Etwas gewöhnungsbedürftig sind sie, die Texteditoren Vim [1] sowie dessen Vorgänger Vi (der auf modernen Linux-Distributionen in der Regel ein Link oder Alias auf Vim ist). Viele Benutzer schrecken vor dem praktischen Tool wegen seiner etwas sperrigen Bedienung zurück. Wer sich aber mit den verschiedenen Betriebsmodi erst einmal vertraut gemacht hat, mag auf die hilfreichen Dienste des schlanken Editors nicht mehr verzichten.
Eine Frage des Zustands
Den meisten Benutzern bereitet vor allem das Konzept der unterschiedlichen Vim-Betriebsmodi Probleme. Vim kennt insgesamt vier dieser Betriebszustände.
Der Normalmodus dient als zentraler Modus, von dem aus Sie in die anderen Modi wechseln. Vim befindet sich nach dem Start in dieser Betriebsart, die man auch als Kommando- oder Befehlsmodus bezeichnet. Über verschiedene Tastaturkommandos löschen, kopieren und verschieben Sie Text. Dabei folgen die Eingaben der folgenden Struktur: Zunächst geben Sie an, wie oft ein Kommando ausgeführt werden soll (ohne nähere Angaben genau einmal), danach folgt der Befehl. Um von einem der anderen Modi in den Befehlsmodus zu wechseln, tippen Sie ein- oder mehrmals die [Esc]-Taste, bis ein Piepston signalisiert, dass Sie im Normalmodus angekommen sind.
TIPP
Mit [.] wiederholen Sie das letzte Vi(m)-Kommando.
Um Text einzugeben, wechseln Sie durch Drücken der Taste [I] ("insert") in den Einfügemodus. Dass Sie in diesem Betriebszustand sind, zeigt der Vim durch den Text -- EINFÜGEN -- in der linken unteren Ecke an. Andere Möglichkeiten, um in diesen Modus zu wechseln, sind [A] ("append"), um Text direkt nach dem Cursor einzufügen, sowie [Umschalt]+[I] (springt an den Anfang der aktuellen Zeile und in den Einfügemodus) und [Umschalt]+[A] (springt ans Zeilenende und wechselt in den Einfügemodus). Weiterhin tippen Sie im Normalmodus [O], um eine Zeile unter dem Cursor zu öffnen, oder [Umschalt]+[O], um eine Zeile über dem Cursor einzufügen.
Tippen Sie im Normalmodus einen Doppelpunkt ein, um in den Kommandozeilenmodus zu wechseln. Hinter dem Doppelpunkt geben Sie Kommandos ein, wie etwa zum Suchen und Ersetzen von Text. Tippen Sie ein Ausrufezeichen direkt nach dem Doppelpunkt, um Shell-Befehle auszuführen.
Im Visualmodus markieren Sie Bereiche zeichen-, zeilen- oder blockweise, um sie beispielsweise zu kopieren oder auszuschneiden. In den Betriebsart wechseln Sie über die Tastenkombination [Esc]+[V]. Dass Sie in diesem Modus sind, erkennen Sie am Text -- VISUELL -- in der linken unteren Bildecke. Markierter Text erscheint hervorgehoben.
Erste Schritte
Sie starten den Editor über den Kommandozeilenaufruf vim, wobei sie optional die zu bearbeitende Datei gleich mit angeben:
vim linux-user/2006/08/vim.txt
Zum Verlassen des Editors wechseln Sie zurück in den Normalmodus und geben :q! ein, um Vim zu beenden und alle gemachten Änderungen zu verwerfen. Alternativ tippen Sie :wq, wenn Sie vor dem Verlassen von Vim die Änderungen speichern möchten. Einen Arbeitsschritt sparen Sie, wenn Sie stattdessen :x eingeben oder zweimal [Umschalt]+[Z] tippen.
Um zwischendrin Änderungen abzuspeichern, ohne Vim zu beenden, dient der Befehl :w. Alternativ geben Sie hinter dem Befehl einen Dateinamen an, um den Text in einem neuen File abzulegen:
:w neue_datei.txt
Verschiedene Aufrufparameter beeinflussen den Start des Editors: Soll beispielsweise eine Datei im reinen Lesemodus geöffnet werden, geben Sie zusätzlich -R an. Daneben bietet Vim eine praktische Recovery-Funktion, um abgestürzte Sessions wiederherzustellen. Geben Sie dazu auf der Kommandozeile den Befehl vim -r datei
ein.
Einen einzelnen Arbeitsschritt machen Sie rückgängig, indem Sie [U] tippen. Gleich mehrere Schritte gehen Sie zurück, indem Sie die Taste mehrmals betätigen. Alle am einer Zeile vorgenommenen Anderungen widerrufen Sie, indem Sie [Umschalt]+[U] eingeben.
Eine Übersicht sämtlicher Aufrufparameter mit kurzer Erklärung erhalten Sie, wenn Sie auf der Shell vim --help tippen.



