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Experimentelle DVB-Treiber einbinden

01.09.2006 Digitale Fernsehkarten sind oft nur für wenige Wochen im Handel, bevor sie von einem etwas modifizierten Nachfolger ersetzt werden. Wer der Entwicklung folgen oder die neuesten Modelle in Betrieb nehmen will, kommt um experimentelle DVB-Treiber nicht herum.

Die Digitalisierung des Fernsehens schreitet nicht nur über die Antenne voran, selbst im Kabel und über Satellit werden viele Sender nur noch digital ausgestrahlt. Für den Empfang braucht man daher eine digitale Fernsehkarte nach dem DVB-Standard (Digital Video Broadcasting). Durch die Schnelllebigkeit der Produkte befindet sich die Treiberentwicklung in ständigem Fluss, schon geringfügige Modifikationen der Empfangskarten – wie der Austausch eines Tuners – erfordern Anpassungen im Treiber.

Der Kernel kann mit den DVB-Treiberentwicklern kaum mehr Schritt halten. Wer brandaktuelle Hardware einsetzen möchte, kommt daher an den experimentellen Treibern [1] nicht vorbei. Die Entwickler benutzen an Stelle von CVS oder Subversion das Verwaltungssystem Mercurial, abgekürzt Hg. Da nur die neuesten Distributionen die entsprechenden Mercurial-Tools mitbringen, gelangt man am einfachsten an einen Treiber, indem man einen aktuellen Snapshot über das Web-Frontend von [2] herunterlädt.

Nicht experimentell genug

Im Fall der Satelliten-Empfangskarte Technotrend DVB-S1401 Budget (Abbildung 1) genügten die Snapshots des v4l-dvb-Repositories nicht: Der passende Treiber von Andrew de Quincy war bei Redaktionsschluss in dem separaten Repository v4l-dvb-tt-s-1401 untergebracht. Es dürfte jedoch nur wenige Tage oder Wochen dauern, bis der Treiber in das Hauptrepository übernommen wird.

Abbildung 1: Die Satelliten-Empfangskarte Technotrend DVB-S1401 Budget verwendet einen gänzlich anderen Tuner als ihr Vorgänger DVB-S1400. Das Kernel-Modul für die neue Karte ist selbst für das Hauptrepository der DVB-Treiber zu neu und muss separat übersetzt werden.

Zum Übersetzen der Treiber benötigt man die Kernel-Quellen. Wir verwendeten die bei Redaktionsschluss aktuelle Version 2.6.17.7 für den Test. Dabei muss in der Rubrik Device Drivers unter Multimedia devices die Optionen Video For Linux aktiv sein, am besten sollten man zudem im Untermenü Digital Video Broadcasting Devices sämtliche Treiber als Module erstellen.

Ist der Kernel nebst Modulen übersetzt und gestartet, geht es an die neuen DVB-Treiber. Das Haupt-Repository v4l-dvb überschreibt einige Treiber des Kernels und muss daher nach dem Kernel übersetzt werden. Anschließend folgen Spezialtreiber, wie der für die Technotrend DVB-S1401. Wer diese Reihenfolge ändert, riskiert, dass ein älterer Treiber einen neuen überschreibt.

Manuelle Anpassungen

Direkt aus dem Repository ließen sich die Quellen vom 26.07.2006 nicht übersetzen: Die Quelldatei linux/drivers/media/radio/radio-sf16fmr2.c war fehlerhaft und musste deshalb deaktiviert werden. Das geht sehr einfach, indem man die Datei löscht oder mit der Endung .no versieht. Damit wird der Treiber nicht mehr übersetzt, steht also auch nicht zur Verfügung – im Fall der Technotrend DVB-S1401 spielt das jedoch keine Rolle.

Eine zweite Anpassung betraf die experimentellen Treiber von Andrew de Quincy. In der Version vom 26.07.2006 waren die Debugging-Ausgabe in den Modulen tda10086, tda80xx und zoran_card aktiviert. Das führt aufgrund der gewaltigen Menge an Debug-Ausgaben auf langsameren Rechnern zu Geschwindigkeitsproblemen. Das Problem lässt sich lösen, indem man in den betroffenen Modulen die Variable debug auf 0 setzt:

static int debug = 0;

Die ständig wachsenden Treibervielfalt führt zu Problemen dabei, die jeweils passenden Module zu laden, etwa bevor das Programm VDR startet, und nach dessen Terminierung wieder zu entladen. Üblicherweise erledigt man das heute per make insmod, mit /etc/init.d/dvb start oder auch über /etc/init.d/runvdr start und lädt dabei ohne Rücksicht auf die tatsächliche Rechnerausstattung einen ganzen Stapel an Treibern. Der Nachteil dieser Methode: Die Treiberliste muss von Hand gepflegt werden, oft umfasst sie die experimentellen nicht. Zudem benötigt jedes Kernel-Modul eine gewisse Zeit, bis es initialisiert – selbst wenn die passende Hardware gar nicht vorhanden ist. Das zieht den Systemstart unnötig in die Länge.

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Infos zum Autor

Mirko Dölle

Redakteur für Linux bei c't, Heise Zeitschriften Verlag; ehemals Competence Center Hardware/Linux-Magazin, Linux New Media AG


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LinuxUser 03/2012

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