Distribits

01.11.2006

Sachsen-Power für Linux

Die bisher unter dem Namen STX bekannte Distribution hört nun auf den Namen SaxenOS (http://stibs.cc/stx) und kommt in der aktuellen Version als Live-CD daher. SaxenOS stellt eine Mischung aus Slackware (http://www.slackware.org), Zenwalk (http://www.zenwalk.org), Slax (http://slax.linux-live.org/) und Wolvix (http://wolvix.org) dar. Es zielt auf Rechner mit älterer Hardware ab und enthält deshalb ausschließlich Software, die sich in Sachen Prozessorgeschwindigkeit und Arbeitsspeicher genügsam gibt.

Als Desktop kommt Ede (http://ede.sourceforge.net/) zum Einsatz, der sich in Aussehen und Bedienkonzept eng an Windows anlehnt. Das von SaxenOS installierte Standardtheme erscheint allerdings etwas kontrastarm und daher schwer lesbar. Als Browser und E-Mail-Programm kommt Seamonkey zum Einsatz, als Büroprogramme dienen das Textverarbeitungsprogramm Abiword und die Tabellenkalkulation Gnumeric. Zum Bearbeiten von Pixelgrafiken steht Gimp bereit.

Als Bonbon bringt das System in der Server-Version einen voll funktionsfähigen Linux Terminal Server mit (http://www.ltsp.org), der auch auf dem Livesystem läuft. Beim Start von der CD reicht die Geschwindigkeit für maximal zwei Clients, die sich ihr System via PXE oder mit Hilfe von Bootfloppies vom Server holen. Bootfloppies stellen Sie bequem auf http://rom-o-matic.net zusammen.

Die kompakte Distribution SaxenOS bringt auf Wunsch sogar einen Terminalserver mit.

Kanotix frisch vom Fass

Die auf Debian "Sid" basierende Live-Distribution Kanotix (http://www.kanotix.org) befindet sich auf dem Weg zur Version 2006-01. Der zweite Release Candidate nutzt Kernel 2.6.17.13 und ist für i586-Prozessoren optimiert. Kanotix benötigt mindestens 192, besser 256 MByte RAM, um mit der grafischen Oberfläche KDE 3.5.4 zu starten.

Kanotix unterstützt die AVM Fritz!Card DSL und greift lesend und schreibend auf NTFS-formatierte Partitionen zu. Die mitgelieferte Software ist vollständig und auf dem aktuellen Stand: Firefox 1.5.0.6 und Thunderbird 1.5.0.5 ermöglichen das Arbeiten im Internet, KOffice 1.5.2 kümmert sich um Büroaufgaben. Amarok 1.4.1 dient als digitale Jukebox. Zum Anschauen von Filmen liegt der Player Kaffeine bei, Kdetv erlaubt das Fernsehen am PC.

Ein grafisches Programms hilft dabei, Kanotix auf der Festplatte zu installieren und dort mit Programmen aus dem reichhaltigen Fundus von Debian "Sid" zu ergänzen.

Kanotix liefert aktuelle Software und sich aus dem großen Debian-Angebot ergänzen.

Klein, leicht schnell

Mit der schlanken Distribution Deli Linux (http://www.delilinux.de) erwecken Sie alte Hardware, wie sie häufig noch in Schulen und anderen Institutionen herumsteht, wieder zum Leben. Als Mindestanforderung nennt der Autor einen Rechner mit 486er-Prozessor und 16 MByte RAM. Vollständig installiert belegt das System 350 MByte auf der Festplatte.

Die früheren Versionen von Deli basierten auf Slackware, mittlerweile hat sich das System aber von diesen Wurzeln gelöst: Es verwendet zwar noch einige Tools von Slackware, die Paketverwaltungstools stammen aber aus Crux. Das textbasierte Installationsprogramm führt durch Einrichtung und Setup der Distribution.

Der Kernel werkelt in Version 2.4.33.3, statt der Glibc verwendet Deli die Platz sparende uClibc 0.9.28. X.org 7.1 liegt in einer stark abgespeckten Version bei. Zusätzlich fand der TinyX-Server Platz im System. Auf Programme wie OpenOffice oder grafische Oberflächen wie Gnome oder KDE verzichtet Deli. Als Desktop dienen wahlweise Fluxbox oder Icewm. Die Textverarbeitung übernehmen Ted und Pathetic Writer, Tabellen erstellen Sie mit Siag. Links und Dillo stehen als Browser bereit, Sylpheed als grafisches E-Mail-Programm.

Um auf älterer Hardware zufriedenstellende Performance zu erzielen, integrierte der Maintainer teilweise ältere Versionen der genannten Programme. Hier macht Deli tatsächlich eine gute Figur: Sogar ein mit nur 200 MHz getakteter Pentium erlaubt noch flüssiges Arbeiten.

