Drucken wie die Weltmeister

Die Notwendigkeit einer neuen, plattformunabhängigen Drucker-API innerhalb von Gtk+ ergab sich einerseits aus dem Wegfall der weiteren Betreuung für die Bibliotheken Libgnomeprint und Libgnomeuiprint und andererseits aus einer hitzigen Diskussion um die Dialoge der resultierenden Druckdienste, während der Linus Torvalds die Gnome-Entwickler als Interface-Nazis titulierte [11].

Die Entwickler haben sich nun dieser Herausforderung gestellt und integrierten in Version 2.10 die fehlenden Funktionalitäten. Einige Gnome-Anwendungen verwenden bereits diese Neuerung, so zum Beispiel Epiphany (Webbrowser), Evince (Dokumentenbetrachter) und Yelp (Hilfebrowser). Unter Linux/Unix wird CUPS und das immer noch sehr weitverbreitete Lpr unterstützt, so dass dem Drucken nichts mehr im Wege steht.

Bibliotheken aufgefrischt

Im Rahmen des Projekts Ridley [12] bemühen sich die Gnome- und Gtk+-Entwickler seit einigen Monaten darum, eine ganze Reihe von bislang externen Bibliotheken direkt in Gtk+ zu integrieren. Das betrifft vor allem kleinere, mangelhaft betreute und fehlerhafte Libraries und soll letztendlich die Komplexität des Programmierens für die Gnome-Umgebung senken. Vier von neun Klassen der Prototyp-Bibliothek Libegg und zwei von sieben Klassen von Libgnome(ui) flossen bereits in Gtk+ 2.10 ein; andere folgen in der nächsten Version. Libgnomeprint und Libgnomeuiprint sind nun als veraltet gekennzeichnet und sollten daher nicht mehr verwendet werden.

Durch Ridley wird jedoch nicht nur der Berg von Bibliotheken, die man zum Kompilieren von Gnome braucht, langsam aber stetig kleiner: Damit einhergehend sinkt auch indirekt der Speicherverbrauch und steigt die Startgeschwindigkeit der auf Gtk+ aufbauenden Anwendungen, da weniger Bibliotheken geladen werden müssen.

Des weiteren verfügt Gtk+ jetzt über einen Touchscreen-Modus. Mobile Geräte wie das Nokia 770 profitieren davon enorm. Last but not least bieten die Gnome-Kernlibrary Glib und die Textrendering-Bibliothek Pango jetzt Unterstützung für Unicode 5.0 – was Gnome zum ersten Desktop überhaupt macht, der mit knapp 100.000 verschiedenen Zeichen umgehen kann.

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