Gnome-News

Gnome-News

01.09.2006

Teststart bei Edgy Eft

Unter dem Codenamen "Knot 1" haben die Ubuntu-Entwickler eine frühe Testversion der kommenden Release Edgy Eft (Ubuntu 6.10) herausgebracht. Weitere Kandidaten sollen bis zur für Oktober geplanten finalen Veröffentlichung folgen.

Als wichtigste Änderung gegenüber Ubuntu 6.06 pflegen die Entwickler alle Änderungen aus der Debian-Basis ein. Edgy Eft sowie die Ableger Kubuntu und Edubuntu verwenden Kernel 2.6.17. Bei Ubuntu kommt Gnome in Version 2.15.4 und GTK+ 2.10 zum Einsatz. Die Ankündigung (https://lists.ubuntu.com/archives/ubuntu-devel-announce/2006-July/000164.html) nennt Mirror-Links für den Download von Ubuntu, Kubuntu und Edubuntu.

In der Kubuntu-Spielart von "Knot 1" dient KDE 3.5.3 als Oberfläche. Hinzu kommen neue Versionen vieler Anwendungen, wie etwa K3b 0.12.16 und Amarok 1.4.1. Eine ausführlich Liste findet sich unter https://wiki.kubuntu.org/Testing/Kubuntu/Edgy/Knot1.

Wer "Knot 1" installiert, sollte sich an der Fehlersuche beteiligen und nicht auf ein stabiles Release hoffen – auch wenn die Ankündigung verspricht, dass keine groben Showstopper zu erwarten sind. Für Fehlermeldungen von Testern gibt es eine eigene Webseite (https://launchpad.net/distros/ubuntu/+bugs).

Editoren-Nachwuchs

Bei Medit (http://mooedit.sourceforge.net) handelt es sich um einen Texteditor, der sich auf das Bearbeiten von Quellcode spezialisiert. Das Programm begann als eingebauter Editor von GGAP, einem GTK-basierten Algebra-System. Der Entwickler Yevgen Muntyan erweiterte die Funktionalität, sodass Medit in der aktuellen Version 0.6.99 ein vielversprechendes Programm mit Schnittstellen für in Python und C geschriebene Plugins darstellt. Allerdings hat der Editor derzeit noch ein Manko: Er stellt noch keine Druckfunktion bereit, das soll sich erst mit Version 0.7 ändern.

Die anderen Features dagegen können sich bereits sehen lassen: Das Syntax-Highlighting unterstützt sechs Skriptsprachen (darunter Python und Perl), die Markup-Sprachen XML, Latex und Texinfo, daneben die Hochsprache C sowie die wissenschaftlichen Formate GAP und Scilab. Die Dateiauswahl ermöglicht bequemes browsen im Verzeichnisbaum. Der Editor hält mehrerer Dateien geöffnet und stellt sie in einer Reihe von Reitern dar. Enthält eine Datei ungesicherte Änderungen, signalisiert Medit das durch ein Sternsymbol im Tab. Die Dialoge zum Suchen und Ersetzen unterstützen reguläre Ausdrücke, außerdem besitzt Medit ein eingebautes Terminalfenster.

Die nächste Version soll Medit nicht nur um die überfällige Druckfunktion bereichern, sondern auch um eine Projektverwaltung und Lesezeichen.

Highlighting, Tabs und eine Plugin-Schnittstelle: Medit ist in Version 0.6.99 ein vielversprechender Editor für Programmierer – nur drucken kann er noch nicht.

Ordnung im CD-Archiv

Wer viele Daten auf Backup-DVDs, Heft- und Jahres-CDs gesammelt hat, kennt das Problem: Wo steckt dieser nützliche Artikel, wo jenes hübsche Skript? Damit Sie sich nicht durch CD-Stapel kämpfen müssen, gibt es Disksearch (http://disksearch.sourceforge.net).

Das kleine Python-Programm liegt jetzt in Version 1.1.1 vor und hilft Ihnen bei der Erfassung aller Dateien auf Wechselmedien. Sie müssen lediglich einen Datenträger einlegen und mounten. Jetzt geben Sie im Menü Edit | Add Disk den Mount-Point an, versehen das Medium mit einer Bezeichnung und ordnen es einer Kategorie zuordnen. Dabei kommt Disksearch nicht nur mit CDs und DVDs zurecht, sondern auch mit Disketten, Zip-Medien, Streamer-Tapes und Speicherkarten.

Disksearch erfasst die komplette Verzeichnisstruktur und alle Dateien des Datenträgers samt deren Dateigröße. Diese Daten ordnet es dem neuen Eintrag zu. Zudem lässt sich ein Kommentar eintragen. Alle gescannten Medien speichert Disksearch in einer einzigen Textdatei im Home-Verzeichnis.

