sprachen Sie dem Debian-Projektleiter Anthony Towns ihr Vertrauen aus.

Die Fedora-basierende PPC-Distribution Yellow Dog Linux (http://www.yellowdoglinux.com) soll in Zukunft auf der Playstation 3 von Sony laufen. Nachdem Apple sich im letzten Jahr von dieser Prozessorfamilie trennte, hat sich Terra Soft Solution, Hersteller von Yellow Dog, die Playstation 3 als Zielplattform aus gesucht. Als Standard-Desktop dient Enlightenment 17 (http://www.enlightenment.org).

Die neu eröffnete Webseite Ubuntu Clips (http://www.ubuntuclips.org) bietet Anleitungen zu unterschiedlichen Aspekten rund um Ubuntu an. Die Tutorials liegen in Form kurzer Videos vor, die Themen wie das Entfernen des Hintergrundbildes oder das Einrichten des Systems nach der Installation behandeln. An Videoformaten bietet die Seite Ogg-Files für Linux, AVI-Dateien für Windows und Filme im MOV-Format für MacOS X.

Unter dem Namen CLFS – das Kürzel steht für "Cross Linux From Scratch" (http://cross-lfs.org) – steht eine Anleitung bereit, die dabei hilft, Linux von Grund auf für andere Systeme als die x86-Architektur hochzuziehen. Die Version 1.0 des Dokuments erklärt, wie der Kompiliervorgang von einer anderen Plattform aus gelingt. CLFS ist keine Distribution, sondern ein Buch, das den Aufbau eines Systems erklärt. Es liegt in verschiedenen Formaten auf der CLFS-Homepage zum Download bereit.

Unter dem Namen GNU/Fiwix (http://www.fiwix.org) steht ein Linux-kompatibler Betriebssystemkern zur Verfügung, der Studenten einen Einblick in das systemnahe Programmieren gibt. In einer ersten Version eignet sich der Kernel als Grundlage für ein System mit den bekannten Werkzeugen aus dem GNU-Pool.

Der kalifornische Hardwarelieferant Ixsystem (http://www.ixsystems.com) hat das auf FreeBSD (http://www.freebsd.org) basierende PC-BSD (http://www.pcbsd.org) übernommen. Ixsystems ist Anbieter von Servern und Speichersystemen mit vorinstalliertem Linux oder BSD. Die Firma will sich um die weitere Entwicklung des Projekts kümmern und dafür sorgen, dass die Installation von PC-BSD auf Laptops, Workstations und Servern leichter gelingt.

Canonical (http://www.canonial.com) – die Firma, die maßgeblich die Entwicklung von Ubuntu fördert – verschickt das kommende Ubuntu 6.10 nicht mehr kostenlos auf CD. Stattdessen bleiben weiterhin CDs mit Ubuntu 6.06 im Programm, da das Projekt diese Version besonders lang unterstützt, und es als das stabilere System gilt.

Das Ubuntu Counter Project (http://ubuntucounter.geekosophical.net) zählt Benutzer von Ubuntu und Ubuntu-Derivaten. Wer sich registriert, bekommt einen HTML-Quelltext, der einen Button mit der Ubuntu-Usernummer für die eigene Homepage generiert. Die Webseite hält zudem mehr oder weniger ernst gemeinte Statistiken über die registrierten Nutzer bereit.

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