QAIML benutzen

Um Ihren neuen Sprachroboter regelmäßig zu testen, lohnt sich die Installation eines virtuellen Gesprächspartners auf dem heimischen PC, kurz: Sie brauchen einen AIML-Interpreter. Dieses Programm legt die in AIML formulierten Sprachbrocken in Datenstrukturen im Arbeitsspeicher ab und reagiert auf Benutzereingaben mit der vordefinierten Antwort.

Unter [1] finden sich diverse Kandidaten zum Download, die jeweils einen unterschiedlichen Funktionsumfang mitbringen. Wollen Sie den Chatbot offline testen und keinen eigenen Webserver aufbauen, bietet sich Qaiml (Program Q) an, dass Sie im Web [3] oder von der Heft-CD beziehen. Es stellt eine Qt-basierte Oberfläche bereit und glänzt durch einfachen Aufbau (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Benutzeroberfläche von QAIML erlaubt eine direkte Kommunikation mit dem virtuellen Wesen.

Installation

Um das Programm aus dem Quelltext zu kompilieren, benötigen Sie daher die Entwicklerversion der Qt-Bibliothek. Unter Debian/Ubuntu heißt das entsprechende Paket libqt3-mt-dev, unter Suse und Fedora brauchen Sie qt3-devel und qt3-devel-tools. Entpacken Sie in einem Terminalfenster mit dem Befehl tar xjf QAIML1.0.tar.bz2 das Archiv. Wechseln Sie in das neu entstandene Verzeichnis mit cd QAIML1.1 und geben Sie die Befehlszeile qmake; make ein. Nach erfolgreichem Übersetzen können Sie das Programm nun durch Eingabe von ./QAIML & starten.

Im Dialogfeld, das nach dem Programmstart erscheint, wählen Sie english aus. Der Name entspricht dem Verzeichnisnamen des Unterverzeichnisses im Programmordner aiml_sets. Die Software lädt die darin liegenden AIML-Dateien in den Speicher, was einige Zeit benötigt (siehe Abbildung 3). Anschließend wartet der Bot auf Ihre Eingaben.

Abbildung 3: Das Generieren der internen Wissensdatenbank aus dem AIML-Code nimmt etwas Zeit in Anspruch.

Das Archiv von Qaiml enthält die Sets arabic, charlix sowie english. Um nun einen anderen Chatbot auszuprobieren, wechseln Sie in das Verzeichnis aiml_sets und erstellen Sie einen neuen Ordner. Dorthinein kopieren Sie nun alle neuen AIML-Dateien. Beim Neustart des Programms steht der neue Bot bereit. Sie finden entsprechende Sets auf der Heft-CD im gleichen Ordner als Zip-Datei.

Voreinstellungen

In den üblichen AIML-Sets sind nicht alle Eigenschaften und Vorlieben eines Bots fest kodiert. Vielmehr kommen hier sogenannte Bot-Predicates zum Einsatz. Ein solches Predicate arbeitet im Prinzip wie eine Variable beim Programmieren: Der Betreiber des Chatbots legt in dieser im Voraus einen Wert fest, und der Interpreter fragt ihn zur Laufzeit ab. Auf diese Weise dienen dieselben AIML-Dateien als Grundlage für mehrere Bots mit jeweils unterschiedlichen Persönlichkeiten.

Der Bot reagiert auf eine Frage wie "Was ist dein Lieblingsbetriebssystem?" also nicht etwa, indem er auf gut Glück "GNU/Linux" erwidert, sondern er fragt der Inhalt des entsprechenden Bot-Predicates ab und liefert die Zeichenkette an den Gesprächspartner aus. Mit "GNU/Linux" bedient er einen Pinguinliebhaber, genauso gut dürfte das Prodicate jedoch auch "FreeBSD" oder "OpenSolaris" enthalten.

Das Festlegen der Predicates handhaben die Interpreter unterschiedlich. Bei QAIML kommt die Datei bot.xml im Hauptverzeichnis des Programms zum Einsatz. Sie enthält – in AIML kodiert – eine Liste aller zu benutzenden Bot-Predicates mit entsprechenden Werten. Indem Sie diese Datei in einem Texteditor bearbeiten, verändern Sie die Voreinstellungen des Bots. Die einzelnen Einträge haben dabei folgenden Aufbau:

<set name="<i class="replaceable">Bot-Predicate-Name">Bot-Predicate-Wert</set>

Beispielsweise existiert in dieser Datei eine Zeile, die den Namen des Erschaffers und Betreibers des Chatbots festlegt. Tragen Sie hier Ihren Namen ein, weiß der Bot für die Zukunft, wem er seine Existenz zu verdanken hat:

<set name="master">Tuxedo T. Penguin</set>

Neben den Bot-Predicates bietet AIML die Möglichkeit, bestimmte Werte (wie zum Beispiel den Namen des Gesprächspartners, das aktuelle Thema, die im Gespräch vom Benutzer vermittelte Grundstimmung) zur Laufzeit zwischenzuspeichern. Damit diese Werte auch nach einem Neustart des Interpreters noch vorhanden sind, speichert Qaiml diese in der Datei vars.xml. Diese Datei folgt beim Format den Konventionen, die in bot.xml zum Einsatz kamen.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 10/2016: Kryptographie

Digitale Ausgabe: Preis € 0,00
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

zweites Bildschirm auf gleichem PC einrichten
H A, 30.09.2016 19:16, 0 Antworten
Hallo, ich habe Probleme mein zweites Bildschirm einzurichten.(Auf Debian Jessie mit Gnome) Ich...
Probleme mit MPC/MPD
Matthias Göhlen, 27.09.2016 13:39, 2 Antworten
Habe gerade mein erstes Raspi Projekt angefangen, typisches Einsteigerding: Vom Raspi 3B zum Radi...
Soundkarte wird erkannt, aber kein Ton
H A, 25.09.2016 01:37, 6 Antworten
Hallo, Ich weiß, dass es zu diesem Thema sehr oft Fragen gestellt wurden. Aber da ich ein Linu...
Scannen nur schwarz-weiß möglich
Werner Hahn, 20.09.2016 13:21, 2 Antworten
Canon Pixma MG5450S, Dell Latitude E6510, Betriebssyteme Ubuntu 16.04 und Windows 7. Der Canon-D...
Meteorit NB-7 startet nicht
Thomas Helbig, 13.09.2016 02:03, 4 Antworten
Verehrte Community Ich habe vor Kurzem einen Netbook-Oldie geschenkt bekommen. Beim Start ersch...