War ein Kommunikationsserver auf Linux-Basis in der Vergangenheit vielen Benutzern zu kompliziert und schied damit als potentieller Kandidat aus, wandelt sich das Bild in letzter Zeit immer mehr. Diverse Anbieter bringen freie und kommerzielle Produkte auf den Markt, die den Installations- und Administrationsaufwand auf ein Minimum beschränken, und damit auch dem ungeübten Benutzer die Möglichkeit eröffnen, die Vorzüge von Linux zu nutzen, ohne zuvor einen Stapel an Lektüre gewälzt zu haben, um das System einzurichten.
Der auf Debian basierte Open SBS-Server v. 2.0.7 [1] bietet in dieser Hinsicht ein Rundum-Glücklich-Paket an. Neben der grafischen Benuzterführung integriert er alle Features, die Privatanwender und kleine Unternehmen von einem Kommunikationsserver erwarten. Dazu zählen:
- Mailserver mit Spam- und Virenfilter
- Groupware Open-Xchange
- Proxy mit diversen Filterfunktionen
- Webfilter
- Printserver
- Fileserver (SMP, FTP, WebDAV)
- VPN (PPTP)
- Webserver mit MySQL/PHP- und CGI(Perl)-Unterstützung
Als Kernel kommt die Version 2.6.16.28 zum Einsatz. Der Clou des Severs sind jedoch nicht seine Einzelkomponenten, sondern deren beinahe nahtloses Ineinandergreifen. So reicht es aus, einem Benutzer die entsprechenden Rechte zu erteilen, um mit vielen Diensten und Services zu arbeiten.
Da es sich bei Open um SBS ein kommerzielles Projekt handelt, beschränkt sich die auf der Heft-CD enthaltene Version auf das Verwalten von fünf Benutzern. Updates stellt die Firma nur angemeldeten und damit zahlenden Kunden zur Verfügung. Die kommerzielle Variante [2] zum Preis von etwa 350 Euro brutto enthält neben einem 12-monatigen Viren- und Systemupdate einen Installationssupport.
Im Gegensatz zu anderen Systemen dieser Gattung benötigt der Open-SBS-Server einen durchaus flotten Rechner. Der Hersteller nennt als Mindestvoraussetzung:
- Eine CPU mit mindestens 400 MHz.
- 512 MByte RAM-Speicher
- 20 Gigabyte Festplatte
- CD-ROM-Laufwerk
- 10/100/1000-MBit Netzwerkkarte
Um zügig mit den webbasierten Komponenten zu arbeiten, empfiehlt sich jedoch ein Prozessor mit mindesten 1.5 GHz Taktfrequenz.
Installation
In der Tat dauert die Installation von Open SBS wie auf der Webseite des Herstellers [1] beschrieben nicht einmal zehn Minuten. Nach dem Booten der Installations-CD erscheint der Login-Screen, in dem Sie sich als Benutzer ms ohne Passwort anmelden. Der Aufruf installer startet das Setup. Im ersten Fenster tragen Sie die gewünschte IP-Adresse samt Netzwerkmaske und Gateway ein (Abbildung 1).
Füllen Sie letzteres aus, erscheint im folgenden Fenster der Hinweis None Kein Internet. Diese etwas irreführende Meldung meint, dass der Rechner nicht nicht als Gateway arbeitet. Der Zugang über einen externen Router in das Internet funktioniert aber trotzdem. Bleibt das Feld leer, erscheint ein Auswahlmenü, in dem Sie zwischen Kein Internet, DSL (Server als Gateway) und Router (Server als Gateway) wählen. Im Gateway-Modus benötigen der Rechner jedoch naturgemäß eine zweite Netzwerkkarte. Aus Sicherheitsgründen ist es generell keine allzu gute Idee, einen Kommunikationsserver gleichzeitig als Gateway zu verwenden. Da Open-SBS nur (zahlenden) Kunden Updates anbietet, sollten Sie vom Einsatz als Gateway in jeden Fall absehen, solange Sie die unregistrierte Variante verwenden.
Im letztes Fenster wählen Sie aus, auf welcher Festplatte Sie den Server einrichten. Beachten Sie, dass diese mindestens 10 GByte groß sein muß: Andernfalls verweigert das Setup die Installation ohne eine genauere Begründung. Beachten Sie, dass die Installationsroutine sämtliche Daten auf dem gewählten Datenträger löscht. Um administrative Arbeiten am Rechner zu erledigen, loggen Sie sich nach der Installation via SSH als Benutzer master mit dem Passwort tpso4626250 ein. Da das Login als User root nicht möglich ist, verwenden Sie für Tätigkeiten, die dessen Privilegien erfordern, den Befehl sudo Kommando
.
Konfiguration
Nach dem Reboot erreichen Sie die webbasierte Verwaltungsoberfläche des Servers über die URL https://IP-Adresse
:444. Als Usernamen und Passwort verwenden Sie jeweils admin. Der Klick auf den ersten Menüpunkt Administration öffnet die Verwaltungseinheit, die sich wiederum in mehrere Unterpunkte gliedert und den zentralen Bestandteil der Oberfläche darstellt.
Über den eher irreführenden Eintrag Geräteverwaltung richten Sie ausschließlich USB-Drucker und Festplatten ein. Ein entsprechender Hinweis auf der Verwaltungsoberfläche fehlt. Über die folgenden Punkte Systemüberwachung, Firewallüberwachung, Mailverkehr-Durchsatz und Webserverstatistik erreichen Sie jeweils statistische Auswertungen zum gewählten Thema. Speziell die grafische Darstellung der benötigten Systemressourcen (Abbildung 2), unterteilt nach verschiedenen Themen wie Prozessor oder Hauptspeicher, informiert Sie umfassend über den aktuellen Zustand Ihres Rechners.
Da ein optischer Hinweis zur Rückkehr ins Hauptmenü fehlt, klicken Sie links in den weißen Rand unter dem Firmenlogo. Das gilt mit Ausnahme von Administration und Geräteverwaltung für alle Seiten, die Sie über das Hauptmenü erreichen.
Der Aufbau des Setups (Menüpunkt Adminstration) erschließt sich erst nach einigem Ausprobieren. Jeder der Einträge stellt eine Obergruppe dar, beim Klick darauf öffnen sich die darin enthaltenen Einträge, die sich wie beispielsweise Setup | Initiales Setup zum Teil wiederum in Unterpunkte gliedern. In dieser Rubrik richten Sie grundlegende Netzwerkeigenschaften des Servers ein.
Andere Punkte wie Setup | Konfiguration öffnen beim Klick darauf einen Kasten, der ein Ordner-Icon und darüber die Verweise Löschen, Edit und Neu enthält. Erst der Klick auf Neu bringt in diesem Fall Klarheit: Es öffnet sich das Fenster zum Erstellen eines neuen Objektes – in diesem Fall ein Backup der Konfiguration – das im Anschluss unter dem Verzeichnis Konfigurationen erscheint (Abbildung 3). Zum Ändern ausgegrauter Einträge genügt in der Regel ein Klick auf den Link Edit.