Deli Linux läuft auch noch auf ganz alten Schätzchen, ohne dass sich Einbußen bei der Performance zeigen.

Mandriva im Unternehmen

Der französische Distributor Mandriva (http://www.mandriva.com) hat mit dem Mandriva Corporate Server 4.0 ein Produkt für den Unternehmenseinsatz vorgestellt. Der Hersteller verspricht eine Installation des Systems innerhalb von zehn Minuten. Der Corporate Server ist für x86- und x86-64-Systeme verfügbar und basiert auf Kernel 2.6.12. Die Firma hat drei Virtualisierungslösungen integriert: Xen, OpenVZ und VMware.

Zur Benutzerverwaltung steht OpenLDAP bereit, die Netzwerkauthentifizierung findet via Kerberos 5 statt. Als Datenbankserver dienen MySQL 5.0 und PostgreSQL 8.1, als Webserver Apache in Version 2.2. Als Proxy versieht Squid seinen Dienst. NFS 3 und 4 werden ebenso unterstützt wie Samba und CUPS. E-Mail beackern Postfix, Sendmail, Cyrus und Courier.

Der Support durch Mandriva umfasst neben Sicherheitsupdates auch neue Versionen der enthaltenen Programme, für die es dann ebenfalls Unterstützung gibt. Der Mandriva Corporate Server 4.0 kostet einschließlich drei Jahre Support durch den Hersteller 330 Euro. Eine Testversion, die 30 Tage lauffähig ist, steht auf der Homepage von Mandriva zum Download bereit.

Neuer Spross der Ubuntu-Familie

Mit Fluxbuntu (http://fluxbuntu.org) bekommt die Ubuntu-Familie ein neues Mitglied: Das Projekt rund um den Windowmanager Fluxbox basiert auf Ubuntu 6.06 LTS. Die Entwickler haben nicht nur den Desktop ausgewechselt, sondern alle Pakete aus dem ursprünglichen Grundsystem entfernt, die ihrer Meinung nach überflüssig sind.

Alle mitgelieferten Anwendungen arbeiten ressourcenschonend: Abiword dient als Textprogramm; eine Tabellenkalkulation liegt in der Grundinstallation nicht bei. Als Webbrowser versieht Links seinen Dienst, Sylpheed Claws als E-Mailprogramm. Für Videos ist VLC Mediaplayer mit von der Partie, Xmms kümmert sich um Audio-Dateien.

Wer Programme mit umfangreicheren Funktionen haben möchte, installiert Software aus dem Ubuntu-Pool nach. Als Minimum in Sachen Hardware fordert Fluxbuntu einen Pentium 2 mit 233 MHz und 96 MByte RAM. Vollständig installiert belegt das System 1,2 GByte auf der Festplatte. Zur Zeit liegt mit Version Build 1 Alpha eine erste Vorabversion vor, die sich noch nicht für den Einsatz auf Produktivsystemen eignet.

Fluxbuntu nutzt Fluxbox als Windowmanager und geht sparsam mit Systemressourcen um.

Neues von Red Hat

Red Hat (http://www.redhat.de) hat die erste Betaversion des kommenden Red Hat Enterprise Linux 5.0 (RHEL) zum Download und Testen bereit gestellt. In der kommenden Version wird es nur noch zwei Varianten von RHEL geben: Eine Client- und eine Serverversion. Der Client bringt Arbeitsplatzsoftware für OpenOffice mit, die beim Server fehlt. Er läuft nur auf x86- und x86-64-Systemen, der Server zusätzlich auch auf IA64, PPC64 und S390x.

Der Server enthält Programme für Fail-Over-Cluster und Load Balancing. Auch unterstützt er das GFS-Dateisystem. Die Virtualisierungssoftware Xen haben die Entwickler integriert – obwohl Red Hat betont, das Programm sei noch nicht reif für den Unternehmenseinsatz.

RHEL 5 benutzt Kernel 2.6.17 und X.org 7.1. Red Hat plant, das fertige Produkt Ende 2006 auf den Markt zu bringen. Die Veröffentlichung hängt aber auch davon ab, ob das RHEL zugrunde liegende Fedora Core 6 (http://fedora.redhat.com) tatsächlich pünktlich Ende Oktober 2006 erscheint. Die aktuelle Beta-Version gibt es nur für registrierte Mitglieder des Red Hat Network. Angaben zu Preisen der endgültigen Version machte Red Hat noch nicht.

Kurz notiert

Die Distribution Ubuntu (http://www.ubuntu.com) hat sich ein Desktop Effects Team zugelegt, das sich um die Integration von XGL und AIGLX in die Distribution kümmert. Beide Techniken erlauben aufwendige grafische Effekte wie Transparenz oder das Darstellen verschiedener Desktops als drehender Würfel.

