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Haste Töne

LMMS wird runderneuert

01.10.2006 Die aktuelle Version des Linux Multimedia Studios glänzt mit professionellen Fähigkeiten wie VST-Support, FL-Studio-Import, Automation und Quantisierung.

Nachdem längere Zeit Funkstille herrschte, steht seit Ende Juli mit Version 0.2.0 wieder ein neues Release des Linux Multimedia Studio (kurz LMMS) [1] zur Verfügung. Neben vielen Fehlerbereinigungen sowie signifikanten Verbesserungen finden sich auch jede Menge neue Funktionen und Plugins – was vor allem der Tatsache geschuldet ist, dass in letzter Zeit mehrere neue Entwickler zum LMMS-Projekt gefunden haben.

Wie von Geisterhand…

In den letzten Wochen und Monaten entstand beispielsweise Unterstützung für die Automation von Steuerelementen. Hinter dieser etwas sperrigen Terminologie verbirgt sich eine ebenso einfache wie leistungsstarke und nützliche Technik, die es ermöglicht, Knöpfe, Schieberegler und ähnliches durch LMMS dynamisch regeln zu lassen. In der aktuellen Version geht das "nur" über selbst gezeichnete Kurven, deren Verlauf den jeweiligen Wert des Elements zu einem bestimmten Zeitpunkt festlegt.

Einfachstes Szenario: Die Lautstärke einer Tonspur soll sich im Laufe des Arrangements ändern. Um dies zu bewerkstelligen, bedarf es keiner großartigen Kunststücke. Nach Auswahl des Eintrages Im Automation-Editor öffnen im Kontextmenü des Lautstärke-Knopfes der betreffenden Spur kann man schon mit dem Zeichnen loslegen. Auf der linken Seite des Editors sind die jeweiligen Werte zu sehen (Abbildung 1 unten). Fällt der dargestellte Bereich zu klein aus, lässt sich die Ansicht über die Werkzeugleiste skalieren. Sobald man nun das Projekt abspielt, dreht sich der betreffende Lautstärkeregler wie von Geisterhand.

Abbildung 1: Die Bedienoberfläche von LMMS samt einiger neuer Plugins (Vibe, Organic, VeSTige) und dem Automations-Editor – hier mit einer Hüllkurve für die Lautstärke.

Dank eines internen generischen Frameworks umfasst die Automation nicht nur Knöpfe, sondern sämtliche editierbaren Elemente. Auch einfache Buttons lassen sich automatisch an- und ausschalten. Selbst die Steuerung so genannter exklusiver Button-Gruppen übernimmt LMMS bei Bedarf, wie zum Beispiel die Modulationsarten (PM, AM etc.) im TripleOscillator-Plugin. Weitere steuerbare Elemente sind LED-Spinboxes (etwa für das Tempo des Songs), Comboboxen (beispielsweise Wahl des Filtertyps oder Akkords in einer Instrumentspur) sowie sämtliche anderen Arten von Schaltern (Abbildung 2).

Abbildung 2: Sämtliche Steuerelemente in LMMS lassen sich jetzt über die Automation dynamisch regeln. Per Kontextmenü ruft man dazu den Automations-Editor auf.

Die Automation schafft auf diese Weise alle Voraussetzungen für dynamische Arrangements. Ihr richtiger Einsatz will aber gleichzeitig geübt sein.

Profi-Plugins nutzen

Die bereits seit LMMS 0.1.4 vorhandene, experimentelle Unterstützung von VST-Plugins wurde in Version 0.2.0 noch einmal deutlich verbessert. Eine native Linux-Unterstützung für VST gibt es nach wie vor nicht. Dank des Wine-Projekts muss man aber unter Linux nicht auf diese oft hochwertigen (und somit meist kommerziellen) virtuellen Instrumente und Effekte verzichten, denn schon seit längerem gibt es Bestrebungen, diese mittels Wine zum Laufen zu bringen.

Allerdings beschränkte sich das bisher im großen und ganzen auf diverse Kommandozeilentools, die sich nicht allzu gut in grafische Software wie Rosegarden [3] integrierten. Damit macht LMMS 0.2.0 endgültig Schluss: Es lädt viele (wenn auch nicht alle) VST-Plugins über das eingebaute VeSTige-Plugin (Abbildung 1 Mitte), das im Kern auf dem FST-Projekt ([4],[5]] basiert.

Doch dazu muss man zuerst einmal LMMS mit VST-Unterstützung kompilieren, denn nach wie vor besteht das Problem, dass sich die VST-Unterstützung nur mit Hilfe von Dateien aus dem proprietären VST-SDK realisieren lässt. Das SDK kann zwar kostenlos heruntergeladen und verwendet werden, doch verbietet es die GPL, mit unfreier Software erstellte Binärpakete zu veröffentlichen. Deshalb muss jeder Anwender, der die VST-Unterstützung nutzen will, LMMS selbst übersetzen.

Doch glücklicherweise erfordert das keinen Drahtseilakt, da eigentlich schon alles vorbereitet ist. Zuerst gilt es sicherzustellen, dass Wine sowie dessen Entwicklungspaket (libwine-dev, wine-devel oder ähnlich) installiert sind. Dabei empfiehlt es sich, eine möglichst neue Version zu verwenden, da dies unter Umständen beeinflusst, welche VST-Plugins LMMS später laden kann und welche nicht funktionieren werden.

Das Skript ./configure spuckt beim ersten Druchlauf zwei URLs aus, unter denen sich die benötigten zwei VST-SDK-Dateien herunterladen lassen. Nachdem diese im Ordner include abgelegt wurden, sorgt ein erneuter Aufruf von ./configure mit der Option --with-vst dafür, dass LMMS durch ein anschließendes make sowie make install (als Nutzer root) VST-Plugins laden kann.

Diejenigen, die nicht den Aufwand scheuen, sich einer einfachen Registrierung zu unterziehen, können sich das offizielle VST-SDK (2.4) auch direkt bei Steinberg herunterladen [6]. Das hat den Vorteil, dass die zwei benötigten Dateien (aeffectx.h und aeffect.h) im SDK um einiges aktueller sind und damit die VST-Unterstützung von LMMS vollständiger ausfällt und einem neueren Standard entspricht.

Nach dem Start von LMMS steht jetzt in der Plugin-Liste links ein weiteres Plugin – VeSTige – zur Verfügung, das man per Drag & Drop in den Song-Editor oder den Beat- und Bassline-Editor zeiht. Hiermit lassen sich nun VST-Plugins laden, die in einem eigenen Unterfenster erscheinen und dort auch bedient werden. Sämtliche Einstellungen der VST-Plugins sichert LMMS beim Abspeichern des Projekts und lädt sie beim Öffnen auch wieder.

Einer kommenden Version soll zudem die Automation sämtlicher Steuerelemente von VST-Plugins ermöglichen. Weiterhin geplant ist das Routing externer MIDI-Events (neben der derzeit schon gerouteten Note-On- und Note-Off-Events) direkt zum Plugin, sodass sich – wie im Profi-Studio – VST-Plugins mit Keyboards und anderen MIDI-Controllern vollständig steuern lassen.

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