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Bedrohte Spezies

TV-Aufnahmen mit analogen Karten

01.09.2006 In wenigen Jahren gehören die analogen TV-Kanäle wohl für immer der Vergangenheit an. Doch bis es soweit ist, können Sie mit einer analogen TV-Karte noch viele Sendungen oder Videofilme aufzeichnen.

Alle reden von DVB und HDTV. Die TV-Karte deshalb gleich gegen einen digitalen Empfänger auszutauschen, wäre allerdings etwas übereilt – senden doch die Betreiber vieler Kabel-TV-Netze weiterhin mit analogen Technik, wenn sie auch neu hinzukommende Sender meist digital einspeisen. Auch die meisten Gemeinschaftsantennen verteilen ihre Signale weiterhin analog von Satelliten. Grund genug, sich mit den Möglichkeiten analoger TV-Karten auseinanderzusetzen.

Die Klassiker

Als erste brauchbare TV-Anwendungen unter Linux etablierten sich Xawtv und Motv, die beide vom Linux-Fernseh-Guru Gerd Knorr stammen [1]. Motv unterscheidet sich von Xawtv dadurch, dass es über eine Benutzeroberfläche verfügt, die sich auch von Nicht-Programmierern bedienen lässt. Da Gerd Knorr auch die meisten Kernel-Treiber für TV-Karten geschrieben hat, sind Xawtv und Motv immer noch die erste Wahl für das analoge Fernsehen unter Linux.

Unter Motv starten Sie eine Aufnahme über [R] oder Datei | Film aufnehmen. Als Ausgabeformat wählen Sie Microsoft AVI (RIFF) format, als Videoformat MJPEG (AVI), und beim Ton stellen Sie 16bit stereo (LE) ein (Abbildung 1). Die Framerate sollte für ein flüssiges Bild nicht unter 25 fps liegen. Für bessere Qualität mit deutlich höherem Speicherverbrauch (siehe Tabelle "Eine Minute") wählen Sie als Videoformat 24 bit TrueColor.

Eine Minute

Programm

beste Qualität

beste Komprimierung

Mplayer 168 MByte (raw) 6 MByte (mpeg4)
Motv 230 MByte (24bit) 78 MByte (mjpeg)
Streamer 341 MByte (rgb24) 123 MByte (mjpeg)
Ffmpeg 208 Mbyte (-target dv) 2,2 MByte (-vcodec mpeg4)

Ein Klick auf Aufnahme startet den Vorgang. Dazu müssen Sie das Motv-Fenster mit dem Fernsehbild allerdings zunächst minimieren. Gleichzeitig fernzusehen und aufzunehmen ist in der Regel nicht möglich, ohne dass die Qualität der Aufnahme darunter leidet. Meldet Motv beim Start der Aufnahme einen Fehler, müssen Sie das Programm über motv -noxv starten. Eine Alternative zu Motv für die Aufnahme mit grafischer Oberfläche stellt Cinelerra [2] dar (Abbildung 2). Die Bedienung des Programms ist allerdings nicht ganz trivial.

Abbildung 1: Mit diesen Parametern starten Sie in Motv eine Fernsehaufnahme.

Abbildung 2: Auch Cinelerra erlaubt direkte Aufnahmen von der TV-Karte.

Das Kommandozeilentool für die Aufnahme mit Xawtv oder Motv heißt streamer. Bei Ubuntu installieren Sie das Programm mit dem Befehl

apt-get install streamer

Benutzer von Suse Linux finden es im Paket v4l-tools. Die Dokumentation von Streamer fällt ziemlich dünn aus, erste Hilfe gibt der Befehl streamer -h. Die nötige Konstellation für eine einminütige Aufnahme zeigt der Kasten "Auf der Kommandozeile".

Auf der Kommandozeile

Für die Aufnahme von der Kommandozeile müssen Sie generell mit einem TV-Programm (zum Beispiel motv) zunächst den passenden Kanal einstellen. Erst danach starten Sie die Aufnahme.

Streamer:

streamer -i Television -t 01:00 -b 64 -s 720x576 -n pal -f mjpeg -j 85 -r 25 -F stereo -o aufnahme.avi

Mencoder:

mencoder -tv driver=v4l2:input=0:width=720:height=576 -o aufnahme.avi -ovc lavc -lavcopts vcodec=mpeg4 -oac mp3lame tv://

Ffmpeg:

ffmpeg -y -vd /dev/video0 -ad /dev/dsp -target pal-dvd aufnahme.mpg
ffmpeg -y -vd /dev/video0 -ad /dev/dsp -s 720x576 -vcodec mpeg4 aufnahme.avi

Die Option -i gibt dabei die Quelle an. Ist an der TV-Karte über den Composite-Eingang zum Beispiel eine Kamera oder ein DVD-Player angeschlossen, ändern Sie -i Television zu -i Composite. Mit -t legen Sie die Dauer der Aufnahme fest, -b gibt die Größe des Puffers an. Über -s und -n richten Sie die Bildgröße sowie die TV-Norm ein. Den Codec legt die Option -f fest. Für eine möglichst kleine Aufnahme wählen Sie dazu mjpeg oder jpeg. Die beste Qualität erreichen Sie mit -f rgb24. Mit der vollen Größe von 720x576 Bildpunkten ist ein 1,4 GHz-Athlon-Prozessor dann allerdings voll ausgelastet, auch die Dateigröße von 341 MByte pro Minute dürfte jeder Festplatte stark zusetzen. Ein detailliertes Howto zu Streamer finden Sie unter [3].

Theoretisch können Streamer und Motv auch die Rohdaten des Fernsehsignals im Quicktime-Format aufnehmen. Auf unseren Testrechnern produzierten aber bei der Auswahl des Quicktime-Formats beide Programme Speicherzugriffsfehler.

Der Allmächtige

Selbstverständlich kommt auch Mplayer mit analogem Fernsehen klar. Allerdings mangelt es hier an einer brauchbaren GUI. Mit Kalva [4] existiert zwar ein kompletter Videorecorder mit grafischer Oberfläche, die Bedienung des KDE-Programms ist allerdings nicht ganz trivial. Auch stürzte die Anwendung unter Suse und Ubuntu immer wieder mal ab. Es empfiehlt sich deshalb, mencoder zum Aufnehmen direkt von der Kommandozeile zu starten.

Auch dazu müssen Sie den gewünschten Sender zunächst mit einer TV-Anwendung tunen. Die Manpage von Mplayer und Mencoder fällt recht umfangreiche aus, allerdings sind die passenden Kommandozeilenparameter auch hier schwer zu finden. Ein Beispiel für eine TV-Aufnahme im MPEG4-Format zeigt der Kasten "Auf der Kommandozeile".

Möchten Sie anstelle des hochkomprimierenden MPEG4-Codecs die Rohdaten aufnehmen, ersetzen Sie -ovc lavc -lavcopts vcodec=mpeg4 -oac mp3lame tv:// durch -ovc raw tv://. Besitzen Sie eine ältere TV-Karte, dann müssen Sie als Treiber eventuell driver=v4l angeben. Um vom S-Video- oder Composite-Eingang der TV-Karte aufzunehmen, ersetzen Sie input=0 durch input=1, usw. Die Option -ovc bestimmt das Ausgabe-Videoformat, bei lavc (libavcodec) können Sie hier zusätzlich den Codec bestimmen. Eine Liste der verfügbaren Codecs zeigt die Mplayer-Manpage unter dem Eintrag vcodec= an.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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