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Hoch hinaus

1,25-TByte-Array von Lacie

01.11.2006
Mancher Benutzer speichert heute bereits mehrere Tausend Musikstücke auf seinem Computer. Doch was tun, wenn man die gleiche Menge an Videos speichern will? Eine mögliche Antwort heißt Biggest S2S und kommt vom Storage-Spezialisten Lacie.

Gigabytes sind out – Terabyte heißt die Speicherkapazität der nahen Zukunft. Wer schon jetzt in die nächsthöhere Klasse umsteigen will, muss zurzeit allerdings noch tief in die Brieftasche greifen: Das vorgestellte 1,25-TByte-System von Lacie kostet rund 1500 Euro, die Variante mit 2,5 TByte schlägt mit gut 2500 Euro zu Buche. Diese Systeme eignen sich also nur für Anwender, die mit sehr großen Datenmengen arbeiten.

In erster Linie sind das PCs für den Videoschnitt. Hier fallen bei unkomprimierten Videodaten im HD-Format 1080p (1920x1080) bis zu 300 MByte/s an. Selbst HD-Kameras im semiprofessionellen Bereich, die die Daten im MPEG2-Format speichern, benötigen bis zu 30 MByte/s. Das sind 1,8 GByte pro Minute respektive 108 GByte pro Stunde Rohmaterial.

Technische Daten

Hersteller LaCie (http://www.lacie.com/de/)
Modell Biggest S2S
Platten 5 x 3,5 Zoll SATA
Kapazität 1,25 / 2,5 TByte
Host-Anbindung SATA II, PCI-X
RAID-Level JBOD, 0, 1, 10
Transferrate (dauerhaft, Herstellerangabe) Mac 187 MByte/s, 64-Bit-PC 160 MByte/s, 32-Bit-PC 99 MByte/s
Maße 14,4 x 20 x 25,7 cm
Gewicht 8,4 kg
Preis (ca.) 1500 Euro (1,25 TByte)

Allgemeines

Die Biggest S2S von Lacie (Abbildung 1) bündelt fünf SATA-II-Festplatten wahlweise zu einem RAID 0, einem RAID 1 oder einem losen Verbund (JBOD). Die Festplatten des externen Speichers lassen sich im laufenden Betrieb einzeln auswechseln, wobei dies allerdings nur im RAID-1-Modus (Spiegelung) sinnvoll ist. Im RAID-0- oder JBOD-Modus gibt es keinen Schutz vor einem Plattenausfall [1].

Das Gehäuse des Lacie-Speichers kühlt ein zentraler Lüfter, der etwa den Lärm eines durchschnittlichen PCs ausstößt. Über das zwei Meter lange SATA-Kabel lässt sich die Biggest zwar in eine Ecke stellen, fürs ruhige Büro oder Wohnzimmer eignet sich die Speicherstation allerdings nur bedingt. Das Gewicht von 8,5 kg macht die Speicherlösung auch nicht besonders mobil.

Die einzelnen RAID-Level der Biggest S2S lassen sich nur unter Windows oder Mac OS X einstellen. Standardmäßig liefert Lacie das Gerät mit einer RAID-0-Konfiguration aus – das Handbuch bezeichnet dieses Setup als "Fast", RAID 1 dagegen als "Safe".

Linux erkennt die Biggest S2S denn auch als eine einzige Festplatte. Über die Software-RAID-Funktion des Linux-Kernels kann man die Platten zwar nach bestem Wissen und Gewissen wieder zu einem RAID-Verbund teilen, indem man die Platte in fünf Partitionen zu 250 MByte teilt. Von einer idealen Lösung ist dieser Weg jedoch weit entfernt.

Auch die Benchmarks zeigten, dass auf diese Weise zum Beispiel durch Striping (RAID 0) kein Geschwindigkeitsvorteil mehr entsteht, da der Speicher ja bereits im RAID-0-Modus arbeitet. Im RAID-1-Modus (Spiegelung) sinkt der Datendurchsatz deutlich. Wer die Lacie-Platte nicht im RAID-0-Modus benutzen möchte, muss das Setup auf einem Mac- oder Windows-Rechner vornehmen.

