"Computer, bitte melden!"

Mit der Artificial Intelligence Markup Language dem Computer das Sprechen beibringen

01.09.2006
Mit Hilfe der Beschreibungssprache AIML lernen sogenannte Chatbots, in menschlicher Sprache zu kommunizieren. Interpreter für diese Sprache existieren auch für Linux zuhauf.

So mancher Science-Fiction-Fan mag sich an das Szenario erinnern, das Stanley Kubrick in beklemmender Weise in seinem berühmten Werk "2001 – Odyssey im Weltraum" von 1969 darbot: Ein nahezu allmächtiger Computer, der die menschliche Sprache beherrscht, leitet eine Expedition in den Weltraum. Die Astronauten spielen mit dem Superhirn Schach, reden mit ihm über Gott und die Welt und überlassen alle administrativen Vorgänge in dem Raumschiff seinem allumfassenden Intellekt.

Mehr als drei Jahrzehnte später fällt die Realität im Gegensatz zu dieser optimistischen Vision eher bescheiden aus: Eine Maschine, die einem jeden Wunsch von den Augen abliest, bleibt für die geplagten Anwender bunter graphischer Oberflächen lediglich ein Wunschtraum. Das Verarbeiten von natürlicher Sprache durch Computerprogramme ist aber bereits seit den fünfziger Jahren ein Gebiet intensiver Forschung in der Informatik.

Verblüffende Ergebnisse erzielt dabei unter anderem das Projekt Alice [1]. Hinter diesem Acronym, das für Artificial Linguistic Internet Computer Entity steht, verbirgt sich ein vom amerikanischen Wissenschaftler Dr. Richard Wallace entwickelter Chatbot, der nach einem einfachen Modell arbeitet: Der Benutzer gibt einen Satz ein, das Programm geht ihn Wort für Wort durch und hangelt sich bei Suche nach dessen Sinn durch eine interne, netzartig aufgebaute Datenbank (siehe Abbildung 1). Trifft das Program auf ein Eintrag, der alle Wörter der Eingabe in der richtigen Reihenfolge enthält, so gibt es die entsprechende vordefinierte Antwort aus.

Abbildung 1: Knoten und Pfade in einer AIML-Datenbank.

Hallo Alice

Die Idee von Alice begann Mitte der neunziger Jahre und nahm über zehn Jahre in Anspruch. Das ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass das Gehirn dieses Programms aus über 40 000 sogenannter Patterns besteht, die jeweils eine oder auch mehrere mögliche Benutzereingaben abdecken. Beim alljährlich stattfindenen Loebner Prize Contest [6], bei dem eine Jury das Programm sucht, das sich einem Menschen am ähnlichsten verhält, stellte Alice seine Fähigkeiten schon mehrfach unter Beweis.

Surfen Sie mit ihrem Webbrowser auf die Alice-Homepage [1], klicken Sie auf den Link Chat With Alice und probieren Sie es einfach mal aus: Ihre auf englisch formulierte Eingabe erwidert Alice mit einer mal mehr, mal weniger sinnvollen Antwort. Alice ist durchaus in der Lage, sich Dinge wie Ihren Namen zu merken und kontextbezogene Antworten zu geben.

Beschreibungssprache

Ihren Charakter und ihr Wissen holen die Chatbots aus einer Datenbank in der XML-konformen Sprache namens AIML (Artificial Intelligence Markup Language). Die Struktur der Sprache erschließt sich ganz einfach. So erschaffen Sie Ihre eigenen virtuellen Persönlichkeiten von Grund auf neu (siehe Kasten "AIML-Grundlagen in Kürze"). Das Programmieren selber nimmt aber aus naheliegenden Gründen sehr viel Zeit in Anspruch.

Da die viele AIML-Dateien aber unter der freien GPL stehen, dürfen Sie diese problemlos als Grundlage für einen eigenen Chatbot hernehmen. Laden Sie sich dazu einfach unter [2] oder von der Heft-CD den entsprechenden AIML-Satz herunter, und bearbeiten Sie die Dateien mit einem Texteditor ihrer Wahl oder auch mit einem speziellem XML-Editor.

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