Die Terminal-Applikationen unter KDE und Gnome machen es vor: Wie in einem Browser starten Sie verschiedene Reiter (Tabs) und verwalten so mehrere Konsolensitzungen in nur einem Programmfenster. Wer ganz ohne grafische Oberfläche oder auf einem entfernten Rechner per SSH arbeitet, muss auf diesen Komfort nicht verzichten: Das Tool Screen verwaltet mehrere virtuelle Terminals, erlaubt das Weiterlaufen von Prozessen, auch wenn Sie sich von entfernten Rechnern abmelden, und bietet sogar Funktionen, mit denen Sie die Konsolensitzung mit anderen Benutzern teilen.
Die Leiter anlegen
Sie starten das Programm von der Konsole aus über den Aufruf screen Der Splashscreen begrüßt Sie und verrät die Versionsnummer und dass es mit Druck auf die Leer- oder Eingabetaste weitergeht. Wer auf die nette Begrüßung verzichten möchte, schaltet sie durch einen Eintrag in der Screen-Konfigurationsdatei ab (siehe Abschnitt "Der richtige Fensterrahmen", S. 96).
Nachdem Sie den Fensterzauber gestartet haben, verändert sich auf den ersten Blick eigentlich nichts – das Terminal sieht aus wie immer. Das Gefühl unter den Fingern verändert sich allerdings – spätestens dann, wenn Sie auf der Bash [Strg]+[A] tippen, um an den Anfang der Eingabe zu gelangen: In Screen ist diese Tastenkombination der Auftakt zu weiteren Kommandos, um das Programm zu bedienen.
Die Tabelle "Wichtige Screen-Kommandos" bietet eine Übersicht; über [Strg]+[A] und [Umschalt]+[ß] ("?") blenden Sie die Onlinehilfe ein (Abbildung 1). Diese Befehlsreferenz verrät auch, dass Sie das "normale" Verhalten von [Strg]+[A] über Eingabe von [Strg]+[A],[A] erhalten. Die zweite Seite der Onlinehilfe erreichen Sie über einen Druck auf die Leertaste.
Wichtige Screen-Kommandos
| [Strg]+[A],[C] | Öffnet ein weiteres virtuelles Terminal. |
| [Strg]+[D] | Schließt ein virtuelles Terminal; handelt es sich um die einzige Sitzung im Screen, beendet die Tastenkombination das Programm. |
| [Strg]+[A],[N] (oder [Strg]+[A],Leertaste) | Wechselt ins nächste virtuelle Terminal. |
| [Strg]+[A],[0]-[9] | Springt zum ersten bis zehnten virtuellen Terminal. |
| [Strg]+[A],[W] | Blendet für einige Sekunden eine Statuszeile am unteren Fensterrand ein; der aktuelle Aufenthalt wird mit einem Sternchen gekennzeichnet. |
| [Strg]+[A],[Umschalt]+[A] | Erlaubt es, dem virtuellen Terminal einen Namen zu geben (standardmäßig heißen alle Sitzungen "bash"). |
| [Strg]+[A],[Umschalt]+[2] | Blendet eine Liste mit allen geöffneten Sitzungen ein; mit den Pfeiltasten blättern Sie zum gewünschten virtuellen Terminal, und mit Druck auf [Eingabe] öffnen Sie das entsprechende Fenster. |
| [Strg]+[A],[X] | Schließt das Fenster vor neugierigen Augen; zum Entsperren muss der Benutzer sein Passwort eingeben. |
| [Strg]+[A],[Esc] | Schaltet in den Kopier/Scrollmodus um: Mit den Pfeiltasten navigieren Sie. Um etwas in die Zwischenablage zu kopieren, gehen Sie an den Anfang des gewünschten Bereichs, drücken die Leertaste, navigieren zum Ende und drücken erneut die Leertaste. Über [Esc] brechen Sie den Vorgang ab. |
| [Strg]+[A],[AltGr]+[9] ("]") | Fügt den kopierten Text ein. |
| [Strg]+[A],[D] | Verlegt Screen in den Hintergrund; Sie beenden nur das Programm selbst, d. h. alle im Screen laufenden Prozesse arbeiten weiter. |
| [Strg]+[A],[K] | Beendet das aktuelle virtuelle Terminal gewaltsam; sicherheitshalber fragt das Programm nach, ob Sie die Sitzung wirklich "abschießen" wollen. |
| [Strg]+[A],[AltGr]+[ß] ("\") | Beendet Screen und alle darin laufenden Sitzungen gewaltsam; auch hier findet eine Sicherheitsabfrage statt (Really quit and kill all your windows [y/n]). |
Fenster auf oder zu?
Wie schon erwähnt, ist es möglich, Screen zu schließen, die darin gestarteten Prozesse aber weiterlaufen zu lassen. So verrichten die Programme brav weiter ihre Arbeit, und wenn Sie Screen zu einem späteren Zeitpunkt wiederbeleben, sehen Sie das getane Werk und die entsprechenden Ausgaben. Die Tastenkombination zum Ablösen lautet [Strg]+[A],[D]. Um zum Screen wieder Verbindung aufzunehmen, geben Sie auf der Konsole screen -r ein.
Ebenso ist es möglich, einen Screen remote zu "detachen", also ihn in den Hintergrund zu befördern, ohne selbst drin zu stecken. Dazu tippen Sie screen -d.
Die beiden gezeigten Parameter dürfen Sie kombinieren – um einen laufenden Fensterzauber in einem Aufrutsch abzutrennen und in der aktuellen Konsole wiederzubeleben, geben Sie einfach screen -dr ein.
Laufen mehrere Screen-Sessions, müssen Sie Ihre Wünsche etwas genauer formulieren. Das Programm weist Sie selbst darauf hin, wenn etwas nicht klar ist. Wie Sie in Listing 1 sehen, verrät Screen praktischerweise auch gleich, was da im Hintergrund läuft und wie Sie gezielt eine Sitzung nach vorne holen. Um beispielsweise den zweiten Eintrag aus Listing 1 wiederzubeleben, tippen Sie:
screen -dr 9865.pts-11.xena
Eine ähnliche Ausgabe sehen Sie übrigens auch, wenn Sie screen -ls eingeben. Die Liste zeigt neben der Prozessnummer sowie den Namen des Terminals und des Computers auch an, ob der Screen gerade im Vordergrund (Attached) oder Hintergrund (Detached) läuft. Manchmal taucht ein Screen allerdings mit der Statusangabe Dead auf; ein solches Überbleibsel entfernen Sie schnell mit dem Befehl screen -wipe.
Listing 1
$ screen -dr
There are several suitable screens on:
9559.pts-11.xena (Detached)
9865.pts-11.xena (Attached)
Type "screen [-d] -r [pid.]tty.host" to resume one of them.



