Kleine Helfer
Aufgaben automatisieren in Vim
Autobefehle
Noch schöner als Mappings, Makros oder Abkürzungen per Tastaturabruf zu nutzen, wäre es doch, eine Aktion automatisch auszuführen. Das geht, wenn in Vim bestimmte Ereignisse eintreten. Das entsprechende Mittel sind Autobefehle (siehe dazu :help autocmd.txt). Das Programm selbst nutzt diese ausgiebig, um je nach Dateityp ein unterschiedliches Syntax-Highlighting zu aktivieren oder um mit Gzip komprimierte Dateien beim Laden automatisch zu entpacken und beim Speichern wieder zu komprimieren.
Die Syntax zur Definition von Autobefehlen lautet
autocmd Gruppe Ereignisse Muster ↩Befehl
Der Teil Gruppe
dient dabei dem Gruppieren verwandter Autobefehle. Diese bekommen den selben Gruppennamen, der normalerweise aus Buchstaben besteht. Der Definitionsteil darf fehlen; in diesem Fall kommt direkt nach autocmd die Angabe eines oder mehrerer Ereignisse.
Mit dem Teil Ereignisse
legen Sie ein oder eine durch Kommas getrennte Liste von Ereignissen, bei denen Vim den Befehl ausgeführt. Vim kennt zahlreiche solcher Ereignisse, zum Beispiel BufNewFile, wenn Sie einen neuen Editierpuffer anlegen, oder BufWinEnter, wenn Sie in ein Editierfenster umgeschalten.
Durch Muster
kennzeichnen Sie einen oder mehrere, durch Kommas getrennte Muster für den Namen einer Datei oder Editierpuffers. Die Muster verwenden in etwa die Syntax, die Sie für Dateinamen in der Shell kennen, beispielsweise *.html für HTML-Dateien oder *.[ch] für alle C-Dateien und Header-Files.
Der Teil Befehl
legt den Befehl fest, der auszuführen ist, wenn eines der Ereignisse eintritt und der Name des Puffers einem der Muster entspricht. Im Gegensatz zu Mappings und Abkürzungen geht Vim hier von Befehlen für die Vim-Kommandozeile aus (beispielsweise setfiletype c) – nicht von Tastensymbolen, wie Sie sie für die Langform von Mappings nutzen.
Nach der trockenen Theorie nun ein Beispiel. Der folgende Autobefehl kommt immer dann zum Einsatz, wenn Sie eine neue Datei (Ereignis BufNewFile) im Verzeichnis ~/devel (Muster ~/devel/*) anlegen:
autocmd BufNewFile ~/devel/* ↩ -1 read ~/devel/LICENSE | $
Bei -1 read ~/devel/LICENSE | $ handelt es sich um einen zusammengesetzten Befehl. Dabei liest -1 read ~/devel/LICENSE eine Lizenzdatei und fügt diese in den neuen Editierpuffer ein. Die -1 sorgt dafür, dass die geladene Datei nicht nach der obersten Zeile erscheint, sondern direkt am Anfang der Datei.
Der Befehl $, ebenfalls im Kommandozeilenmodus ausgeführt, springt zum Ende der Datei, so dass Sie mit [O] direkt unterhalb der Lizenzinformation zu schreiben beginnen. Wollen Sie Autobefehle löschen, erledigen Sie das im Kommandozeilenmodus mit
autocmd! Gruppe Ereignisse Muste↩r
Dabei handelt es sich bei Gruppe
, Ereignisse
und Muster
um die selben Daten, die Sie zur Definition dienten. Haben Sie bei der Definition keinen Gruppennamen angegeben, dürfen Sie ihn auch beim Aufheben auslassen.
Vim zeigt die Autobefehle an, wenn Sie die obige Syntax ohne das Ausrufezeichen verwenden. Die Auswahl erweitert sich, wenn Sie von rechts beginnend Angaben weglassen. Der letzte Befehl im folgenden Beispiel zeigt alle Autobefehle an.
:autocmd Gruppe Ereignisse :autocmd Gruppe :autocmd
Fazit
Geschickte Mappings, Makros, Abkürzungen und Autobefehle erleichtern die Arbeit mit Vim sehr. Mappings empfehlen sich für kurze Befehlsfolgen, die in verschiedenen Modi zum Einsatz kommen. Makros vereinfacheb das Erstellen und Ausführen komplexer Befehlsfolgen.
Abkürzungen sind vor allem für Textersetzungen im Einfügemodus nützlich. Autobefehle verwenden Sie, wenn um bestimmte Aktionen automatisch beim Eintreten bestimmter Ereignisse auszuführen.
Viele nützliche Hinweise zum Schreiben eigener Erweiterungen finden sich im Internet auf der Vim-Homepage. Dort sammeln die Maintainer in einer großen Datenbank [3] die gut aufbereiteten Kochrezepte, die sich auch durchsuchen lassen.
Infos
[1] Vim: http://www.vim.org
[2] Vim-Einführung: Heike Jurzik, "Simsala Vim!", LinuxUser 09/2006
[3] Vim-Kochrezepte: http://www.vim.org/tips/index.php



