Choice matters

Vector Linux

01.08.2006
Die Auswahl zählt – nicht nur bei der Wahl des Desktopumgebung sondern auch bei den Programmen. Vector Linux bietet einen gesunden Kompromiss zwischen Funktionalität und Ressourcenschonung.

Das Credo der Entwickler von Vector Linux (http://www.vectorlinux.com) lautet: "When Choice matters" – der Anwender entscheidet, was er möchte. Damit auch Besitzer älterer Rechner das können, verzichteten die Entwickler in der vorliegenden Version auf Ressourcenfresser wie die grafische Arbeitsumgebung KDE und setzen stattdessen auf schlankere Windowmanager wie Xfce 4 (Abbildung 1) oder Icewm. Wer eine schnellere Maschine sein eigen nennt, dem steht es aber frei, KDE mit wenigen Mausklicks über das Online-Repository nachzuinstallieren. Die empfohlene Mindestausstattung des Rechner sollte wie folgt aussehen:

  • CPU: Pentium III oder vergleichbarer AMD-Prozessor
  • Festplatte: 3 GByte (KDE: 4 GByte)
  • Speicher: 128 MByte (KDE: 256 MByte)
  • Video-Karte: Auflösung 1024 x 768, 24 Bit Farbtiefe
Abbildung 1: Damit Vector Linux auch auf älteren Rechnern rund läuft, entschieden sich Entwickler für alternative Window-Manager wie Xfce.

Für Heim- und Büroanwender bringt das auf Kernel 2.6.15.3 aufbauende Betriebssystem eine Fülle an nützlichen Programmen mit. Neben der kompletten OpenOffice-Suite 2.0 enthält die Distribution zur Kommunikation über das Netzwerk diverse Programm wie Firefox 1.5, den E-Mail-Client Sylpheed Claws sowie Instant-Messenger und FTP-Programme. Auch multimedial interessierten Zeitgenossen bietet Vector Linux die richtigen Programme – wie Juk, Xmms, Xine und Mplayer – zum Abspielen von Filmen und Musikstücken. Möchten Sie Ihre Bilder betrachten, bearbeiten oder neue erstellen, greifen Sie zu Gimp, Gwenview oder Kolourpaint. Wem das Repertoire an vorhanden Programmen nicht ausreicht, der installiert über die integrierten Paketmanager Gslapt und Vlapt (siehe Kasten "Paketmanager") zusatzliche Anwendungen.

Paketmanager

Analog zu anderen Distributionen wie Ubuntu oder Suse Linux bringt auch Vector Linux seine eigenen Paketverwaltungsprogramme mit. Da das System es nicht ermöglicht, benutzerspezifische Anpassungen des Live-Systems zu sichern, ist das Einrichten zusätzlicher Software nur bei installierten Systemen sinnvoll. Die Programme Gsplat und Vlapt (Abbildung 5) bieten eine grafische Oberfläche für die Slackware-Paketverwaltung slapt-get, die ähnlich wie Debians apt-get arbeitet und Abhängigkeiten automatisch auflöst. Benutzer, die im Umgang mit dem Kommandozeilentool vertraut sind, können dieses auch direkt ohne den grafischen Umweg verwenden.

Abbildung 5: Die Tools Gslapt (links) und Vlapt (recht) dienen als grafische Oberfläche für die Slackware-Paketverwaltung slapt-get.

Zwar bringen beide Programme ähnliche und teils redundante Funktionen mit, jedoch eignen sie sich nicht gleichermaßen gut für alle Aufgaben. Während Vlapt die Konfiguration der Paketverwaltung erleichtert, (de)installieren Sie einzelne Pakete besser mit Gsplat.

Vlapt

Vor der Installation neuer Pakete oder dem Update des Systems gilt es, über den Menüpunkt UPDATE die lokale Paketliste mit dem Repository zu synchronisieren. Möchten Sie neben den offiziellen auch andere einbinden, finden Sie unter CONFIG | VECTOR und SLACKWARE eine umfangreiche Liste an Mirrors.

Um das System auf den neuesten Stand zu bringen, Klicken Sie auf den Menüpunkt UPGRADE. Beachten Sie, dass das Einspielen aller zu aktualisierenden Pakete etwa 800 MByte zusätzlichen Speicherplatz auf der Festplatte benötigt. Dabei lädt das Programm etwa 300 MByte vom Repository herunter. Das Update dauert, unabhängig von der Dauer der Downloads, etwa 35 bis 40 Minuten.

Möchten Sie Pakete Installieren, ohne die Abhängigkeiten zu berücksichtigen, wählen Sie den Menüpunkt NODEP.

Gslapt

Dieser Paketmanager listet im Hauptfenster alle verfügbaren und installierten Pakete auf. Letztere erkennen Sie an der blauen Checkbox vor dem Programmnamen. Ein Klick auf das gewünschte Programm zeigt im unteren Teil Zusatzinformationen an, wie etwa Abhängigkeiten, Dateigröße, Programmbeschreibung und Version. Ein Klick in die Checkbox öffnet das Kontextmenü, aus dem Sie die gewünschte Aktion (Upgrade, Installation, etc.) auswählen. Zur Installation klicken Sie abschließend auf den Button Execute in der Symbolleiste.

