Kommen Sie bisweilen in die Verlegenheit, mit Microsofts Office zu arbeiten, kennen Sie vermutlich das Problem: Schon Office XP öffnet mit Office 2000 erstellte Dokumente nicht mehr richtig. Das Unternehmen hält bekanntermaßen nicht viel von Kontinuität im Hinblick auf die Office-Dokumentformate.
Bis dato war das eine äußerst ertragreiche Strategie: Wollte ein Unternehmen einen Rechner auf eine neue Office-Version umstellen, kam es meist nicht umhin, auf allen Rechnern auch das neue Office zu installieren. Im Geschäftsumfeld ist der Rattenschwanz dieses Problems noch länger: Möchten Unternehmen untereinander Dokumente austauschen, setzt das zwingend die gleiche Office-Version voraus.
Dass das nicht nur lästig, sondern auf die Dauer auch sehr teuer ist, erkannten in den letzten Monaten gleich mehrere öffentliche Stellen. In Belgien machte die Regierung den Anfang und auch viele US-Staaten, die zuvor treue Microsoft-Stammkunden waren – sogar das nicht gerade für seinen Willen zum Fortschritt bekannte Texas – erklärten kürzlich, dass sie künftig nurmehr Programme verwenden wollen, die offene Standardformate unterstützen.
Damit fuhren sie Microsoft frontal in die Parade, denn der Software-Riese aus Redmond hatte über Monate hinweg erklärt, er führe in Office 2007 mit OpenXML einen eigenen Dokumentenstandard ein, der auch offen liegen solle.
Open Document Format
Den Microsoft-Kritikern schwebte derweil ein anderes Format vor: Ein großes Konsortium von Softwareherstellern, dem zum Beispiel auch IBM angehört, unterstützt das Open-Document-Format (ODF). Dieses kommt bereits in OpenOffice als Standardformat bei neuen Dokumenten zum Einsatz. Kürzlich akzeptierte das Joint Technical Commitee es sogar als ISO-Standard. Davon ist Microsofts OpenXML noch weit entfernt.
Tatsächlich geschah, womit keiner gerechnet hatte: Microsoft gab im Anschluss an die Kritik der diversen Landesregierungen bekannt, dass es den ODF-Standard unterstütze. Zusammen mit dieser Meldung veröffentlichte die Firma ein ODF-Plugin für Office 2000, Office XP sowie Office 2007 zum öffentlichen Test.
Keine native ODF-Unterstützung
Dass Microsoft ein ODF-Plugin für Office 2007 veröffentlicht, bedeutet freilich, dass die bald erscheinende neue Office-Version das Format nicht nativ unterstützt. Überhaupt erweitert das Plugin Office nicht um echten ODF-Support, sondern um eine Routine, um unter der Haube OpenXML in ODF umzuwandeln und umgekehrt. Insofern bleibt das Standardformat von Office 2007 also OpenXML.
Das Plugin bekommen Sie auf [1]; Sie finden es ebenfalls auf der Heft-CD. Die Datei, die selbst sehr klein ist, genehmigt sich nach dem Ausführen allerdings erstmal einen nicht mehr ganz so kleinen Download von Teilen des .NET-Frameworks. Wie groß die geladenen Dateien wirklich sind, verschweigt das Installationsprogramm. Die Länge des Downloads erlaubt allerdings die Vermutung, dass das .NET-Framework entweder recht groß ist oder dass die Microsoft-Server sehr langsam sind.
Nach der Installation öffnen Sie ODF-Dokumente nicht etwa wie zu erwarten wäre – nämlich über den Dialog Datei | Dokument öffnen. Stattdessen findet sich im Menü Datei ein Eintrag namens Open ODF-Document. Für das Lokalisieren des Plugins hat sich in Redmond offenbar noch niemand gefunden.



