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Transportfähig

Open Transport Tycoon, Lincity NG und Simutrans

28.01.2009 Städteplaner und Hobby-Spediteure haben auch unter Linux alle Hände voll zu tun: Wir stellen drei freie Simulationen vor und zeigen, worauf Sie achten müssen.

Railroad Tycoon, Sim City: Bei passionierten Spielern klingelt es da sofort. Richtig, in den 90er Jahren gehörten die Titel zu den bekanntesten Computerspielen weltweit – und zu den beliebtesten. Da wundert es kaum, dass seit einiger Zeit Open-Source-Entwickler an freien Alternativen basteln. Wie erfolgreich diese Versuche sind, verrät ein Blick auf Lincity NG, Open Transport Tycoon und Simutrans.

Lincity NG 1.0.3

Lincity NG – Ein merkwürdiger Name: Aber wie in der Fernsehserie Star Trek steht das NG im Namen des freien Sim-City-Klons [1] für "Next Generation". Das Spiel verweist damit auf den Vorläufer LinCity [2], der grafisch eher in der Tradition alter 486er-Spiele stand.

Das Spielprinzip von Lincity NG entspricht dem von Sim City: Es geht darum, eine Stadt aufzubauen, das Budget im Zaum zu halten und den Bewohnern ein Leben in ewiger Glückseligkeit zu schenken. Das Spiel endet, wenn ein Raumschiff die Bevölkerung ins Weltall transportiert, wozu Sie ein bestimmtes Techniveau erreichen müssen. Neben diesem etwas merkwürdigen Ziel gewinnen Sie auch, wenn Ihre Wirtschaft nachhaltig funktioniert – was der Fall ist, wenn die farbigen Linien im Reiter Eco den rechten Rand berühren.

Für Linux-Nutzer liegt die Simulation als Autopackage [3] vor, was die Installation vereinfacht. Sie laden das Paket herunter, öffnen den Konqueror und machen die Datei mit einem Rechtsklick über EigenschaftenBerechtigungenErweiterte Berechtigungen ausführbar, indem Sie unter Öffnen in der Zeile Benutzer ein Kreuz setzen. Ein Doppelklick startet dann die Installationsroutine. Haben Sie bisher noch kein Autopackage installiert, holt sich die Software selbstständig den so genannten Supportcode aus dem Netz: Sie müssen dafür lediglich auf der Kommandozeile bei der entsprechenden Nachfrage YES eingeben. Danach beginnt die eigentliche Installation der Pakete über eine grafische Oberfläche. Weitere Hinweise zum Umgang mit Autopackages finden Sie auf der sehr übersichtlichen Autopackage-Webseite.

Anfangs stehen Ihnen in Lincity NG nur bestimmte Gebäudetypen zur Verfügung. Zugang zu fortgeschrittenen Technologien erhalten Sie erst, wenn Sie über eine bestimmte Menge an Technologiepunkten verfügen. Mit ein wenig Geschick schalten Sie nach und nach sämtliche Gebäude und Technologien frei. Was die Gebäude erwirtschaften und benötigen, erfahren Sie über die in das Spiel integrierte Hilfe, die Sie über [F1] aufrufen. Auch die Webseite bietet einige Tipps, allerdings keine Anleitung für das Spiel.

Als Dreh- und Angelpunkt für den Handel dienen die Märkte: Sie vermitteln Arbeitskräfte, kaufen und verkaufen Rohstoffe und Waren. Ein Doppelklick mit dem Abfragewerkzeug auf einen Markt offenbart ein Spezialmenü, über das Sie den An- und Verkauf der Waren regeln. Mit ein wenig Übung und geschicktem Einsatz der Mittel bekommen Sie Ihre Stadt in den Griff (Abbildung 1). Aber Vorsicht: Geraten Sie anfangs in die Miesen, fressen die Zinsen das Budget ganz schnell auf.

Abbildung 1: Lincity NG in Aktion: Strapazieren Sie am Anfang Ihr Budget über die Maßen, fressen die Zinsen die Gewinne auf.

Um das Spiel zu verlassen, klicken Sie unten links auf den roten Knopf. Sie gelangen in das Hauptmenü, über das Sie das Spiel speichern. Die dort erreichbaren Hardware-Einstellungen fallen kärglich aus: Sie regeln den Sound und entscheiden, ob Sie das Spiel im Vollbildmodus oder in einem Fenster spielen wollen.

