Ein ungleiches Paar

Wie kompatibel sind Windows Vista und Linux?

01.11.2006
Windows Vista und Linux vertragen sich gut – nur nicht im Netzwerk: Microsoft sperrt Linux-Anwender vom Zugriff auf Vista-Freigaben aus.

Beinahe sechs Jahre verrichtet Windows XP nunmehr als das Standard-Desktop-System von Microsoft mehr oder weniger gut seine Arbeit. Die Anwender haben sich darauf eingestellt und gelernt, mit den Widrigkeiten – speziell im Kontext mit Linux – umzugehen. Nun löst das bereits im Jahre 2001 angekündigte Vista [1] die bisherigen Systeme ab.

Kurzfristig ist das sicher kein Problem, in absehbarer Zeit gehen jedoch sowohl die Software- als auch die Hardwarehersteller dazu über, ihre Produkte speziell auf Vista (Abbildung 1) anzupassen. Wer dann noch mit Windows arbeiten möchte oder muss, kommt nicht mehr drum herum, das neue Betriebssystem zu verwenden. Welche Konsequenzen und Probleme für Anwender daraus entstehen, die Vista parallel zu Linux betreiben müssen, zeigt der Artikel.

Abbildung 1: Microsofts neues Betriebssystem Vista löst in Kürze das in die Jahre gekommene Windows XP ab.

Multiboot

Viele Anwender verwenden auf ihrem Rechner neben Linux eine Windows-Variante als zweites Betriebssystem – sei es, um von Linux nicht unterstütze Hardware zu verwenden, oder um Programme zu benutzen, die es in der Art für Linux nicht gibt. Der einfachste Weg zum Dual-Boot-Ziel besteht darin, zuerst Windows und danach Linux zu installieren. Linux überschreibt dann zwar den Windows-Bootloader, sofern Grub oder Lilo im MBR installiert werden, erkennt jedoch auch das installierte Windows und bindet es automatisch in die Boot-Auswahl mit ein.

Daran hat sich auch mit Vista nichts geändert, allerdings zuweilen mit dem falschen Ergebnis: Im Test erkannte das Suse-10.0-Setup das Windows-System zwar und fügte es auch der Bootauswahl hinzu, der Start von Vista misslang jedoch. Hier gilt es, die Grub-Einstellungen per Hand anzupassen. Öffnen Sie als Benutzer root mit einem Texteditor die Datei /boot/grub/menu.lst und ergänzen diese um folgenden um folgenden Eintrag:

title Windows Vista
root (hd0,0)
savedefault
makeactive
chainloader +1

Existiert bereits ein ähnlicher Eintrag, passen Sie ihn mit den genannten Einstellungen an. Der root-Zeile zeigt an, wo sich Windows auf der Festplatte befindet. Entgegen der Microsoft-Zählmethode (Festplatten beginnen bei 0, Partitionen bei 1) fängt Grub immer bei 0 zu zählen an. Entsprechend lautet der Eintrag für die erste Partition der Master-Platte root (0,0). Befindet sich Vista wie im Test auf Partition 3, so lautet der Eintrag root (hd0,2).

Vista nachinstallieren

Bei Vista-Neuinstallationen auf Rechnern, auf denen bereits Linux installiert ist, überschreibt das Setup wie in der Vergangenheit auch den Master Boot Record (MBR) ohne Nachfrage. Der einfachste Weg, ihn weiter zu verwenden, ist ihn vor der Installation wie folgt zu sichern:

dd id=/dev/hda of=/root/mbr.txt ↩
bs=512 count=1

Verwenden Sie Ubuntu 6.06, kann es bei diesem Aufruf zu der Fehlermeldung Segmentation Fault kommen, dd schreibt den Dump jedoch trotzdem korrekt in die Datei. Das Sie nach der Installation Ihr Linux nicht mehr erreichen, booten Sie ein Live-Linux, beispielsweise das auf den Datenträgern enthaltene GParted, und schreiben den MBR wie folgt zurück:

dd if=/root/mbr.txt of=/dev/hda ↩
bs=512 count=1<c>

Danach befindet sich der MBR wieder im Ursprungszustand. Jetzt gilt es noch, wie oben beschrieben die Grub-Konfigurationsdatei /boot/grub/menu.lst anzupassen, um auch Windows damit zu booten.

Alternativ starten Sie Linux auch mit dem Windows-Bootloader. Unter Windows NT/2000/XP genügte es, dazu die Datei boot.ini entsprechend anzupassen ([2]). Diese Konfigurationsdatei ersetzt nun ein Binärprogramm, das Sie mit dem Kommandozeileneditor bcdedit einrichten. Eine umfangreiche Hilfe zum Programm erhalten Sie über den Aufruf bcdedit /help. Um Linux mit dem neuen MS-Bootloader zu starten, gehen Sie wie folgt vor:

  • Schreiben Sie die ersten 512 Byte der Linux-Partition (nicht der Festplatte!) mit dem Befehl dd if=/dev/Partition of=/linux.img bs=512 count=1 in eine Image-Datei.
  • Kopieren Sie diese Image-Datei in das Windows-Wurzelverzeichnis, das sich üblicherweise in C:\ befindet.
  • Starten Sie unter Vista die Konsole mit dem Aufruf cmd im Schnellstartfenster ([Win]+[R]).
  • Der folgende Befehl erzeugt einen neuen Eintrag im Bootloader von Vista: bcdedit /copy {ntldr} /d "Linux".
  • Danach erscheint die Meldung, dass der Eintrag erfolgreich nach HexZahl kopiert wurde. Die hexadezimale Zeichenfolge HexZahl gibt den Bezugspunkt zum neuen Eintrag an.
  • Geben Sie danach folgenden Befehl ein: bcdedit /set {HexZahl} device boot, und ersetzten Sie HexZahl durch die zuvor angezeigt Zeichenkette.
  • Geben Sie im Anschluss folgendes Kommando ein: bcdedit /set {HexZahl} path \linux.img. Bei linux.img handelt es sich um der zuvor erstellten Dump der ersten 512 Byte der Linux-Partition.
  • Mit dem Befehl bcdedit /displayorder {HexZahl} /addlast legen Sie die Anzeigenreihenfolge im Bootmenü fest. Möchten Sie Linux als erstes anzeigen, verwenden Sie anstelle von addlast die Option addfirst.

Danach booten Sie Ihre Distribution über den Eintrag Linux im Windows-Bootmenü.

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