Ubuntu 6.10 (http://www.ubuntu.com) nähert sich unterdessen der Fertigstellung. Mit der zweiten Testversion riefen die Entwickler den Feature Freeze aus, so dass sie sich bis zum Erscheinen der endgültigen Version nur noch mit dem Beseitigen von Fehlern beschäftigen. In der aktuellen Testversion wurde das Init-System von Sysvinit auf Upstart umgestellt. Beim Gestalten der grafischen Oberfläche haben die Entwickler ebenfalls Hand angelegt und das Design leicht verändert. Ubuntu verwendet mit Gnome 2.16 und KDE 3.5.4 die aktuellen Desktops. Das System liegt für die x86-, x86-64- und PPC-Architektur in Form je einer Desktop-, Alternate- und Server-CD auf den Ubuntu-Servern zum Download bereit.

Daniel Robbins, einer der Gründer von Gentoo Linux (http://www.gentoo.org) kehrt zum Projekt zurück. Robbins hatte im letzten Jahr eine Stelle bei Microsoft angetreten, war aber dort nicht zufrieden. Er kümmert sich zur Zeit um den Bootloader Grub und die VMware-Tools.

Linspire (http://www.linspire.com) hat seinen Click-and-Run-Dienst (CNR) freigegeben. CNR erlaubt Benutzern von Linspire und Freespire (http://www.freespire.org) die einfache Installation von Softwarepaketen. Bisher kostete der Dienst einen jährlichen Beitrag von 20 US-Dollar. Kommerzielle Software bleibt nach wie vor kostenpflichtig. Für diesen Gold-Service fallen 50 US-Dollar im Jahr an. Auch die Arbeiten an einem vollständig freien CNR-Client für Freespire sind weit gediehen. Die erste Version für Linspire 1.1 planen die Entwickler für Ende 2006.

Mit Gentoo Linux 2006.1 (http://www.gentoo.org) ist eine aktualisierte Version des Distributionsbaukasten erschienen. Gentoo nutzt jetzt GCC 4.1 als Standard-Compiler und enthält die Glibc in Version 2.4. Der Installer wurde überarbeitet und erleichtert das Einrichten des Systems. Dieses steht in Form diverser Installations-CDs für die Architekturen AMD64, HPPA, x86, PowerPC und PowerPC64 auf der Homepage zum Download bereit.

Für Debian 3.1 (http://www.debian.org) steht eine neue aktualisierte Version bereit. Debian 3.1r3 fasst 120 Aktualisierungen und Sicherheitsupdates der letzten Zeit zusammen, neue Software ist nicht enthalten. Ein aktualisierter Firefox und neue OpenVPN- und Asterisk-Pakete stopfen Sicherheitslöcher. Wer regelmäßig Updates eingespielt hat, benötigt diese Version nicht: Sie empfiehlt sich vor allem für Neuinstallationen.

OpenSuse (http://www.opensuse.org) richtet ein Portal ein, das die Lokalisierung der Distribution in andere Sprachen koordiniert. Die Seite ist unter http://developer.novell.com/wiki/index.php/Suse-i18n zu erreichen. Die Entwickler von OpenSuse hoffen, dass Helfer Teile oder die ganze Distribution in ihre Sprache übersetzen. Eine Statistikseite gibt darüber Auskunft, welche Teile der Distribution noch der Mitarbeit bedürfen.

Das Slackware-Derivat Zenwalk (http://www.zenwalk.org) ist in Version 3.0 erschienen. Gegenüber der Vorversion haben die Entwickler 200 Pakete aktualisiert oder neu hinzugefügt. Zenwalk nutzt Kernel 2.6.17.11, Glibc 2.3.6 und X.org 6.9. Ein wichtiges Update betrifft das Automount-System, das eingelegte CDs und DVDs jetzt zuverlässig einbindet. Als Desktop verwendet Zenwalk Xfce 4.4RC1. Ein neues Icon-Set, das auf Tango basiert, lässt die Oberfläche einheitlicher erscheinen.

Das Portal Geole.info http://www.geole.info stellt vollständig deutsch lokalisierte Versionen von Ubuntu (http://www.ubuntu.com) und Kubuntu (http://www.kubuntu.org) zum Herunterladen bereit. Neben der deutschen Übersetzung enthalten die neu erstellten CDs auch eine erweiterte WLAN-Unterstützung und mit Network-Manager und Xorg-Edit auch Programme zur einfachen Systemkonfiguration. Zudem integrierte der Betreiber der Site alle bisher veröffentlichten Sicherheitsupdates und Aktualisierungen.

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