Die freie Distribution Freespire

Lauer Aufguss

Linspire preist seine kostenlose Distribution Freespire an, als sei sie mindestens so gut wie das kommerzielle Produkt Linspire. Realität oder Marketinggag?

Bis die erste Version Version von Linspire von der gleichnamigen Firma [1] im Regal stand, musste diese einige Hürden umschiffen: Neben der Tatsache, dass Microsoft der ursprüngliche Name "Lindows" nicht passte, musste man auch noch feststellen, dass die angestrebte optische Gleichheit mit Windows praktisch nicht zu realisieren war. Mittlerweile gibt es Linspire bereits seit einiger Zeit; Kerneigenschaften, die die Distribution für sich in Anspruch nimmt, sind eine einfache Installation und gute Bedienbarkeit für Anfänger. Treiber wie ATIs oder Nvidiass Grafikkartentreiber und viele andere kommerzielle Software liefert Linspire mit der Distribution aus. So müssen Linspire-Benutzer nicht mühsam nach Video- oder Audio-Codecs suchen, wenn sie Filme schauen möchten – alle wichtigen kommerziellen Codecs liegen bei.

Nicht zuletzt ist ein wichtiger Bestandteil von Linspire das so genannte Click'n'Run Warehouse (CNR). Über ein Frontend laden und installieren Kunden mit CNR sehr leicht Tools und Programme aus dem Internet oder entfernen diese wieder vom System. Das setzt allerdings eine zunächst kostenfreie Anmeldung bei CNR voraus. Wird der Kunde für rund 50 Dollar zum "Gold"-Mitglied, stehen ihm zusätzliche Software-Downloads zur Verfügung.

Überraschung

Vor einigen Wochen überraschte Linspire mit der Ankündigung, dass man in naher Zukunft die eigene Produktreihe um eine Community-Variante mit Namen "Freespire" erweitern wolle. Sie soll laut Pressemitteilung eine von der Open-Source-Gemeinde entwickelte Distribution sein, die ausschließlich freie Software einsetzt und auf kommerzielle Bestandteile verzichtet. Sofort fühlt man sich an Suse oder RedHat erinnert, die die Entwicklung ihrer Systeme ebenfalls zum großen Teil an die FOSS-Szene abgegeben haben und am Ende nur noch die einzelnen Bestandteile passend zusammenfügen. Als Basis für Freespire dient Debian GNU/Linux. Mit Versprechen geizt Linspire indes nicht: Freespire, so erfährt man auf der Projektseite [2], sei "stark genug für anspruchsvolle Benutzer".

Natürlich stellt sich angesichts dieser Versprechung die Frage, was mit Freespire wirklich erreichen will. Schließlich schafft Linspire mit Freespire der eigenen Distribution eine handfeste Konkurrenz, die sich äußerlich von Linspire praktisch nicht unterscheidet und kostenlos aus dem Internet geladen werden kann. Linspire selbst gibt es als Standard-Edition für 49,95 US-Dollar.

Was hat Freespire wirklich zu bieten? Soll es am Ende nur helfen, das "CNS Warehouse", Linspires Software-Kaufhaus, zu etablieren? Wir fühlen der Beta 2 von Freespire auf den Zahn.

Die Installation

Freespire gibt es als CD-Image vom Freespire-Server [3] oder über BitTorrent. Die CD ist knapp 700 Megabyte groß – wer einen DSL-Anschluss hat, lädt sich die Datei also innerhalb kürzester Zeit auf den Rechner und bannt sie auf CD.

Im Startmenü der CD wählt man zwischen verschiedenen Optionen aus. Neben der eigentlichen Installation lässt sich hier auch ein Livesystem starten, mit dessen Hilfe Neulinge Freespire erkunden. Wer die Partitionierung der Festplatte ändern möchte, findet in der Liste unter Punkt 3 das passende Programm.

Die Installationsroute zeigt sich aufgeräumt, jedoch nur in englischer Sprache. Wer kein englisch spricht, muss sich entweder durchhangeln oder scheitert bereits an dieser Stelle.

Stringent führt der Installer den Benutzer durch die Systemeinrichtung. Nach dem Willkommensbildschirm entscheidet man über das Tastaturlayout und über die Festplattenpartitionierung (Abbildung 1). Hier gesteht man Freespire entweder die komplette Platte zu, oder startet ein übersichtliches Programm zum Partitionieren der Festplatte. Das verabschiedete sich im Test bisweilen allerdings unverhofft und riss dabei den gesamten Installer mit in den Abgrund, so dass die Arbeit von vorne losging.

Abbildung 1: Bei der Installation von Freespire lässt sich die Einteilung der Festplatte auch von Anfängern problemlos bewältigen.

Nach dem Einrichten der Platte gibt man noch den Netzwerknamen des Computers sowie den eigenen Namen, den gewünschten Benutzernamen sowie das zugehörige Passwort ein. Im nächsten Dialog setzt ein Klick auf Finish und Yes I'm sure die Installation in Gang.

Nach dem Kopieren der Dateien auf die Platte (während des Vorgangs wird übrigens im "Infofenster" fleißig die Werbetrommel für das CNS-Warehouse gerührt) erfragt das Setup noch einige Werte zur Konfiguration des Systems. In aller Regel kann man hier die Vorgaben direkt übernehmen.

Am Ende bietet die Routine dem Benutzer in einem Übersichtsfenster zwar die Möglichkeit, einen zusätzlichen Benutzeraccount anzulegen; einen Zwang, zusätzlich zum Computer-Administrator noch einen weiteren Benutzer ohne Administratorenrechte anzulegen, gibt es allerdings nicht. Der zuvor angelegte Benutzer ist damit auch der einzige, so dass man im Grunde permanent mit den Rechten von root unterwegs ist (wenn auch über den Umweg mit sudo). Das kann gefährlich werden, besonders, wenn man im Internet surft – hier verdient Freespire Rüffel.

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