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Photoshop-Plugins in Gimp

01.09.2006 Linux-Programmierer machen oft das Unmögliche möglich. Ein fleißiger Finne hat Photoshop-Plugin-Schnittstele analysiert und Code geschrieben, der solche Windows-Plugins auch in Gimp lädt.

Es ist schon beeindruckend, welche Ausdauer das Wine-Team an den Tag legt. Seit mehr als zehn Jahren programmieren es an seinem "Windows-Emulator" [1], den alle so nennen, der nach Willen des Projekts aber gar keiner ist. Der Unterschied liegt darin, dass Wine kein abgeschlossenes Windows-System emuliert, sondern über eine Reihe von Bibliotheken die Schnittstellen nachbildet, die Windows-Programme benutzen. Deshalb läuft Windows-Software unter Wine auf dem gleichen Desktop wie Gnome- oder KDE-Programme.

Diesen Umstand macht sich das kleine Tool Pspi [2] zunutze, das mit Hilfe von Wine beide Welten verbindet. Das Pspi-Plugin für Gimp hat Tor Lillqvist ursprünglich entwickelt, um Photoshop-Plugins im Windows-Gimp zu benutzen – das Lillqvist übrigens selbst auf das Microsoft-System portiert hat. Wine macht das gleiche nun mit dem guten alten Linux-Gimp möglich.

Übersetzen nur mit SDK

Wer Pspi selbst ausprobieren möchte, findet auf der Heft-CD Binaries für Ubuntu 5.10, Suse 10 und Fedora Core 5, sowie ein Source-RPM und die Quellen als Tarball. Das Paket selbst zu übersetzen, erfordert allerdings das Photoshop-SDK, das leider nicht mehr als freier Download von Adobe erhältlich ist. Im Binärpaket befindet sich nicht mehr als die Datei pspi.so.exe, die im systemweiten Gimp-Plugin-Verzeichnis landet, und einige Files zur Dokumentation.

Die Pfade, in denen Pspi nach Photoshop-Plugins sucht, lassen sich über den Menüpunkt Xtns:Photoshop Plug-in Settings einstellen. Als möglicher Lagerort bietet sich ein Unterverzeichnis des persönlichen Gimp-Ordners an, wie etwa /home/User/.gimp-2.2/photoshop. Legen Sie in Ihrem Plugin-Verzeichnis neue Plugins ab, während Gimp läuft, müssen Sie das Programm neu starten, damit es sie findet.

Freie Plugins finden Sie in großer Zahl bei Google. Für den Anfang bietet die Site Flamingpear auch schon eine recht große Auswahl von Demoversionen, aber auch eine Sammlung so genannter Freebies [3]. Wir haben diese Plugins ausprobiert und damit ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

GUI-Probleme

Das Plugin mit dem klangvollen Namen Melancholytron sieht auf der Website vielversprechend aus, doch leider ist es mit Gimp nicht zu benutzen: Die grafische Oberfläche flackert beim Start des Plugins kurz, zeigt einige Bedienelemente, um sie anschließend alle zu verbergen. Das macht die Benutzung natürlich unmöglich – obwohl sich die Regler im "Blindflug" tatsächlich verschieben lassen.

Besser sah es bei praktisch allen anderen getesteten Plugins aus. Wenn auch andere GUIs beim Aufbau flackerten, zeigten sie danach die Oberfläche fehlerfrei. Bei der Bedienung fiel vor allem ein Bug von Dropdown-Listen auf, der beim Ausklappen beinahe zuverlässig zum Absturz des jeweiligen Plugins führte. Gimp rät zwar in solchen Fällen zum Neustart des Programms, beim Experimentieren hat sich das aber als überflüssig erwiesen. Die Flamingpear-Plugins Hue and Cry sowie Glitterato (Abbildung 1) funktionierten ansonsten problemlos, genauso wie eine ganze Reihe der Freebies. Plugins, die eine transparenten Alpha-Kanal voraussetzten, funktionierten allerdings nicht.

Abbildung 1

Abbildung 1: Das Glitterato-Plugin erzeugt Hintergründe mit Sternenhimmel und Nebel.

Ein weiterer Testkandidat war das Plugin Sinedots 2, das recht ansprechende abstrakte Grafiken erzeugt [4]. Der Anwender kann dabei wenig falsch machen und sich auf das Verändern einiger Werte beschränken. Die recht komplexe Sinedots-GUI stellte Pspi problemlos dar, nur mit der Farbauswahl haperte es. Klickt man auf das in Abbildung 2 sichtbare grüne Feld, sollte sich eine Farbauswahlbox öffnen. Das klappt nicht, weshalb man sich dazu mit einem Trick behelfen muss: Ein Klick auf die rechte Maustaste verwandelt den Cursor in eine Farbauswahl-Pipette, mit der man zumindest aus dem existierenden Sinedots-Bild eine Farbe wählen kann.

Abbildung 2

Abbildung 2: Mit Hilfe mathematischer Funktionen berechnet Sinedots 2 interessante Figuren.

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