Abbildung 1: Besonders hübsch ist sie nicht, aber dafür verflixt schnell: Die Biggest S2S von Lacie.

Die Benchmarks

Die Lacie-Disk gehört zu den schnellsten externen Datenträgern, die wir je im LinuxUser-Hardwarelabor hatten. Abhängig von Dateisystem und Benchmark las das Array im Test mit einer Geschwindigkeit von maximal 120 MByte/s und schrieb Dateien mit bis zu 107 MByte/s wieder auf den RAID-Verbund zurück. Damit sich Dateien allerdings mit dieser Geschwindigkeit von einem internen Speicher auf das externe RAID verschieben lassen, müssen die internen Platten entsprechend schnell sein: Hier kommt nur eine SATA-II-Lösung in Frage.

Im Benchmark Bonnie++ galt es eine 4-GByte-Datei möglichst schnell zu schreiben und lesen. Dabei erreichte das Dateisystem XFS einen Datendurchsatz von 107 MByte/s, gefolgt von ReiserFS mit 104 MByte/s und Ext3 mit 36 MByte/s. Zum Vergleich: die interne Platte produzierte beim gleichen Benchmark Lese- und Schreibwerte um 50 MByte/s. Durch die schlechten Schreibresultate von Ext3 mistrauisch geworden, überprüften wir die Resultate des Bonnie++-Benchmarks mit einem zweiten Test.

Ähnliche Resultate wie Bonnie++ produzierte auch der Benchmark slow.c. XFS führt hier beim Schreiben einer 2 GByte großen Datei die Rangliste mit 101 MByte/s an, an zweiter Stelle steht ReiserFS mit 86 MByte/s. Deutlich abgeschlagen Ext3 mit lediglich 31 MByte/s. Beim Lesen zeigt sich das Feld deutlich ausgeglichener: Hier führt ReiserFS jeweils die Liste an, gefolgt von XFS und Ext3 – wobei auch hier Bonnie++ leicht bessere Werte maß, als slow.c.

Bonnie++

  Ext3 ReiserFS XFS
schreiben 31 86 101
lesen 113 116 112
Alle Werte in MByte/s

slow.c

  Ext3 ReiserFS XFS
schreiben 36 104 107
lesen 114 120 119
Alle Werte in MByte/s

So haben wir getestet

Für die Tests mit der eSATA-Festplatte benutzte LinuxUser die synthetischen Benchmarks Bonnie++ [2] und slow.c [3] auf Suse Linux 10.1. Synthetisch bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Programme keine echten Daten zum Testen benutzen, sondern künstlich erstellte. Messungen mit echten Daten waren deshalb nicht möglich, weil uns kein Testrechner zur Verfügung stand, dessen interne Festplatte mit der Geschwindigkeit des RAIDs hätte mithalten können. Die Werte hätten demnach nur die maximale Geschwindigkeit der internen Platte wiedergegeben, nicht die der externen.

Lacie bietet die Biggest-Disk wahlweise mit einer PCI-E- oder einer PCI-X-Karte an. Für den Test stand nur die Variante mit dem PCI-X-Controller zur Verfügung. Sie funktioniert zwar auch über den normalen PCI-Bus, kommt aber dabei nicht annähernd an die maximale Performance heran. Da unser Testrechner nur einen PCI-E-Bus, aber keinen PCI-X-Bus besitzt, setzten wir für die eigentlichen Benchmarks eine zusätzliche PCI-E-Karte ein: die DC-310-e RAID von Dawicontrol [4]. Sie basiert auf dem Chipsatz Sil 3132 von Silicon Image (PCI-E), die Original-Karten von Lacie verwenden den Sil-3124-Chipsatz (PCI-X). Aktuelle Linux-Kernel unterstützen über das Modul sata_sil24 beide Chipsatzvarianten. Als Testrechner benutzen wir einen handelsüblichen PC mit einer 3 GHz schnellen Pentium-4-CPU und 1 GByte Arbeitsspeicher.

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