Drum prüfe….

Anders als etwa Knoppix sieht sich die Desktop-Distribution Vector Linux nicht als reines Live-System, sondern bietet diese Startvariante in erster Linie zu Demonstrationszwecken. Deswegen sieht das System keine Möglichkeit vor, die Konfiguration oder das Heimatverzeichnis auf der Festplatte zu speichern. Ebenso startet das Live-System ausschließlich mit US-amerikanischer Tastaturbelegung. Allerdings bietet Vector Linux auch als in diesem Modus einige durchaus hilfreiche Features, zum Beispiel Gparted 0.2.4, ein grafisches Partitionierungswerkzeug ähnlich Partition Magic.

Beim Start bietet das Auswahlmenü des Boot-Screens verschiedene Startoptionen. Wählen Sie hier die zu Ihrem Rechner passende Bildschirmauflösung. Im Normalfall wird die Voreinstellung VL_LIVE X res 1024x768 with standard vesa driver allen gängigen Systemen gerecht.

Nach dem Boot-Vorgang wählen Sie aus dem Auswahlfenster (Xwmmenu) zunächst den gewünschten Window-Manager (Abbildung 2). Zur Auswahl stehen neben Xfce noch Icewm und Fluxbox. Einträge mit der Namenserweiterung -ROX starten zusätzlich den Dateimanager Roxfiler, der unter anderem für die Darstellung der Desktop-Icons verantwortlich zeichnet.

Abbildung 2: Nach dem Booten der Live-CD wählen Sie zunächst den gewünschten Window-Manager aus.

Beim Klick auf die Desktop-Icons Home oder Computer öffnet sich der Dateimanager Roxfiler. Er wartet mit einigen gewöhnungsbedürftigen Features auf, wie einer dynamischen Anpassung der Fenstergröße. Auf der Festplatte enthaltene Partitionen erkennt die Distribution automatisch und erstellt im Verzeichnis /mnt/ der Partition entsprechende Verzeichnisse (beispielsweise hda1). Ein Klick im Dateimanager darauf mountet Ext2/3- und Reiserfs-Partitionen im Lese- und Schreibmodus, NTFS-Partitionen im Lesemodus.

Um die Live-Distribution ans Netz zu bringen, stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Gibt es einen DHCP-Server, erledigt Vector Linux die Konfiguration selbständig. Verwenden Sie eine statische IP-Adresse, richten Sie diese über das Konfigurations-Tool VASM (siehe Kasten "Vector Linux konfigurieren") ein, den Sie im Xfce Menü unter System | VASM System Configuration erreichen.

Um zum Auswahlmenü der Window-Manager zurückzukehren, wählen Sie aus dem Startmenü Xfce | Quit.

Vector Linux konfigurieren

Für Konfigurationsarbeiten enthält das Betriebssystem das eigens dafür entwickelte Tool VASM (Vector Linux Administration & System Menu, Abbildung 4). Sie erreichen es von allen Windowmanagern aus über den Punkt System oder System Administration des Startmenüs. Seine bis zu vier Ebenen tiefe Verschachtelung macht das Programm jedoch zuweilen etwas unübersichtlich. Das Programm startet zunächst im User-Mode, der den Passwortwechsel oder die Auswahl des bevorzugten Windowmanagers und ermöglicht. Der Klick auf den Menüpunkt SUPER öffnet nach Eingabe des Root-Passwortes (voreingestellt ist vector) die Systemkonfiguration.

Abbildung 4: Über das Administrations-Tool "VASM" erreichen Sie wichtige Einstellungen wie das Netzwerk-Setup oder die Starteigenschaften.

Zum Einstellen der Netzwerkumgebung klicken Sie auf den Eintrag NETWORK. Der schnellste Weg zum Einrichten führt über den ersten Menüpunkt NETCONF des neuen Fensters. Ein Klick darauf startet den Assistenten, der die relevanten Informationen sequentiell abfragt.

Im Menü SERVICE stellen Sie Starteigenschaften des Systems ein. Das beinhaltet sowohl den Runlevel als auch zu startende Dienste sowie die Hardwareinitialisierung beim Booten. Zudem starten Sie in diesem Fenster die Webfrontends des Printservers CUPS (CUPSWEB) und des Fileservers Samba (SAMBAWEB). Die Zugangsdaten lauten in der Grundeinstellung jeweils User root mit dem Passwort vector.

Wie der Name schon verrät, öffnen Sie über den Eintrag HARDWARE die Hardwarekonfiguration. Neben dem Keyboardlayout (KMAPSET, Änderungen greifen nur beim installierten System) stellen Sie hier die Zeitzone und Uhrzeit sowie Soundkarte und Maustreiber ein.

