Linux-Dateisysteme unter Windows nutzen

Grenzübertritt

Wer mit Linux und Windows auf einem Rechner arbeitet, hat sich schon mehr als einmal darüber geärgert, dass er nicht an die Daten des des Linux-Systems herankommt. Der Artikel zeigt, wie Sie diesen Frust zukünftig vermeiden.

Verwenden Sie auf einem Rechner parallel Linux und Windows, dann stellt sich nicht selten die Frage: Wie auf Daten des jeweils nicht gebooteten Systems zugreifen. Beinahe alle modernen Linux-Derivate unterstützen zwischenzeitlich das Dateisystem NTFS im Lesemodus und den Zugriff auf FAT-Partitionen seit jeher voll. Daher beschränkt sich das Problem in erster Linie auf die Windows-Welt.

Eine Möglichkeit besteht derzeit darin, die Daten entweder auf einen Wechseldatenträger (USB-Stick, Diskette, CD-ROM) zu kopieren oder eine fehleranfällige FAT-Partition anzulegen, die den gemeinschaftlichen Zugriff auf Dateien erlaubt. Zwischenzeitlich ermöglichen eine Reihe von Programmen den direkten Zugriff von Windows auf Linux-Dateisysteme. Drei davon stellt dieser Artikel auf ihre Alltagstauglichkeit vor.

Standard-Dateisysteme

Distribution Dateisystem
Debian 3.0 (Woody) Ext2
Debian 3.1 (Sarge) Ext3
Ubuntu 6.06 (Dapper Drake) Ext3
Kubuntu 6.06 (Dapper Drake) Ext3
Suse Linux 9.3 ReiserFS 3
Suse Linux 10.0 ReiserFS 3
Suse Linux 10.1 ReiserFS 3
Mandriva 2005 Ext3
Mandriva 2006 Ext3

Aus einem Guß

Ein eleganter Ansatz, Linux-Dateisysteme unter Windows zu verwenden, besteht natürlich darin, sie nahtlos zu integrieren. Das ermöglichen Treiber, welche den Zugriff – für den Anwender transparent – ermöglichen. Die Partitionen erscheinen, wie bei Windows-Dateisystemen gewohnt, mit einem Laufwerksbuchstaben im Verzeichnisbaum des Explorer und erlauben die gleichen Dateioperationen (Copy & Paste, Drag & Drop etc.). Diese Methode ermöglicht allen Programmen den Zugriff auf die Dateien und Verzeichnisse der so integrierten Partition.

ReiserDriver

Die Programmierer des verhältnismäßig jungen Projektes ReiserDriver (Rfsd) [1] (Projektstart: Mai 2005) setzen sich zum Ziel, Reiser-Dateisysteme mit Windows zu verheiraten. Zwar kündigten sie die finale Release für den August 2005 ang, die aktuelle Version, der ReiserDriver Pre-Release Version 2, stammt jedoch vom Juli letzten Jahres.

Zur Installation genügt es, die im Paket enthaltene Datei rfsdfsd.sys in das Systemverzeichnis windows\system32\drivers\ zu kopieren, und den Registry-Patch rfsdfsd.sys durch einen Doppelklick auf die Datei einzuspielen.

Etwas komplizierter gestaltet sich die Laufwerkszuordnung. Starten Sie dazu den Registry Editor Regedit, wechseln Sie in den Zweig HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Control\Session Manager\DOS Devices und erstellen Sie darin eine neue Zeichenfolge, die den Namen den Laufwerksbuchstaben trägt, beispielsweise X:. Öffnen Sie danach den neuen Eintrag und geben Sie an, wo sich die Partition, die Sie einhängen möchten, befindet. Beachten Sie, dass unter Windows-Systemen die Nummerierung der Festplatten bei 0 (Null) beginnt, die der Partitionen hingegen mit 1 (Eins). Das folgende Beispiel spricht die erste Partition der zweiten Festplatte an:

\Device\Harddisk1\Partition1

Nach dem Neustart von Windows erscheint im Explorer-Verzeichnisbaum das neue Laufwerk (Abbildung 1). Ein Zugriff darauf setzt jedoch den Start des zuständigen Dienstes durch net start rfsdfsd in der Command-Shell voraus. Andernfalls bietet Windows an, das unbekannte Laufwerk zu formatieren. Da dieser Service nicht automatisch mit dem System startet, empfiehlt es sich, das beschriebene Startkommando in eine Batchdatei zu schreiben (beispielsweise start.bat), und diese über einen Link im Verzeichnis Start | Alle Programme | Autostart beim Systemstart auszuführen.

Abbildung 1: Erst der Blick in die Eigenschaften des Laufwerks verrät, dass sich dahinter ein Reiser-Dateisystem verbirgt.

Nach Abschluss der Installation steht die Reiserfs-Partition wie jede allerdings nur im Lesemodus zur Verfügung. Programme oder Treiber, die einen Schreibzugriff auf dieses Dateisystem unter Windows ermöglichen, sind derzeit nicht bekannt.

Zudem zeigten sich im Test erhebliche Schwächen des Dienstes: Beispielsweise führt ein Rechtsklick auf eine Datei in einem Unterverzeichnisses zu einem Totalabsturz des Systems. Dramatischer, weil in der normalen Arbeit relevant, waren jedoch die unvermittelten Abstürze (Abbildung 2) entweder beim Öffnen von Unterverzeichnissen ab der dritten Ebene oder dem Öffnen von Dateien. Ein Muster, das detaillierte Rückschlüsse auf das Verhalten zuließe, war nicht zu erkennen.

Da das Projekt seit Oktober 2005 mehr oder weniger im Dornröschenschlaf liegt, stehen die Chancen einer Problemlösung in absehbarer Zeit eher schlecht. Das Projekt als Pre-Release, und damit nach der allgemeinen Terminologie als beinahe stabil zu deklarieren, entspricht nicht dem tatsächlichen Zustand der Software. Gemessen an anderen Projekten käme eher eine frühen Alpha-Phase in Betracht. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler neuen Elan schöpfen und an diesem vielversprechenden Projekt weiterarbeiten.

Abbildung 2: KO in der zweiten Runde: Schon das Öffnen von Unterverzeichnissen führt unter Umständen zu einem Totalabsturz des Rechners.

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