Open TTD 0.4.8

Eine komplexere Simulation ist Open Transport Tycoon Deluxe (Open TTD), ein freier Klon von Transport Tycoon Deluxe. Die Software braucht eine handvoll Dateien des Originalspiels, die aber finden Sie im Internet. Sie laden das Archiv openttd-0.4.8-source.tar.bz2 von der Webseite [4] herunter, entpacken es und wechseln in das neue Unterverzeichnis openttd-0.4.8. Dann laden Sie die Windows-Version von Transport Tycoon Deluxe [5] herunter, entpacken sie über die Konsole mit dem Befehl unzip Transport\ Tycoon \ for\ Windows.zip. Aus dem dabei entstehenden Unterordner kopieren Sie die Dateien mit der Endung .grf sowie die Datei sample.cat in das Verzeichnis openttd-0.4.8/data/ von Open TTD.

Wechseln Sie dann auf der Konsole in das Hauptverzeichnis von Open TTD, wo Sie make eingeben. Um Open Transport Tycoon Deluxe erfolgreich zu kompilieren, installieren Sie zuvor über den Paketmanager Ihrer Distribution die wichtigsten SDL-Pakete wie libsdl1.2-dev, libsdl1.2debian, libsdl1.2debian-alsa, libsdl-image1.2, libsdl-image1.2-dev, libsdl-image1.2 unter Kubuntu Dapper Drake. Zusätzlich benötigen Sie die üblichen Werkzeuge zum Kompilieren des Quellcode, wie gcc und automake. Um die Simulation zu starten, geben Sie im Open TTD-Hauptverzeichnis ./openttd ein.

Auf Wunsch generiert das Spiel eine Landschaft mit verschiedenen, nicht verbundenen Städten. Dazwischen liegen Bauernhöfe, Felder, Kohleminen und Fabriken (Abbildung 2). Sie verbinden nun die Städte, Gebäude und Produktionsstätten miteinander und brauchen dabei allmählich das Budget auf. Da aber Geld fließen muss, schaffen Sie dort Haltestellen, wo Material und Menschen einander benötigen.

Verbinden Sie zum Beispiel ein Ölfeld mit einer Raffinerie, transportiert die Linie den Rohstoff durch die Gegend: Mit jeder Ankunft des Busses in der Raffinerie klingelt es in Ihrem Geldbeutel. Um eine Busstrecke aufzubauen, muss an beiden Enden der Strecke ein Busbahnhof stehen. Wichtig dabei: Der Bahnhof – das gilt für alle Gebäude dieser Art – muss mit der Einfahrt zur Straße zeigen, sonst arbeitet er nicht. Zudem gehört zu einer solchen Station meist auch ein Hof.

Ziel des Spieles ist es, ein möglichst mächtiges Transportimperium aufzubauen und die Konkurrenz in den Ruin zu treiben: Die schläft nämlich nicht, sondern baut ihrerseits fleißig neue Strecken auf. Das Angebot an Fahrzeugen im Spiel fällt relativ umfangreich aus: Sie nutzen Busse, verschiedene Arten von Zügen, Schiffe und sogar Flugzeuge.

Zwischendurch kommen ständig Meldungen herein, die Sie berücksichtigen sollten: So gibt es Subventionen, wenn Sie zwei bestimmte Städte durch eine Bahnstrecke miteinander verbinden. Es geht aber nicht nur darum, Strecken aufzubauen: Sie verwalten diese auch, bestimmen die Länge der Züge und entscheiden so darüber, ob sich eine Strecke rentiert oder nicht.

Abbildung 2: Open Transport Tycoon: Die Felder strukturieren die Landschaft nicht nur, sie wechseln auch, abhängig von der Jahreszeit, ihr Aussehen.

Starten Sie ein neues Spiel, erwartet Sie zunächst ein Hauptfenster, über das Sie auch allerhand weitergehende Einstellungen vornehmen – etwa für den Multiplayer-Betrieb: Sie spielen Open TTD nicht nur über das lokale Netzwerk (LAN), sondern bei Bedarf auch über das Internet. Entweder klinken Sie sich auf einem der vorhandenen Server ein, oder Sie eröffnen einen eigenen Spieleserver. Über die Option Create scenario erschaffen Sie mittels des integrierten Terraform-Editors komplett neue und eigene Landschaften.

Anleitung und Hilfe finden Sie in Form eines englischsprachigen Wikis auf der Open TTD-Webseite [6]. Unter anderem warten dort Erläuterungen zu den zahlreichen Zusatzoptionen, die Sie im Hauptfenster unter Configure patches erreichen. Die Menüs versammeln viele Möglichkeiten zum Feintuning des Spiels. So erlaubt Ihnen die Option Mammoth Trains, Züge mit bis zu hundert Waggons zu bauen.

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

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