Der Punkt FILESYSTEM enthält sowohl Partitionierungs- und Formatierungswerkzeuge als auch das Setup des Bootmanagers (LILO). Möchten Sie Ihre Konfigurationsdaten sichern, klicken Sie auf den Eintrag >BACKUPSYS. Da das Backupsystem weder beim Anlegen noch beim Wiederherstellen vorsieht, eigene Pfade anzugeben, funktioniert das Restore lediglich bei der installierten Variante.

Zum Einrichten eines ADSL-Zugangs starten Sie als User root im Terminal das Skript adsl-setup. Dieses erfragt alle wichtigen Informationen und speichert diese ab. Die Verbindung bauen Sie dann mit dem Befehl adsl-start auf und mit adsl-stop wieder ab.

Ab auf die Platte

Da sich die zu installierenden Softwarepakete nicht vorab auswählen lassen, benötigt die Distribution eine mindestens 3 GByte große Partition im Ext2/3- oder Reiserfs-Format. Ist die Platte unformatiert oder möchten Sie die bestehenden Partitionen verändern, starten Sie über das Live-System zunächst den Festplattenmanager Gparted (Abbildung 3). Da der Desktopicon diesen mit User-Rechten startet, ist es dafür ungeeignet. Öffnen Sie ein Terminal und werden Sie mit su gefolgt vom Passwort vector zu Root. Starten Sie dann das Programm mit dem Aufruf gparted.

Abbildung 3: Das Partitionierungsprogramm leistet beim Einrichten der Festplatte nützliche Dienste.

Wurden neue Partitionen erstellt, empfiehlt sich ein Neustart des Live-Systems, da Vector Linux diese erst danach so im System einbindet, dass das Installationsprogramm sie findet. Dieses starten Sie mit einem Klick auf das Desktopicon Livecd-Installer. Als erstes erscheint ein Auswahlmenü mit einer Liste der erkannten Partitionen, woraus Sie die Installationspartition auswählen. Damit das Setupprogramm sie erkennt, müssen diese gemountet sein. Wichtig: Der Installer löscht vor der Installation alle auf der ausgewählten Partition enthaltenen Dateien.

Findet das Programm mehr als eine Partition, folgt als nächster Schritt die Frage nach einer anderen Partition für das Home-Verzeichnis. Stimmen Sie dem zu, erscheint erneut die Auswahlliste. Der abschließende Klick auf OK startet den Kopiervorgang. Nach dessen Abgeschluss bestimmen Sie im nächsten und letzten Fenster die Position des Bootmanagers Lilo.

Nach dem ersten Reboot startet eine Installationsroutine, in der sie als ersten Schritt noch einmal bestätigen, wo der Bootloader LILO zu installieren ist. Da das Skript im nächsten Fenster bereits installierte Betriebssysteme (auch Windows) bei der Konfiguration des Bootloaders berücksichtigt, können Sie Lilo bedenkenlos in den MBR installieren. Im Anschluß folgt die Abfrage, in welchem Modus und mit welcher Framebuffer-Auflösung Vector Linux startet. Achten Sie darauf, diese den Gegebenheiten Ihres Systems entspricht. Als praktikable Einstellung auch für ältere Rechner hat sich 1024 x 768 bei 32 Bit Farbtiefe erwiesen.

Im folgenden Fenster wählen Sie aus, welche Konfigurationsschritte Sie weiter vornehmen möchten. Aktivieren Sie auf jeden Fall den Eintrag KEYMAP, um das deutsche Tastaturlayout einzustellen. Der aktivierte Eintrag Admin ermöglicht das Ändern des Root-Passwortes und das Anlegen neuer Benutzer. Nach Abschluss der Auswahl starten Sie mit OK das Setup der aktivierten Gruppen. Um die gewählten Einstellungen zu ändern, verwenden Sie bei gebootetem System das Konfigurationswerkzeug Vasm (siehe Kasten "Vector Linux konfigurieren").

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Vector Linux 6.0 im Test
    Ressourcenschonend wie Vector Linux sein möchte, setzt es auf den relativ betagten Desktop KDE3. Das verspricht Stabilität und ein Arbeiten abseits nervtötender Effekthascherei.
  • Distribits
  • Distribits
  • So nutzen Sie die Heft-CD optimal
    Jede LinuxUser-Ausgabe bietet eine CD oder DVD mit Daten, die die Berichte im Heft ergänzen und gleichzeitig helfen, Download-Kosten zu sparen. Mit Hilfe des Datenträgers bauen Sie einfach ein eigenes Software-Archiv auf und behalten aktuelle Entwicklungen im Blick, ohne ständig nach neuen Versionen zu suchen. Zudem enthält der Datenträger immer eine bootfähige Distribution, mit der Sie Linux gefahrlos testen können.
  • Neues auf der Heft-DVD
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_10

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 4 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...
o2 surfstick software für ubuntu?
daniel soltek, 15.07.2014 18:27, 1 Antworten
hallo zusammen, habe mir einen o2 surfstick huawei bestellt und gerade festgestellt, das der nic...