Home / LinuxUser / 2006 / 12 / Datenverschlüsselung mit Truecrypt

Newsletter abonnieren

Lies uns auf...

Folge LinuxCommunity auf Twitter

Top-Beiträge

Mandriva gibt Distribution in die Hände der Community
(268 Punkte bei 24 Stimmen)
Neues vom Systemd
(161 Punkte bei 4 Stimmen)
Mandriva in Nöten
(161 Punkte bei 4 Stimmen)

Heftarchiv

LinuxUser Heftarchiv

EasyLinux Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Partner-Links:

Shopping
Topsuche
 
Yatego Deutschlands größte Shoppingmall. 10000 Shops,
3.5 Mio Artikel. Alle Bestseller, Servertechnik und Technik Themenwelten.

Notebooks und Netzwerkhardware bei Mercateo günstig kaufen.
Internet Telefonie mit VoIP Telefonen von Gigaset
Das B2B Portal www.Linx.de informiert über Produkte und Dienstleistungen.
Günstige Digitalkameras finden Sie im Preisvergleich.

Innere Werte

Datenverschlüsselung mit Truecrypt

01.12.2006 Sensible Daten gehören in den Datensafe: Truecrypt verschlüsselt nicht nur ganze Partitionen, sondern verbirgt sogar deren Existenz.

Beinahe schon fahrlässig behandeln viele Anwender sensiblen Daten auf dem Rechner, auch Firmen machen in dieser Hinsicht häufig keine Ausnahme. Getreu der Devise: "Es wird schon nichts passieren" trägt man wichtige Unternehmensinterna auf dem Laptop spazieren. Als aktuelles Beispiel dafür können die bei VW entwendeten Laptops dienen, die Informationen über die Bauweise von gepanzerten Regierungslimousinen enthielten [1].

Dabei gibt es inzwischen ebenso effiziente wie einfach zu bedienende Möglichkeiten, um die Daten auf dem Rechner vor Unbefugten zu schützen. Als wahrer Allrounder entpuppt sich in dieser Hinsicht Truecrypt [2], das nicht nur Partitionen verschlüsselt, sondern auch verschlüsselte "Container" erstellt. Diese bestehen aus einer Datei, die das verschlüsselte Dateisystem enthält und die man wie eine normale Partition in das System einhängt. Als Verschlüsselungsalgorithmus stehen AES, Blowfish, Twofish, Triple-DES, CAST5 und Serpent zur Auswahl, optional auch in Kombination.

Truecrypt wurde ursprünglich für Windows entwickelt, und auch die Linux-Variante basiert auf dieser Implementation. Allerdings fehlen bislang einige Features wie die grafische Oberfläche oder die dynamische Größenanpassung von Containern. Sowohl unter Linux als auch unter Windows erstellte verschlüsselte Container und Partitionen mountet Truecrypt anstandslos auch auf dem jeweils anderen Betriebssystem, sofern dieses das verwendete Dateisystem unterstützt.

Truecrypt einrichten

Die Heft-CD enthält den Quelltext von Truecrypt sowie passende Archive für viele gängige Distributionen. Die RPM-Pakete installieren Sie mit dem Aufruf rpm -ivh truecrypt.rpm, DEB-Archive mit dem Befehl dpkg -i truecrypt.deb.

Da Truecrypt ein Kernelmodul einrichtet, kommt es vor, dass die Installation scheitert, wenn ein modifizierter oder aktualisierter Kernel zum Einsatz kommt. In diesem Fall kompilieren und installieren Sie das Programm aus dem Quelltext. Sie benötigen dafür folgende Programme und Dateien auf Ihrem Rechner: make, gcc, ld, strip sowie die Kernel-Quellen. Zur Installation gehen Sie wie folgt vor:

  • Extrahieren Sie das Quellpaket mit dem Aufruf sudo tar xvfz truecrypt-4.2a-source-code.tar.gz -C /usr/src/.
  • Wechseln Sie in das neue Verzeichnis /usr/src/truecrypt-4.2.a/Linux
  • Starten Sie den Kompiliervorgang mit dem Aufruf sudo ./build.sh.
  • Rufen Sie abschließend die Installationsroutine mit dem Befehl sudo ./install.sh auf.

Unter Umständen müssen Sie die Prozedur nach einem Kernel-Update wiederholen, damit Truecrypt die benötigten Module neu einrichtet.

Objekte erstellen

Wie eingangs beschrieben handelt es sich bei Truecrypt derzeit um ein reines Kommandozeilenprogramm. Die Entwickler sehen jedoch für das nächste Release ein grafisches Frontend vor. Der Aufruf truecrypt ohne weitere Parameter gibt die Hilfeseite des Programms aus. Detailliertere Informationen liefert die Manpage des Programms (man truecrypt).

