Ext2 IFS

Die nahtlose Integration der Dateisysteme Ext2 und Ext3 in Windows verfolgt Stephan Schreiber mit seinem Projekt Ext2ifs [2]. Der Treiber eignet sich für die Windows-Versionen NT 4.0, 2000 und XP. Er erlaubt sowohl den Lese- als auch den Schreibzugriff auf diese Dateisysteme. Gegenüber der Reiser-Version verfügt das Programm über einen Setup-Wizard, der das Einrichten des Treibers übernimmt. Möchten Sie Dateien größer als vier GByte auf der Partition speichern, aktivieren Sie im Setup den Punkt Enable the large file feature. Negative Auswirkungen hat das Aktivieren nur, wenn Sie mit einer Distribution arbeiten, die als Kernel Version 2.2 oder kleiner verwendet. In diesem Fall mountet das System die Partition nur noch im read-only.

Nach der Installation weisen Sie mit dem Tool IFS Drivers, welches Sie in der Systemsteuerung finden, den automatisch erkannten Partitionen Laufwerksbuchstaben zu (Abbildung 3). Leider fehlt bei der Anzeige der Linux-Partitionen ein Verweis auf das Dateisystem. Das Programm zeigt ReiserFS-Systeme daher zwar an, unterstützt aber den Zugriff nicht.

Immerhin stellt es auf Wunsch eine Laufwerkszuordnung her. Der Klick auf den Laufwerksbuchstaben im Explorer führt jedoch lediglich zur Meldung Der Datenträger ist nicht formatiert. Soll er jetzt formatiert werden?. Sofern Sie Wert auf die darin enthaltenen Daten legen, beantworten Sie diese Nachricht mit einem Klick auf Nein.

Abbildung 3: Das Konfigurationsprogramm von Ext2 IFS erlaubt das unkomplizierte Zuweisen von Laufwerksbuchstaben zu Linux-Partitionen.

Enthält die gewählte Partition ein Ext2- oder Ext3-Dateisystem, hängt das Programm diese anstandslos in den Verzeichnisbaum ein. Allerdings nur dann, wenn Sie diese zuvor unter Linux sauber ausgehängt haben. Sonst ist die Partition als dirty markiert, und der Treiber bindet sie nicht ein. Als Folge erscheint beim Klick auf das Laufwerk die gleiche Meldung wie bei Reiser-Dateisystemen.

Nach dem erfolgreichen Einbinden unterscheidet sich das Laufwerk lediglich durch die fehlende Rechte- und Benutzerverwaltung von NTFS- oder FAT-Partitionen. Auch die Netzwerkfreigaben einzelner Verzeichnisse oder der ganzen Partition funktioniert wie mit Windows-Partitionen. Unter Windows erstellte Ordner und Dokumente gehören unter Linux immer dem User und der Gruppe des übergeordneten Verzeichnisses. Auch ändert das Bearbeiten von Dateien weder deren Rechte noch die Besitzer- oder Gruppenzugehörigkeit.

Jedoch sollten Sie speziell beim Bearbeiten von Konfigurationsdateien darauf achten, einen Editor zu verwenden, der Unix-Konventionen unterstützt. Speichern Sie die Datei im Windows-üblichen ANSI-Format, kommt es unter Linux zu Problemen. Abhilfe schafft der auf der Heft-CD enthaltene Editor Notepad2 [3].

Ein Festplatten-Benchmark ergab, dass sich die Schreib-Lese-Geschwindigkeit des Ext3-Dateisystems kaum von NTFS-Partitionen unterscheidet. Der CPU-Ressourcenverbrauch bewegte sich ebenfalls auf dem gleichen Niveau wie bei Zugriffen auf andere Windows-Partitionen. Die Stabilität des Treibers läßt keine Wünsche offen. Im Test traten keinerlei negative Begleiterscheinungen oder gar Systemabstürze wie zuvor bei dem Reiser-Treiber auf. Leider trübt ein Umstand das ansonsten hervorragende Bild: Der Treiber gewährt lediglich Benutzern mit administrativen Rechten Zugriff auf die Dateisysteme.

Wichtige Dateisysteme im Überblick

NTFS: Microsofts New Technology File System gehört seit über zehn Jahren zum Standardumfang aller NT-Betriebssysteme, zu denen auch Windows 2000 und Windows XP zählen. Die Hauptdatei, der Master File Table, kurz MFT, enthält neben den Zugriffsberechtigungen unter anderem die Zuordnungen zwischen Sektoren und Dateien.

Wie Reiserfs und Ext3 führt auch dieses Dateisystem ein Journal, um Fehlern im Dateisystem vorzubeugen. Zwar unterstützen praktisch alle modernen Distributionen mittlererweile den lesenden Zugriff auf NTFS. Da das Schreiben darauf jedoch zu Fehlern und Inkonsistenzen führt, sehen die meisten Distributoren noch von dieser Unterstützung ab.

FAT: Das einfache Dateisystem File Allocation Table spielt heute nur noch auf älteren Windows-Betriebssystemen eine Rolle, die keine NTFS-Unterstützung mitbringen,. Da es weder eine Rechteverwaltung unterstützt noch über ein Journal verfügt, kommt es beinahe ausschließlich im privaten Umfeld zum Einsatz. Dank seiner einfachen Struktur ist FAT derzeit das einzige Dateisystem, das alle modernen Betriebssysteme lesend und schreiben unterstützen.

Ext2: Das Second Extended Filesystem war lange Jahre das am meisten genutzte Dateisystem unter Linux. Viele seiner Eigenschaften stammen aus traditionellen Unix-Dateisystemen, beispielsweise das Konzept der Blöcke, Inodes und Verzeichnisse. Ein Versionsmechanismus erlaubt, neue Funktionen abwärtskompatibel zu implementieren, wie das beim neuen Standard Ext3 der Fall ist.

Ext3: Das auf Ext2 basierende Dateisystem stellt zwischenzeitlich den Standard bei den meisten Distributionen dar. Das Journal als wichtigster Unterschied zum Vorgänger verhindert bei Systemabstürzen das Prüfen der kompletten Partition, das abhängig von der Größe mehrere Stunden dauert. Das System prüft nur noch Dateien, die zum Zeitpunkt des Absturzes als geöffnet markiert waren.

ReiserFS: Das von Hans Reiser entwickelte Dateisystem war das erste Journaling Filesystem, das in den Linux-Kernel (2.4.1) aufgenommen wurde. Die Suse Linux GmbH unterstützte die Entwicklung der Version 3 und verwendet es als Standard-Dateisystem in ihren Produkten. Es gilt gegenüber Ext2 und Ext3 speziell beim Verwalten vieler kleiner Dateien als sehr performant. Bisher existieren noch keine Programme,die einen lesenden und schreibenden Zugriff auf dieses Dateisystem von Windows aus ermöglichen.

Indirekter Zugriff

Neben der vollständigen Integration von Linux-Dateisystemen in Windows bleiben als weitere Möglichkeit spezielle Datei-Explorer, die den Zugriff auf fremde Dateisysteme nur innerhalb des Programms ermöglichen. Sie lassen in der Regel nur Datei- und Verzeichnisoperationen zu, die sie selbst mitbringen. Der direkte Zugriff mit anderen Programmen, beispielsweise einem externen Texteditor funktioniert damit nicht.

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