Mit intuitiven Konzepten erleichtert die Fish-Shell die Arbeit in der Konsole

Koi-Karpfen statt Haifisch

Die Shell Fish wirbt mit Benutzerfreundlichkeit. Wir haben das Tool für Sie getestet und schauen, ob es hält, was es verspricht.

Den meisten Linux-Einsteigern (und sogar einigen fortgeschrittenen Usern) graut vor dem Umgang mit der Befehlszeile. Die Shell ist ein mächtiges und oft schwierig zu bedienendes Werkzeug. Selbst ein Blick in die Manuals der großen Kommandozeilen-Interpreter verwirrt den Newbie meist mehr, als dass er ihm hilft. Die Manpage der GNU Bourne Again Shell, kurz Bash, bringt es auf rund 4000, das Handbuch der Zsh sogar auf beinahe 17000 Zeilen.

Der Grund liegt in der Tatsache, dass die Entwickler bei der Konzeption nich Benutzer- oder gar Einsteigerfreundlichkeit im Sinn hatten, sondern bestmögliche Effizienz und umfassende Fähigkeiten, die bei einiger Übung die Arbeitsabläufe drastisch vereinfachen.

Gegen die Platzhirsche

Aus diesem Grunde brachte der Entwickler Axel Liljencrantz im Februar 2005 seine Shell Fish gegen die Reihen der Platzhirsche Bash, Zsh und Tcsh in Stellung. Fish steht für "Friendly Interactive Shell", freundlich und interaktiv also.

In der Tat beherrscht Liljencrantzs Shell einige Funktionen, die dem Anwender die Arbeit erleichtern oder die Darstellung optisch verbessern. So bietet Fish das Vervollständigen von Kommandos durch die Tabulator-Taste, Syntax Highlighting und ein Hilfe-System über den Webbrowser an. Bei einigen Befehlen und Programmen wie Make, Ls, Du oder Programmen wie dem Mplayer vervollständigt Fish sogar die Optionen. Benutzern der Zsh kennen dieses Feature bereits.

Sie bekommen die Shell von der Webseite des Projektes [1]. In der Download-Sektion liegt das Programm in Paketformaten für verschiedene Distributionen gepackt, von Debian über Gentoo bis hin zu SuSE und Fedora Core. Wenn Sie den Kommandozeileninterpreter lieber eigenhändig aus dem Quellen kompilieren möchten, ist auch dies möglich: Der Sourcecode liegt in Tar-Archiven vor.

Erste Hilfe

Nach der Installation starten Sie Fish in Ihrer Standard-Shell mit dem Befehl fish. Die Befehlszeile begrüßt Sie nun mit der Ausgabe Welcome to fish und weist Sie auf die externe Hilfe hin: Type help for instructions on how to use fish. Das bedeutet, dass die Eingabe des Befehls help die Hilfeseiten aufruft.

In der Tat startet daraufhin der Webbrowser mit den Hilfeseiten, die, je nach Installation, zum Beispiel unter /usr/share/doc/fish/ zu finden sind. Fish fällt die Wahl des Browsers entweder nach der Umgebungsvariablen $BROWSER oder, sollte diese nicht gegeben sein, sucht von sich aus nach der geeigneten Software.

Dabei schafft es die Shell sogar, ihre Hilfe unter X automatisch im Firefox, auf der Konsole hingegen im Textbrowser Links anzubieten. Dem Kommando help dürfen Sie verschiedene Parameter mitgegeben. Ein help help listet Ihnen beispielsweise die Hilfe zur Hilfe auf. In die gleiche Kerbe schlägt die interne Korrektur der Software. Wenn Sie fälschlich katze=hund in die Eingabe tippen, um eine Variable zu definieren, entgegnet die Shell mit einer ausführlichen Antwort, in der sie eine Vorschlag macht sowie auf die umfangreiche Hilfe verweist.

Es bleibt abschließend jedoch die Frage, wo der Sinn im Verlagern der Anleitung liegt, weg von Manpages und Info-Seiten hin zum HTML-Format. Nicht jeder User, der einen kleineren Rechner betreibt, schätzt es, wenn auf diesem ständig ein Webrowser aufgeht. Die Programme Info und Man hingegen dürften selbst auf dem spartanischten Rechner zu Hause sein. Obwohl das Projekt durchaus Manpages mitliefert, fallen diese im Vergleich zur angebotenen HTML-Hilfe eher mager aus.

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