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Revolution, die zweite

Web 2.0 – leeres Schlagwort oder Internet-Revolution?

Nicht nur Putzmittel

Eine populäre Technik zur Umsetzung von Webtopanwendungen des Web-2.0-Zeitalters heißt Ajax (Asynchronous Javascript and XML), wobei lediglich der Name neu ist. Denn dabei handelt es sich um eine Kombination der schon seit mehreren Jahren bekannten Webprogrammiertechniken Javascript, XMLHttpRequest und DHTML (Dynamic HTML). Sie ermöglichen es, eine Webseite nur teilweise zu verändern (DHTML) und mit neuen Daten zu bestücken. Das hat den Vorteil, dass der Browser nicht die ganze Seite neu laden und aufbauen muss, wenn sich Inhalte verändern.

Die asynchrone Datenübertragung (XMLHttpRequest) ermöglicht es einem Webserver außerdem, von einem anderen Server im Hintergrund Daten anzufordern. So reagiert ein Webserver weiterhin flüssig, während er auf neue Inhalte von dritter Seite wartet; ohne die asynchrone Datenübertragung müsste er vor der Verarbeitung weiterer Benutzereingaben auf die Ankunft der neuen Daten warten.

Im alten Web funktionierten solche Webapplikationen mit eingebetteten Java-Anwendungen oder interaktiven Flash-Animationen. Beide haben gegenüber Ajax jedoch den Nachteil, dass sie immer wieder Probleme mit bestimmten Browsern oder Betriebssystemen verursachen und dass der Benutzer ein passendes Plugin benötigt. Ajax-Anwendungen setzen dagegen lediglich einen Javascript-fähigen Webbrowser voraus. Zwar verhalten sich auch die Javascript-Implementationen unterschiedlich, dies lässt sich aber durch eine Abfrage des verwendeten Browsers und eine entsprechende Reaktion auffangen.

Viele Webtopanwendungen zählen gemeinhin zum Web 2.0, obwohl der soziale Aspekt höchstens eine Nebenrolle spielt. Darunter fallen beispielsweise Google Mail [8] und Google Maps [9]. Ersteres bietet funktionell gesehen lediglich ein weiteres Web-Mail-Interface. Allerdings setzt es vollständig auf Ajax, wodurch sich die Bedienung in puncto Geschwindigkeit kaum von lokalen Mailclients wie Thunderbird oder KMail unterscheidet.

Noch einen Schritt weiter gehen Anwendungen wie Ajaxwrite [8] (Abbildung 3). Dabei handelt es sich um eine Textverarbeitung, die mit Hilfe von Ajax vollständig im Webbrowser läuft. Hersteller Ajaxlaunch hat angekündigt, alle häufig benötigten Applikationen mit Ajax zu implementieren, um die Idee eines minimalen Betriebssystem mit vollem Anwendungsschatz umzusetzen.

Abbildung 3: Ajaxwrite startet eine vollständige Textverarbeitung im Webbrowser. Ein Java- oder Flash-Plugin ist dank Ajax-Technik unnötig.

Heiße Luft im Web 2.0

Allerdings bleibt es beim Ajax-Betriebssystem von Ajaxlaunch, dem so genannten Ajax OS, bereits seit längerem bei einer Ankündigung. Zahlreiche andere Ajax-Anwendungen befinden sich ebenfalls schon seit Jahren in einer Betaphase, ironisch wird der dauerhafte Betastatus sogar häufig als typisches Merkmal einer Ajax-Applikation belächelt.

Dahinter steckt allerdings System: Webtopanwendungen durchlaufen einen anderen Entwicklungsprozess als klassische, in Boxen verkaufte Software. Die Entwickler analysieren ständig das Verhalten der Benutzer und versuchen, die Anwendung daraufhin zu optimieren. Eine Version als fertig zu deklarieren, ist gar nicht notwendig, weil die Anwender sie ohnehin nicht auf ihrem eigenen Computer installieren und gegebenenfalls per Update aktualisieren müssen. Stattdessen lädt der Webbrowser beim nächsten Besuch einfach die neue Version vom Server, sobald sie dort installiert ist.

Neben Ajax gilt vor allem das RSS-Format als typische Web-2.0-Technik. Es findet besonders im Blog-Umfeld breite Verwendung und erzeugt eine XML-Datei mit den aktuellen Inhalten. Interessierte brauchen einen Weblog nicht regelmäßig abzurufen, sondern lediglich in einem RSS-Reader die automatisch generierte und maschinell lesbare Inhaltsbeschreibungsdatei abzurufen, um neue Einträge zu finden. Viele Autoren blenden mit diesem Hilfsmittel in ihrem eigenen Weblog auch die Einträge anderer Blogger ein. Der Vorteil liegt darin, dass sie dabei nicht manuell auf ihrer Seite einzupflegen brauchen, sondern es erscheinen beispielsweise immer die fünf letzten Überschriften eines befreundeten Weblogs.

Maschinell lesbare Webangebote ermöglichen so genannte Meshup-Seiten, ein Wortspiel mit den englischen Worten "mesh" (Netzwerk) und "mix up" (durcheinandermischen). So ermöglicht Google Maps anderen Seiten, Landkarten einzubinden und darin beispielsweise eine Wegbeschreibung zu markieren. Daneben könnten aktuelle Staumeldungen stehen, die per RSS von einem anderen Server geholt werden. Auch diese Möglichkeit zur automatischen Verarbeitung gilt als typische Eigenschaft des Web 2.0, weil dadurch die Grenzen zwischen den einzelnen Webangeboten verschwimmen.

Einen ganzen Desktop im Browser liefert die Seite Protopage [10] (Abbildung 4). Bei diesem Angebot erhalten die Benutzer eine Arbeitsoberfläche im Webbrowser, auf der sie ihre wichtigsten Informationen sammeln: Nachrichten von anderen Seiten per RSS, das Wetter, Fotos von Flickr, Weblogeinträge oder persönliche Notizen.

Abbildung 4: Protopage bietet seinen Nutzern einen eigenen Desktop im Webbrowser. Darauf legen sie Notizen ab, sammeln News anderer Seiten oder lesen den Wetterbericht. Die Fenster lassen sich wie auf einem lokalen System per Drag & Drop mit der Maus verschieben.

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