Zum Erstellen eines verschlüsselten Objektes tippen Sie truecrypt -c Dateiname .Dieser Aufruf startet eine Schritt-für-Schritt-Abfrage (Abbildung 1), die mit der Art des Volumes (Hidden oder Normal) beginnt. "Hidden" bedeutet hier, dass Sie innerhalb eines bestehenden verschlüsselten Objektes ein zweites erstellen, dessen bloße Existenz für Unbefugte später nicht nachweisbar ist.

Abbildung 1: Die sequentielle Abfrage erleichtert das Anlegen von verschlüsselten Containern und Partitionen.

Im nächsten Schritt legen Sie das Dateisystem des Objektes fest. Möchten Sie ein anderes als FAT verwenden, wählen Sie hier none und formatieren den Container später wie im Kasten "Virtuelle Laufwerke formatieren" beschrieben per Hand.

TIPP

Befindet sich der Truecrypt-Container auf einem Journaling-Dateisystem wie Ext3 oder ReiserFS, hält das Journal unter Umständen Daten über den Container vor, die es erlauben, diesen – beispielsweise nach einem Passwortwechsel – mit dem alten Passwort zu mounten. Dieses potentielle Sicherheitslücke umgehen Sie, indem Sie den Container auf einem Dateisystem ohne Journal, beispielsweise Ext2, aufbewahren.

Virtuelle Laufwerke formatieren

Truecrypt bietet zum Formatieren lediglich das Dateisystem FAT an. Das erweist sich im täglichen Betrieb jedoch nicht immer als stabil genug; bei Abstürzen während der Arbeit mit Truecrypt etwa gehen oft Zuordnungen verloren. Daher empfiehlt es sich, beim Anlegen eines Objektes als Dateisystem none zu wählen und die Partition im Anschluss wie folgt zu formatieren:

  • Mappen Sie das Laufwerk als Benutzer root mit dem Befehl truecrypt -N Nummer Container (zum Beispiel # truecrypt -N 1 filesafe.tc). Die Nummer hinter -N gibt an, mit welcher Zahl Truecrypt das Device versieht (zum Beispiel truecrypt1).
  • Formatieren Sie danach das Device mit dem Dateisystem Ihrer Wahl. Für Ext3 lautet der Aufruf mkfs.ext3 /dev/mapper/truecryptNummer .
  • Um es zu nutzen, hängen Sie das Device im Anschluss mit dem Befehl mount /dev/mapper/truecryptNummer Mountpunkt in Ihr Verzeichnis ein. Dafür stehen Ihnen alle Optionen zur Verfügung, die mount bietet.
  • Da Truecrypt das Mappen und Einhängen in einem Arbeitsgang erledigt, reicht zukünftig der Aufruf truecrypt Objekt Mountpunkt .

Danach geben Sie an, wie groß der Container werden soll. Erstellen Sie eine Partition, nutzt Truecrypt diese immer komplett. Anschließend stellen Sie ein, welchen Hashalgorithmus Truecrypt zur Integritätssicherung verwendet. Zur Auswahl stehen RIPMED-160, SHA-1 und Whirlpool.

Im nächsten Schritt legen Sie fest, mit welchem Algorithmus Truecrypt den Inhalt der Objekte verschlüsselt. Die spätere Geschwindigkeit der Schreib- und Lesezugriffe auf diese Laufwerke hängt maßgeblich von der Auswahl des Verschlüsselungsalgorithmus ab.

Die Tabelle "Benchmark" gibt Auskunft über die Geschwindigkeit der verschiedenen Algorithmen. Als Dateisystem diente jeweils Ext3; die Volumes bestanden jeweils aus einem 300 MByte großen Container, in den eine 260 MByte große Datei kopiert wurde. Dabei diente RIPMED-160 als Hashalgorithmus. Besonders, wenn Sie später häufig schreibend auf die Partition zugreifen möchten, sollten Sie darauf zu achten, einen möglichst leistungsfähigen Algorithmus wie Serpent oder Twofish zu verwenden.

Benchmark

Verschlüsselungsalgorithmus

Schreiben (MByte/s)

Lesen (MByte/s)

Unverschlüsselt 9,2 33,3
Twofish 7,9 26,0
Serpent 7,6 24,8
Blowfish 7,4 22,0
AES 6,8 21,0
Twofish-Serpent 6,8 15,6
Serpent-AES 6,7 14,7
CAST5 6,5 14.9
Serpent-Twofish-AES 5,8 10,9
Triple-DES 5,4 10,8
AES-Twofish 4,7 14,4
AES-Twofish-Serpent 4,6 11,1

In den letzten beiden Abfragen geben Sie optional ein Passwort, einen Schlüssel oder beides an, die Truecrypt einzeln oder in Kombination zum Öffnen der Laufwerke verwendet. Als Schlüssel kann jede auf dem System vorhandene Datei dienen, aus Sicherheitsgründen sollte diese aber mindestens 16 Byte groß sein. Abschließend generiert Truecrypt als internen Schlüssel ein zufälliges Bitmuster aus Mausbewegungen oder einer Tastatureingabe. Danach ist Ihr verschlüsseltes Laufwerk einsatzbereit.

