Es ist ein Albtraum: Nach der Installation des Grafikkarten-Treibers und einem anschließenden Neustart des Systems erscheint statt der grafischen Anmeldung nur der blinkende Cursor des Textterminals. Was nun, fragen Sie sich? Natürlich ist das Internet eine Fundgrube voller Hinweise, wie Sie Ihrem X-Server wieder auf die Beine helfen. Allein, wie gelangen Sie ohne grafische Oberfläche an die gewünschten Daten?
Einwahl auf Befehl
Die erste Hürde, die auf viele Einsteiger in solcher Situation wartet, liegt in der Einwahl ins Internet. Unter KDE genügt dazu ein Klick auf das Icon von KInternet in der Taskleiste. In der Textkonsole steht für diese Aufgabe beispielsweise das Frontend Cinternet aus dem Smpppd-Paket parat. Sehen wir uns dieses Tool einmal genauer an.
Um mit Cinternet erfolgreich eine Verbindung zum Internet herzustellen, überprüfen Sie zuerst, mit welchem Interface Sie sich einwählen. Das Kommando cinternet -I listet alle Schnittstellen auf. Nehmen wir an, Sie besitzen ein DSL-Modem, dann sieht die Ausgabe des Befehls etwa so aus:
[user]~> cinternet -I 01 i dsl0
Mit diesem Wissen gelingt Ihnen bereits die Einwahl – vorausgesetzt Sie haben Ihre Verbindungsdaten zuvor mit einem Werkzeug wie Yast konfiguriert, um Kinternet zu benutzen. Geben Sie dazu das Kommando cinternet -i dsl0 -A am Prompt ein.
Die Option -i im obigen Kommando definiert die Schnittstelle dsl0, und das -A startet die Verbindung über das Interface. Um sich dessen zu vergewissern, rufen Sie das Frontend mit dem Parameter -s (für Status) auf:
[user]~> cinternet -i dsl0 -s status: connected
Wie Sie an der Ausgabe sehen, steht die Verbindung. Möchten Sie sie trennen, setzen Sie die Option -O ein. Diesen Vorgang kontollieren Sie ebenfalls mit -s:
[user]~> cinternet -i dsl0 -O [user]~> cinternet -i dsl0 -s status: disconnected
Die erste Hürde wäre damit genommen. Als nächstes brauchen Sie einen Browser, um via Textterminal im weltweiten Netzwerk zu stöbern. Dabei brauchen Sie nicht auf den gewohnten Komfort einer Maus verzichten. Aktivieren Sie einfach das Programm Gpm. Wie das geht, zeigt der Kasten "Gpm aktivieren".
Gpm aktivieren
Auch auf der Kommandozeile brauchen Sie auf die Mausunterstützung nicht zu verzichten. Hier hilft Gpm weiter: Das Akronym steht für ein Programm mit dem Namen General Purpose Mouse (dt.: Mehrzweckmaus). Mittlerweile richten fast alle Distributionen Gpm bei der Installation ein und starten es während des Bootens im Hintergrund. Ohne Gpm laufen manche Programme – so etwa der Browser Links – gar nicht im Framebuffer der Konsole.
Ob Gpm bereits läuft, stellen Sie fest, wenn Sie die Maus bewegen. Ist das Tool eingeschaltet, dirigieren Sie einen zum Cursor geformten Mauspfeil über den Monitor. Mit der gedrückten linken Maustaste markieren Sie wie gewohnt Textstellen, während ein Klick auf die mittlere Taste den ausgewählten Abschnitt hinter dem Cursor des Terminals einfügt.
Sollte sich beim Bewegen Ihrer Maus nichts auf dem Bildschirm regen, dann verzweifeln Sie nicht. Sie starten Gpm bequem mit einigen Optionen in der Kommandozeile, ohne eine Konfigurationsdatei zu editieren. Zu diesem Zwecke wechseln Sie mit dem Kommando su vorläufig in den Status des Systemverwalters root, denn nur er darf das Programm initiieren. Als nächstes starten Sie Gpm unter Angabe zweier Optionen mit den Befehl:
gpm -m /dev/psaux -t ps2
Der Parameter -t (für Typ) verrät Gpm den verwendeten Maustyp. In unserem Beispiel handelt es sich um eine PS2-Maus. Die Option -m (für Mouse File) teilt dem Programm mit, an welcher Schnittstelle die Maus hängt. Im Beispiel kommt das Device /dev/psaux zum Einsatz. Sollten Sie nicht wissen, an welcher Schnittstelle sich die Maus befindet, testet das Erkennungstool Maus-test die entsprechenden Devices und erstattet Meldung [4].
