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Sixpack

Alternativen zu Openoffice

01.11.2006 Wem Openoffice zu fett und funktionsüberladen erscheint, dem bieten freie und kommerzielle Bürosuite eine Alternative. Wir nehmen sechs davon näher unter die Lupe.

Eine Bürosuite gehört im Zeitalter der grafischen Oberflächen zu den grundlegenden Applikationen eines Computers. Dem freien Betriebssystems Linux haftete allerdings lange der Makel an, nur unzureichend mit Office-Software ausgerüstet zu sein. Nach der Übergabe des Quellcodes der Bürosuite Staroffice an die Open-Source-Gemeinde füllte Openoffice zwar diese Lücke, aber nicht jeden begeistern der immense Speicherhunger und die langen Startzeiten der Software. Auch macht der große Funktionsumfang die Office-Suite für gelegentliche Anwender schnell unübersichtlich.

So kristallisierten sich in den letzten Jahren einige Alternativen heraus, die sowohl aus dem Open-Source-Lager kommen, als auch aus dem kommerziellen Bereich stammen. Einige Office-Alternativen wuchsen im Umfeld der großen GUI-Projekte heran: Das KDE-Projekt brachte die Office-Suite KOffice hervor, unter Gnome wurden einige Programme zum Gnome-Office vereint. Siag-Office tritt als kleinere Bürosuite mit offenen Quellen den Test an.

In der kommerziellen Closed-Source-Ecke stehen die Firmen Thinkfree und Softmaker, welche ihre Programme auch für die Linux-Plattform zum Kauf anbieten. Schon länger im Geschäft ist die Office-Suite Applixware von VistaSource. Sie war einst die erste kommerzielle Office-Suite unter Linux. Welche Unterschiede in Qualität und Funktionsreichtum diese sechs Pakete mitbringen, beleuchtet dieser Artikel.

Applixware 6.0

Applixware hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Zählte die Bürosuite einst zu den beliebtesten und wichtigsten Softwarepaketen unter Linux, so läutete das kostenlose Verteilen der StarOffice-Suite an Privatkunden den Untergang der auf Einnahmen angewiesenen Software ein.

Applixware enthält eine Textverarbeitung (Words), eine Tabellenkalkulation (Spreadsheets), ein Vektorgrafik-Anwendung (Graphics), ein Präsentationsprogramm (Presents) sowie eine eigene Dateiverwaltungssoftware (Data). Ferner beinhaltet die Suite einen Makroeditor (Macroeditor), eine Umgebung zum Programmieren von kleinen Anwendungen (Builder) und sogar einen E-Mail-Client (Mail).

VistaSource bietet eine rund 145 MByte große Vollversion als uneingeschränkte 30-Tage-Demo [1] zum Download an. Entpacken sie applixware-6-x86-linux.zip in ihren Home-Ordner und wechseln sie per Konsole in den neuentstandenen Programm-Ordner mittels cd ~/applixware-6-x86-linux. Wollen sie die Software systemweit installieren, benötigen sie nun Root-Rechte. Die Eingabe ./install startet das kleine konsolenbasierte Installationsprogramm, welches Applixware nach /opt/applixware installiert. Der Hersteller verzichtet dabei auf jegliche Integration in die Systemumgebung, sämtliche Links zum Programm und die entsprechenden Verknüpfungen zu den Dateierweiterungen müssen Sie per Hand anlegen. So startet das Programm anfangs leider nur durch den Konsolenaufruf /opt/applixware/applix.

Sie landen daraufhin in einer Art Schaltzentrale, die über Icons den Aufruf der Programme Words, Spreadsheets, Data, Macroeditor und Builder ermöglicht (Abbildung 1, rechts unten). Der Menüpunkt Datei lässt erwarten, dass sich hier vielleicht die Zugänge zu den weiteren Programmmodulen verstecken, aber: Fehlanzeige. Etwas unintuitiv hält das kleine Sternchen neben Datei alles gesuchte bereit.

Abbildung 1: Applixware gilt als Veteran unter den Bürosuiten.

Von KDE oder Gnome verwöhnten Benutzer missfällt auf den ersten Blick das altbackene Design der Programmoberfläche. Der unruhig wirkende Hintergrund, der aus vielen kleinen Punkten bestehend, ermüdet die Augen sehr. Schnell bemerkt der Anwender außerdem, dass das Scrollrad der Maus sowohl in Dokumenten als auch in der Dateiverwaltung versagt: Die Benutzerfreundlichkeit der Dateiverwaltung entstammt noch dem letzten Jahrtausend. Das E-Mail-Programm lässt sich nicht intuitiv bedienen und bietet lediglich rudimentäre Funktionen.

Schon erfreulicher fallen Arbeitsgeschwindigkeit und den Funktionsumfang der Suite aus, alle Programm-Module greifen bestens ineinander. So öffnet sich nach einem Doppelklick auf eine Grafik in Applixware Words automatisch das Vektorgrafikprogramm, Tabellen lassen sich aus Spreadsheets leicht in andere Programmmodule einfügen. Die Suite bietet zahlreiche Module, darunter solche für Serienbriefe oder zum Erstellen von Inhaltsverzeichnissen, beherrscht die Rechtschreibprüfung und stellt einen Thesaurus bereit, und bietet sogar einen eigenen Makroeditor.

Die Funktionen lassen sich allerdings oft nur auf wenig intuitive Weise zu erreichen. So erkennt Words HTML-Links beispielsweise nicht, sie muss man über einen zeitraubenden Extra-Dialog einfügen. Generell leidet Applixware an einer Überfrachtung durch zahlreiche eingeschobene Dialoge.

Eine Ausnahme von dieser Regel stellt das Präsentationsprogramm dar. Es umfasst alles für einen ordentlichen Vortrag notwendige, die Funktionen sind ohne Umschweife zu erreichen. Das Datenbankmodul dagegen ist für den Gelegenheitsanwender nicht zu gebrauchen – es sei denn, er kennt sich im Befehlsdschungel einer Oracle-Datenbank aus.

Applixware liest zwar die Microsoft-Formate von Word, Excel und Powerpoint ein und diese auch wieder exportieren, mit Dateien der Openoffice-Anwendungen kommt die Suite aber nicht zurecht.

Ein kleines Highlight findet der Anwender in der Applixware-Hilfe. Sie hält nicht nur Tipps zu den einzelnen Anwendungen bereit, sondern bietet auch ein Lernprogramm zum ersten Einstieg in das Büropaket.

Applixware: Fazit

Zwar reicht der Funktionsumfang von Applixware für Heimanwender und auch viele Büroanwender völlig aus, durch seine altbackene und wenig intuitive Benutzerführung kommt es aber für Nutzer mit einer modernen Distribution und einem aktuellen Fenstermanager kaum in Frage.

In Netzwerken mit veralteter Hardware hat die Bürosuite aber durch ihren flotten Programmablauf im Verhältnis zum relativ großen Funktionsumfang durchaus noch ihre Daseinsberechtigung. Allerdings stößt der professionelle Anwender schnell an die technischen Grenzen von Applixware, etwa bei komplexeren Layouts.

In diesem Licht gesehen erscheint auch der recht hohe Lizenzpreis von rund 70 Euro nicht angemessen. So wird die früher sogar auf den Rechnern des US-Verteidigungsministeriums heimische Bürosuite wohl bald Geschichte sein.

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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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