Einen Schwachpunkt der Truecrypt-Container stellt ihr Header dar: Schon eine Störung einzelner Bits darin macht das Mounten des verschlüsselten Volumes unmöglich. Daher empfiehlt es sich, diesen Header mit dem Befehl truecrypt --backup-header Sicherungsdatei Volume zu sichern. Der Aufruf truecrypt --restore-header Sicherungsdatei Volume stellen die die Kopfdateien im Schadensfall wieder her.

TIPP

Mit dem Aufruf truecrypt -C Container ändern Sie nachträglich die Art der Authentifizierung für einen Container oder ein verschlüsseltes Laufwerk.

Laufwerke einbinden

Das Einhängen eines Laufwerks oder Containers vollzieht sich in zwei Schritten: Zuerst legt Truecrypt ein virtuelles Device namens truecryptZahl im Verzeichnis /dev/mapper an. Danach hängt das Programm das Device an eine beliebige Stelle im Dateisystem ein (Abbildung 2).

Abbildung 2: Vor dem Einhängen in das Dateisystem mappt Truecrypt die Datei oder Partition als physikalisches Gerät (Device).

Normalerweise erledigen Sie mit einem Aufruf beides: truecrypt Container /Pfad/zum/Mountpoint mountet das Objekt an der gewünschten Stelle im Dateisystem. Möchten Sie ein Objekt lediglich mappen, ohne es einzuhängen, tippen Sie truecrypt -N Zahl Container . Das Kommando truecrypt Container mappt die Partition oder den Container mit einer automatisch zugewiesenen, fortlaufenden Devicenummer.

Der Aufruf truecrypt -l zeigt eine Übersicht aller gemappten Container. Um die Zuordnungen aufzuheben, tippen Sie entweder truecrypt -d, um alle gemappten Verbindungen zu lösen, oder truecrypt -d Device , um die Zuweisung eines einzelnen Laufwerks aufzuheben.

Einem Freund empfehlen    Druckansicht Bookmark and Share
Kommentare

1017 Hits
Wertung: 110 Punkte (2 Stimmen)

Schlecht Gut

Infos zum Autor

Thomas Leichtenstern

Thomas Leichtenstern

CD/DVD-Redakteur


Infos zur Publikation

Infos zur Publikation

LinuxUser 06/2012

Aktuelle Ausgabe kaufen:

Heft bestellen Heft als PDF kaufen

LinuxUser erscheint monatlich und kostet in der Nomedia-Ausgabe EUR 5,50 und mit DVD EUR 8,50. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der LinuxUser-Homepage.

Im LinuxUser-Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben für 3 Euro. Das Jahresabo (ab EUR 56,10) können Sie im LNM-Shop bestellen.

Tipp der Woche

Adobe AIR
Adobe-AIR-Programme installieren und (manuell) starten
Tim Schürmann, 14.05.2012 13:09, 0 Kommentare

Es gibt sie noch: neue Anwendungen, die Adobes Integrated Runtime voraussetzen. Aktuellstes und vermutlich auch größtes Beispiel ist das Adventure Botanicula

Aktuelle Fragen

gibt es ein Kommandozeilen Tool, um ein X11-Fenster in ein Anderes einzubetten?
GoaSkin , 21.05.2012 16:44, 0 Antworten
Das XEmbed-Protokoll ist u.A. dazu gedacht, dass man eine X11-Anwendung in eine andere wie ein Wi...
Apache2, Options -Indexes geht nicht
no no, 12.05.2012 19:01, 8 Antworten
Habe in apache2.conf folgendes stehen: Options -Indexes ...
LInux auf Dell LS H500
Andreas Endresl, 09.05.2012 08:54, 2 Antworten
Habe einen alten Dell Latitude LS H500 nur mit ext. Floppy und CD es geht nur immer eines von den...
Datenwiederherstellung unter Ubuntu 12.04 mit "Simple Backup" nach Umzug von Linux Mint
Christian Lottmann, 07.05.2012 13:33, 0 Antworten
Vor dem Umzug auf Ubuntu 12.04 habe ich unter Linux MInt mit "Simple Backup" voll (15.4.2012) und...
DKMS für den propritären NVIDIA-Treiber
Commander Data, 26.04.2012 22:02, 2 Antworten
Hallo an die Gemeinde. Ich habe hier ein interessantes Stück openSuSE gefunden. http://forums.op...