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Die dritte Dimension

Gnome 2.16 im Überblick

01.11.2006 Mit Detailverbesserungen hält sich Gnome 2.16 nicht auf: Die Release macht den Gnome-Desktop nicht nur schlanker und schneller, sondern erobert auch die dritte Dimension.

Dass Gnome-Meilensteine setzen kann und sich dennoch einfach bedienen lässt, bewies die GNU-Desktop-Umgebung nicht zuletzt erst vor einem halben Jahr mit dem Release 2.14. Programme wie beispielsweise das Deskbar-Applet demonstrieren die Mächtigkeit des Linux/Unix-Unterbaus, gepaart mit einer schönen und aufgeräumten Oberfläche.

In der neuen Version 2.16 kommen nun zahlreiche Neuerungen hinzu. Aber auch bei der Performance und beim Speicherverbrauch hat sich wieder einiges getan. Ein Beispiel hierfür liefert der Dateimanager Nautilus. Anderen Komponenten spendierten die Entwickler robustere Algorithmen.

Neu aufgenommen wurden die Gtk#-Bibliotheken; als erste mit Gnome ausgelieferte Anwendung baut das Notizzettelprogramm Tomboy auf Gtk# auf. Die Öffnung für neue Wrapper-Bibliotheken ermöglicht Entwicklern, die ihre Anwendungen nicht in C schreiben möchten, einen einfacheren Einstieg in Gnome. C++, C# und Python werden derzeit mit den Gnome-Bindings ausgeliefert.

Desktop in 3D

Seit der Einführung grafischer Benutzeroberflächen in den 80er Jahren hat sich nicht besonders viel geändert: Schon immer gibt es Fenster, in denen man die Programme in Form von Symbolen aufruft; bei einer Vielzahl offener Anwendungen verlieren selbst versierte Anwender leicht den Überblick.

In den letzten Jahren investierten einige Unternehmen viel Zeit und Geld in die Erforschung neuer GUI-Konzepte. Eines der Resultat ist das Looking-Glass-Projekt [1] von Sun Microsystems, das ermöglicht, Fenster auf dem Desktop kippen und schwenken zu lassen.

Eine andere Richtung schlugen Novell und Red Hat mit Xgl [2] respektive Aiglx [3] ein: Bei beiden Projekten gleicht der Desktop einem Würfel, der sich durch Tastenkombinationen rotieren lässt. Daneben sind Exposé- [4], Wobbel-, Explodier- oder Ausblendeffekte möglich, sofern es der Windowmanager unterstützt.

Novell hat mit Compiz diese Lücke gefüllt. Der Windowmanager lässt sich durch Plugins erweitern, von denen es mittlerweile über zwei Dutzend gibt. Compiz fügt sich nahtlos in Gnome ein, da die erste Version für diesen Desktop entwickelt wurde und mit Novell's Linux Enterprise Desktop ausgeliefert wird.

Zwar bietet Metacity, Gnomes ureigener Windowmanager, noch nicht aller erwähnten Effekte; trotzdem kooperiert er bereits gut mit den neuen 3D-X-Servern. Die Features sind zwar noch nicht standardmäßig aktiviert – sofern man sie aber einschaltet, vermitteln sie einen ersten Eindruck, was sich mit den neuen Erweiterungen des X-Servers alles anstellen lässt. Zum Deaktivieren der Effekte muss man nicht einmal die aktuelle Sitzung beenden, also nicht ab- und wieder anmelden.

Voraussichtlich wird der Composition Manager, der für die Effekte verantwortlich zeichnet, in Gnome 2.18 von Haus aus aktiviert sein. Zudem zeichnet sich ab, dass Aiglx gegenüber Xgl das Rennen machen wird, da die nötigen Erweiterungen bereits in X.org eingeflossen sind. Xgl, ein komplett neuer Server, kommt momentan allerdings noch mit einer größeren Zahl von Grafikkarten zurecht als Aiglx. Dies dürfte sich aber recht schnell ändern, vor allem weil namhafte Grafikkartenhersteller ihre Unterstützung bereits zugesagt haben.

Verbesserte Themes

Gnome 2.16 bringt ein verbessertes Standard-Thema für Symbole mit sich. Auf Empfehlung des Tango-Projekts [5] wurden eine ganze Reihe Icons durch bessere und aussagekräftigere Varianten ersetzt. Auf der anderen Seite wurden auch einige Symbole entfernt, da Anwendungen diese bereits integrieren.

Tango bietet Richtlinien an, die die beiden großen Desktops, Gnome und KDE, in einem einheitlicheren Aussehen dem Benutzer präsentieren sollen. Da sich das Gnome-Thema an die Icon-Naming-Spezifikation [6] von Freedesktop.org hält, funktioniert es auch unter KDE beziehungsweise XFCE. Eine stufenloses Vergrößern ohne Aufpixeln, wie Gnome das schon lange anbietet, unterstützt auch das neue Icon-Thema.

Bei den Fensterinhalten wich Clearlooks dem neuen Thema Clarius. Nun hält sich die Scrollbar wieder mit einem dezenten Grauton zurück, statt in blauer Farbe zu erstrahlen. Der Grund: Vielen Benutzern missvielen die blauen Scrollbars wegen zu großer Ähnlichkeit zu Windows, vehemente Forderungen nach dem alten Look wurden laut. Einige Kommentare zum alten und neuen Thema kann man in den Gnome-Blogs [7] nachlesen.

Die Verbesserung hielt auch in Evolutions Kalendermodul Einzug: Für die Terminansicht setzen die Entwickler jetzt auf Cairo. Die Termine heben sich nun leicht vom Untergrund ab und werfen einen Schlagschatten, sobald man sie bearbeitet (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Kalendermodul im neuen Gewand.

Wanda, das erste wirklich nützliche Applet, bekam ebenso eine Schönheitskur spendiert: Der wahrsagende Fisch erstrahlt nun in einem hübscheren Look (Abbildung 2). Keine Angst, das alte Aussehen lässt sich wiederherstellen.

Abbildung 2: Wanda nach dem Facelift.

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Infos zum Autor

Christian Meyer

Linux-Nutzer seit 1996, aktiv bei Gnome zwischen 2000 und 2006.


Infos zur Publikation

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LinuxUser 06/2012

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