Nach dem Start des Programms wechseln Sie mit exit zurück in Ihren normalen Benutzer-Account. Gpm läuft trotz dieses Wechsels weiter. Falls Sie irgendwann genug von der Mausschubserei haben, geben Sie als root den Befehl gpm -k ein, um die Software zu beenden. Näheres zur General Purpose Mouse erfahren Sie in deren Manpage mit dem Kommando man gpm.
Der Spartaner
Oldies but Goldies, lautet eine Volksweisheit. Selten trifft sie so genau zu, wie beim Urgestein aller Browser: Lynx [1], dem Luchs. Auf den ersten Blick macht er nicht viel her. So listet das Programm die einzelnen Frames einer Website bloß auf, anstatt sie anzuzeigen, oder bietet Ihnen eine eher gewöhnungsbedürftige Ansicht von Tabellen (Abbildung 1). Auch auf den Umgang mit CSS oder Javascript verzichtet der Browser. Sein großer Vorteil liegt darin, dass es ihn auf fast jedem System gibt.
Sie starten Lynx durch einen Aufruf mit dem gewünschten URL, den Sie besuchen möchten: Also zum Beispiel lynx http://www.google.de, um zur bekannten Suchmaschine zu gelangen. Ohne eine Internetadresse startet der Browser – abhängig von den Voreinstellungen des Distributors – meist mit den Hilfeseiten, die seine Bedienung erläutern.
Ebenfalls am Distributor liegt es, ob Lynx auf die Maus in der Konsole reagiert oder nicht. Leider erlauben ihm nicht alle Linux-Anbieter diese Fähigkeit, deshalb beschränkt sich dieser Artikel auf das Steuern des Lynx mit der Tastatur.
Wenn Sie vorhaben, öfter mit dem Browser zu arbeiten, liegt es nahe, ihn an Ihre Bedürfnisse anzupassen. Der Druck auf [O] öffnet den Dialog für die Einstellungen. In diesem gelangen Sie über [Pfeil oben] und [Pfeil unten] zu den einzelnen Optionen, wie der Angabe des Zeichensatzes oder den Regeln zum Umgang mit Cookies. [Pfeil rechts] oder die Eingabetaste öffnen jeweils ein Menü, in dem Sie wiederum mit den [Pfeil oben] und [Pfeil unten] die möglichen Einstellungen ansteuern und mit [Eingabe] auswählen.
Sie speichern die neue Konfiguration, indem Sie den Link Änderungen akzeptieren anwählen. Über [Pfeil links] verlassen Sie das Konfigurationsmenü und gelangen wieder zurück auf die zuletzt besuchte Seite.
Die wichtigsten Tastenkürzel zum Bedienen des Textbrowsers finden Sie in der Tabelle "Wichtige Tastaturkommandos". Wie Sie dort sehen, decken sich die Shortcuts der Textbrowser in ihren Grundzügen.
Wichtige Tastaturkommandos
| Aktion | Lynx/Links2/Elinks | W3m |
|---|---|---|
| Vorwärts durch die Links springen | [Pfeil oben] | [Tabulator] |
| Rückwärts durch die Links springen | [Pfeil unten] | [Esc],[Umschalt]+[Tabulator] |
| Link öffnen | [Pfeil rechts],[Eingabe] | [Strg]+[M],[Strg]+[J] |
| History rückwärts | [Pfeil links],[Rück] | [Strg]+[H] |
| Browser beenden | [Q] | [Q] |
| URL öffnen | [G] | [Umschalt]+[U] |
| Suche im Dokument | [/] | [/] |
| Dokumentenseite vorwärts | [Bild auf] | [Bild auf] |
| Dokumentenseite rückwärts | [Bild ab] | [Bild ab] |
| Nach unten scrollen | [Strg]+[N] | [Pfeil oben] |
| Nach oben scrollen | [Strg]+[P] | [Pfeil unten] |
| Tastenbelegung | [K] | [Umschalt]+[H] |
Doch was tun, wenn die Textinformation allein nicht ausreicht und durch Grafiken und Screenshots erläutert wird? Eine Antwort bietet Links2, der grafische Browser der Textkonsole.



