Einzug der Gladiatoren

Wie bereits eingangs erwähnt, öffnete die Integration der Gtk#-Bibliothek die Tore für entsprechende Anwendungen, die seit Erscheinen von Mono, einer freien .NET-Implementierung, wie Pilze aus dem Boden schießen. Als erste Gtk#-Anwendung wurde jetzt Tomboy, eine Notizzettelverwaltung, in den Gnome-Kern mit aufgenommen.

Die Bedienung von Tomboy (Abbildung 3) ist kinderleicht: Man klickt mit derlinken Maustaste auf das Applet und wählen Neue Notiz anlegen aus. Daraufhin öffnet sich ein kleines Fenster, in dem man die Notiz hinterlegt. Dabei unterstützt Tomboy WikiWords.

Abbildung 3: Tomboy hilft Notizzettel effizient zu verwalten.

WikiWords zeichnen sich durch einen Großbuchstaben am Wortbeginn sowie einen weiteren innerhalb des Worts aus, wie bei "LinuxUser". Tomboy unterstreicht solche WikiWords und legt eine Verknüpfung auf ein gleichnamiges, neues Zettelchen an. So lassen sich Themen auf unkomplizierte Weise miteinander verbinden. Einen anderen Weg, der Informationsflut Herr zu werden, bietet eine Stichwortsuche über alle Notizzettel.

Auch Worte, die keinen WikiWords entsprechen, lassen sich mit anderen Notizzetteln verknüpfen. Dazu markiert man einfach das entsprechende Wort und klickt auf Verknüpfung. E-Mail-Adressen erkennt das schlaue Helferlein ebenfalls; ein Linksklick darauf öffnet Evolution.

Lobenswerterweise beherrscht Tomboy auch die Rechtschreibung: Es unterringelt Fehler oder unbekannte Wörter. Aus einer Liste kann man dann einen Korrekturvorschlag aussuchen. Bei Bedarf stellt Tomboy einzelne Worte kursiv, fett oder größer dar.

Nicht mehr benötigte Zettelchen lassen sich löschen und erscheinen dann nicht mehr im Inhaltsverzeichnis, das sich durch einen Linksklick auf das Tomboy-Applet erreichen lässt. Ein HTML-Exportfilter steht ebenso bereit wie ein Importfilter für diejenigen, die ihre Notizzettel noch mit dem alten Notizzettel-Applet geschrieben haben.

Will man wissen, wo genau der ganze Festplattenspeicher geblieben ist, hilft Baobab weiter (Abbildung 4). Der ungewöhnliche Name bedeutet jedoch nicht, dass das Programm nur dem geübten Benutzer Nutzen bringt. Baobab gibt entweder Auskunft über die ganze Festplatte oder ein ausgewähltes Verzeichnis. Ein weiteres Schmankerl des Programms ist die grafische Aufbereitung, die den Verbrauch übersichtlich darstellt.

Abbildung 4: Baobab bereitet grafisch den Speicherverbrauch auf.

Menübearbeitung Alacarte

Einige Distributoren, darunter auch Ubuntu, führten bereits in der Vergangenheit Alacarte anstatt des Gnome-eigenen Menüeditors ein. Der Grund: Alacarte bietet eine deutlich komfortablere Bedienung und mehr Möglichkeiten, das Gnome-Menü nach eigenen Vorstellungen zu bearbeiten. In Gnome 2.16 ist Alacarte nun in den Kern gewandert. Es wurde an einigen Stellen noch verändert, so dass es mit den Human Interface Guidelines übereinstimmt.

Genauso wie der Menüeditor hat nun auch die Energieverwaltung ihren festen Platz in Gnome eingenommen. Sie besitzt Features, wie sie viele Benutzer bereits von der Windows-Energieverwaltung kennen. Hinzu kommen grafische Aufbereitungen: Etwa die Auflade-Historie, die prozentual angibt, wie sich die Akku(ent)laderate über die Zeit verändert, oder der geschätzte Zeitverlauf, bei dem der Benutzer die Ladezeit und die noch verbleibende Akkulaufzeit ablesen kann.

Interessante Informationen präsentiert auch der Reiter Geräteinformationen; so unter anderem die Kapazität, aktuelle Ladung und herstellerspezifische Ladung des Akkus. Das Ereignisprotokoll gibt im Detail an, was sich seit dem Einschalten des Laptops ereignet hat. In den Einstellungen legt man fest, was passieren soll, wenn der Laptop im Akku- oder Netzbetrieb läuft. Viele Programme kommunizieren via D-Bus mit der Energieverwaltung. Im Akkubetrieb können diese dann "einen Gang herunterschalten" und benötigen in diesem Fall nicht mehr so viel Strom wie im Netzbetrieb.

Neu ist auch Orca: Der in Python geschriebene und von Sun entwickelte Bildschirmleser ersetzt das etwas angestaubte Gnopernicus. Gnopernicus wies einige Schwächen bei der Benutzerführung auf. In früheren Versionen führte eine zu groß eingestellte Schrift beispielsweise dazu, dass sich die Benutzerschnittstelle nicht mehr richtig lesen ließ. Orca kann den Bildschirminhalt aber nicht per Sprache, sondern auch über eine Braille-Tastatur ausgeben. Eine Bildschirmlupe, wie sie schon Gnopernicus bot, steht ebenfalls zur Verfügung.

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