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Textdokumente mit TeXmacs komfortabel setzen

01.11.2006 Zum Erstellen von Textdokumenten kann man auf WYSIWYG-Applikationen wie OpenOffice zurückgreifen oder echte Textsatzsysteme wie TeX nutzen. TeXmacs kombiniert die Vorteile beider Ansätze: hochwertige Textdokumente und eine intuitive Bedienung.

Im naturwissenschaftlichen und mathematischen Umfeld haben sich TeX und LaTeX zum Erzeugen von hochwertigen (zumindest aus Sicht des Schriftbildes) Dokumenten wie Aufsätzen, Präsentationsfolien, etc. durchgesetzt. Dabei bietet (La)TeX den wesentlichen Vorteil, dass der Autor sich auf den Inhalt konzentrieren kann und sich nicht um das Layout sorgen muss. Allerdings gilt es, die zu verwendende Dokumentensatzsprache erst einmal zu erlernen – oft ein erheblicher Aufwand.

Den absoluten Gegenpunkt stellen so genannte WYSIWYG-Editoren dar. WYSIWYG bedeutet übersetzt so viel wie "was Sie sehen, bekommen Sie auch". Diese Philosophie verfolgen unter anderem Office-Produkte wie OpenOffice: Deren Oberfläche sorgt dafür, dass die einfachsten und gängigsten Funktionen wie Schriftformatierung, Tabellengestaltung oder Bildpositionierung sich ohne großen Lernaufwand nutzen lassen. Allerdings fallen die Ergebnisse aus Sicht des Druckbildes meist schlechter aus, als bei Dokumenten, die mithilfe von LaTeX gesetzt wurden.

TeXmacs (Abbildung 1) schließt die Lücke zwischen diesen beiden Welten. Es ist ein WYSIWYW-Editor und benutzt die durch TeX bereitgestellten Schriftarten. WYSIWYW bedeutet übersetzt so viel wie "Sie sehen genau das, was Sie haben wollen".

Abbildung 1: TeXmacs bietet eine intuitive Bedienoberfläche, wie man sie von Textverarbeitungen her kennt.

Satzvorbereitung

Auf den Internetseiten des TeXmacs-Projektes [1] steht das RPM-Paket TeXmacs-1.0.6.6-1.i386.rpm für i386-basierte Distributionen wie Fedora, Mandriva oder Suse zum Download bereit. Nach dem Herunterladen installieren Sie es, eine vorhandene teTeX-Installation [2] vorausgesetzt, mittels des Befehls:

rpm -Uhv TeXmacs-1.0.6.6-1.i386.↩
rpm

Bei teTeX handelt es sich um eine TeX-Distribution, die jeder aktuellen Linux-Distribution beiliegt. TeXmacs greift, wie bereits erwähnt, auf deren Schriften zurück. Darüberhinaus bietet die TeXmacs-Seite das Paket TeXmacs-extra-fonts-1.0-1.noarch.rpm mit zusätzlichen Schriftarten an. Dessen Installation funktioniert unter Suse 10.1 leider nicht via RPM, da Suse andere Paketnamen benutzt und somit die Abhängigkeit zu tetex-fonts nicht auflöst.

Eine Lösung für das Problem bietet die Quellcode-Sektion der TeXmacs-Homepage. Dort findet sich neben dem TeXmacs-Quellcode auch das Schriftarten-Archiv TeXmacs-extra-fonts-1.0-noarch.tar.gz. Dieses installieren Sie unter Suse über den Befehl:

mkdir ~/.TeXmacs && tar -C ~/.Te↩
Xmacs/ -xvzf TeXmacs-extra-fonts↩
-1.0-noarch.tar.gz

in das Verzeichnis .TeXmacs, das dabei in Ihrem Home-Verzeichnis erzeugt wird. TeXmacs findet die neuen Schriften dann beim ersten Start automatisch und bindet sie entsprechend ein.

Benutzer von Debian-basierten Distributionen installieren TeXmacs einfach mittels apt-get install texmacs.

Erste Schritte

Nach dem Starten von TeXmacs via texmacs öffnet sich das in Abbildung 1 gezeigte Fenster, Sie können nun mit dem Programm arbeiten. Wie der Name schon vermuten lässt, lehnt sich TeXmacs in Sachen Bedienung an den unter Linux weit verbreiteten Editor Emacs an, sodass die meisten vom Emacs bekannten Tastenkürzel funktionieren. Darüber hinaus gibt es eine Menüleiste zum Aufrufen der Funktionen sowie Werkzeugleisten für die wichtigsten Aufgaben. Tooltips erklären die Bedeutung der einzelnen Icons. Wenn diese also einmal nicht sofort ersichtlich ist, genügt es, den Mauszeiger über einem Icon eine Weile ruhen zu lassen.

Ein Dokument laden Sie wahlweise via Datei | Laden, das entsprechende Icon (das zweites links), die Emacs-Tastatursequenz [Strg]+[X]+[F] oder das hauseigene TeXmacs-Tastenkürzel [F2]. Auf ebenso vielen Wegen lassen sich Dokumente neu erzeugen ([Alt]+[F2]), speichert ([F3]), und so weiter.

Wie eingangs erwähnt, gestaltet sich der Umgang mit TeXmacs intuitiv. Haben Sie ein neues Dokument erzeugt, können Sie sofort munter drauf los tippen. Um Attribute wie Schriftfarbe, Kursivstellung oder Fettschrift einzustellen, wählen Sie den zu verändernden Text aus – etwa mittels der Maus durch ziehen bei gedrückter linker Maustaste. Ein Doppelklick auf ein einzelnes Wort markiert das anwählte Wort. Im Gegensatz zu den meisten anderen Editoren hinterlegt TeXmacs den gewählten Text nicht etwa farbig, sondern markiert ihn durch eine rote Umrandung (Abbildung 2). Klicken Sie einen solchen Textblock nach der Auszeichnung erneut an, so zeigt ein türkisfarbener Rahmen, wie weit beispielsweise eine Unterstreichung gilt.

LaTeX-gewohnte Nutzer können ihren gewohnten Schreibstil beibehalten. Auch bei TeXmacs schaltet [Umschalt]+[4] ("$") in einen Mathematik-Modus, in dem dann etwa ein \alpha, gefolgt von [Eingabe], den ersten Buchstaben des griechischen Alphabets darstellt.

Abbildung 2: Ausgewählter Text wird rot umrahmt, die Grenzen eines zuvor veränderten Textblocks markiert ein türkisfarbenes Rechteck.

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