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Linux-Dateisysteme unter Windows nutzen

LTools

Das Paket LTools [4] ist weit mehr als ein schnöder Datei-Explorer für Ext2/3- und ReiserFS. Es besteht aus einem Treiber, der verschiedene Zugriffsmethoden erlaubt. Außerdem haben Sie die Wahl zwischen einer Java- oder .Net-GUI (Abbildung 4). Möchten Sie lieber Ihren Browser (Abbildung 5) verwenden, starten Sie den mitgelieferten Webserver. Die Standardeinstellung beschränkt den Zugriff jedoch auf den Localhost (127.0.0.1).

Abbildung 4: Der Datei-Explorer der Ltools bietet neben der vollständigen Unterstützung von Ext2/3 auch den lesenden Zugriff auf Reiserfs-Dateisysteme.

Abbildung 5: Der mitgelieferte Webserver der LTools gestattet den Zugriff auf Dateisysteme über den Webbrowser.

Wenn Sie über das Netz von einem anderen Rechner auf eine Linux-Partition zugreifen wollen, starten Sie den Webserver auf dem Rechner, mit der entsprechenden Partition mit der IP-Adresse des Rechners, der zugreifen soll als Argument:

lreadsvr IP-Adresse

Wie bei allen anderen Programmen im Test darf bei den LTools nur der Benutzer mit administrativen Rechten auf die fremden Dateisysteme zugreifen. Zwar startet das Programm, wenn ein normaler Nutzer es aufruft, verweigert dann jedoch die Anzeige der Linux-Partitionen.

In der oberen Hälfte des Fensters zeigt das Programm die Windows-Laufwerke an, darunter finden Sie die erkannten Ext2/3- und ReiserFS-Partitionen in der Linux-üblichen Schreibweise, zum Beispiel /dev/hda5. Ein Klick darauf öffnet in der linken Fensterhälfte den Verzeichnisbaum und in der rechten die Dateiansicht. Generell mountet das Programm alle Dateisysteme read-only; ein Klick auf den Button R/W in der Menüleiste gibt diese zum Beschreiben frei. Bei ReiserFS-Partitionen beschränkt sich der Schreibmodus jedoch auf das Ändern der Berechtigungen und Zugehörigkeiten von Dateien und Verzeichnissen.

Da das Programm nur Operationen zulässt, die es selbst mitbringt, gerät die Suche nach einer Datei zuweilen zur Sisyphusarbeit, da außer einem Anzeigefilter keine Suchfunktionen existieren. Verzeichnisse und Dateien sortiert das Programm lediglich auf- oder absteigend nach Namen.

Die Funktion Modify ändert nicht, wie der Name suggeriert, den Inhalt der Datei, sondern lediglich deren Zugriffsrechte. Möchten Sie die Datei bearbeiten, klicken sie mit der rechten Maustaste darauf, und wählen aus dem Kontextmenü den Eintrag View. Damit kopiert LTools die Datei in sein temporäres Verzeichnis auf der Windows-Partition und öffnet diese. Um die Änderungen auf das Linux-System zu übertragen, löschen Sie die Ursprungsdatei und kopieren die geänderte an diese Stelle.

Da das Programm weder über einen Reload-Button noch über eine Refresh-Funktion verfügt, fällt es mitunter schwer, festzustellen, ob Änderungen oder Transfers tatsächlich stattgefunden haben. Hier hilft der Wechsel in ein anderes Verzeichnis und zurück. Sowohl der Ressourcenverbrauch als auch die Lese-Schreibgeschwindigkeit bewegen sich im Bereich des Dateimanagers von Windows. Um mal eben auf das andere Dateisystem zuzugreifen, sind die Ltools, von – kleinen Schwächen abgesehen – erste Wahl. Sie bieten zudem ein Plus an Sicherheit, da Sie das Dateisystem gegenüber den Integrationsvarianten nicht permanent öffnen und somit beispielsweise versehentliches Löschen verhindern.

Rechte weg!

Einen Nachteil zeichnet alle Programme gleichermaßen aus: Sie hebeln sämtliche Benutzer- und Gruppenrechte der Linux-Dateisysteme aus. Der Windows-Benutzer hat Vollzugriff auf alle darin enthaltenen Daten, entsprechend auch auf die sensible Passwortdatei /etc/shadow (Abbildung 6). Dass nur Benutzer mit administrativen Rechten unter Windows auf die Dateisysteme zugreifen dürfen, birgt nur einen schwachen Trost. Immerhin bringt das permanente Arbeiten mit solch mächtigen Privilegien unter Windows oft unterschätzte Gefahren mit sich.

Abbildung 6: Jedes der Programme gewährt zumindest lesenden Zugriff auf alle Dateien des Dateisystems, im Beispiel die Passwortdatei /etc/shadow.

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Infos zum Autor

Thomas Leichtenstern

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LinuxUser 06/2012

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