Nach dem katalogisieren der Datenträger spüren Sie mit dem Programm im Handumdrehen gewünschte Dateien in Ihrem Medienfundus auf. Dabei können Sie auch reguläre Ausdrücke als Suchmuster verwenden.

Die leistungsfähige Suchfunktion von Disksearch durchkämmt das CD- und DVD-Archiv.

Commander-Klon für Gnome

Der Dateimanager Gnome Commander (http://www.nongnu.org/gcmd/) orientiert sich am zweigeteilten Layout des Norton Commander. In der aktuellen Version 1.2.0 fallen zahlreiche neue Details auf, beispielsweise die eingebaute Befehlszeile. Außerdem verwendet Gnome Commander nun Gedit statt Emacs als Standardeditor und besitzt einen integrierten Dateibetrachter. Damit fügt sich das Programm wesentlich besser in die Gnome-Desktop-Umgebung ein.

Daneben verbesserten die Entwickler die Bedienung, indem sie Funktionen wie das Einblenden versteckter Dateien aus den Tiefen der Konfiguration in das Menü Ansicht holten. Ebenfalls neu sind der Verzeichnisvergleich und die Möglichkeit, die Anzeige horizontal statt wie bisher vertikal zu unterteilen, sowie eine Schnittstelle für Plugins. Letztere befindet sich aber noch in der Entwicklungsphase.

Das neue Symbol für SMB-Verbindungen sieht zwar vielversprechend aus, die erste Begeisterung verfliegt allerdings schnell: Gnome Commander findet zwei SMB-Server im gleichen Netzsegment nicht und stürzt schließlich ab. Der Zugriff auf FTP-Server dagegen funktioniert tadellos, doch auch die aktuelle Version unterstützt noch keine Proxy-Server.

Der Dateimanager Gnome Commander mit horizontal geteilter Ansicht von Verzeichnisinhalten.

Kurz notiert

Wer die Gnome-Konferenz Guadec in Spanien Ende Juni nicht selbst besuchen konnte, darf sie immerhin nachhören: Der LugRadio Podcast bietet unter http://www.lugradio.org/episodes/ je eine Episode zu den vier Veranstaltungstagen. Das britische LugRadio-Team berichtet über interessante Vorträge und führt Interviews mit Gnome-Experten. Jede Sendung ist rund 30 Minuten lang und in englischer Sprache.

Einen ersten Blick auf das kommende Gnome-Panel Gimmie gewährte dessen Entwickler Alex Graveley in seinem Vortrag auf der diesjährigen Guadec. Graveley orientiert sich an bestehenden Lösungen unter Mac OS oder Windows und verbessert deren Ansätze durch logisches Gruppieren von Applikationen, Dokumenten und Hardwarekomponenten. Eine Plugin-Schnittstelle soll Gimmie mit weiteren Funktionen ausstatten. Laut Graveley wird das neue Panel Bestandteil von Gnome 3.0 sein. Wer nicht solange warten möchte, kann bereits eine Testversion von http://beatnik.infogami.com/Gimmie beziehen.

Die Voice-over-IP-Lösung Ekiga (früher: Gnomemeeting) feiert in diesen Tagen ihr fünfjähriges Bestehen: Am 2. Juli 2001 erschien das erste öffentliche Release 0.9, das nur wenig später Bestandteil aller wichtigen Distributionen wurde. Dank seiner Kompatibilität zu Microsofts Netmeeting gewann Ekiga schnell an Popularität. Im Dezember 2004 implementierten die Entwickler eine SIP-Unterstützung, sodass das Programm heute die beiden populärsten VoIP-Standards beherrscht.

Nach einjähriger Entwicklungsphase ist das Toolkit GTK+, auf dem Gimp und Gnome basieren, in Version 2.10 erschienen. Zu den Neuerungen zählen unter anderem eine verbesserte Druckunterstützung und das Verwalten zuletzt benutzter Dateien in einer Liste, was den erneuten Zugriff beschleunigt. Darüber hinaus kommunizieren der Dateiauswahldialog und das Dateisystem jetzt asynchron – so bescheren laufende Dateioperationen dem Anwender keine unnötigen Wartezeiten. GTK+ 2.10 soll in der kommenden Gnome-Version 2.16 zum Einsatz kommen.

Der Aufruf der Gnome-Stiftung an Entwicklerinnen im Rahmen des Women's Summer Outreach Program (http://www.gnome.org/projects/wsop/) war erfolgreich: Statt der ursprünglich geplanten drei fördert Gnome nun sechs Projekte mit ausschließlich weiblichen Entwicklern. Die Projektpalette reicht von der Optimierung des Mailclient Evolution bis zum Mozilla-Plugin für den PDF-Betrachter Evince. Die Entwicklerinnen müssen ihre Projekte bis zum ersten September beenden, wobei die Gnome-Stiftung sie nicht nur mit Rat und Tat, sondern auch mit einem Stipendium von 3 000 Dollar unterstützt.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare