Herdentrieb

Der Web-2.0-Browser Flock

01.08.2006
Wer die Nase voll hat von spezialisierten Blogging-Clients und Bildverwaltern, sollte einen Blick auf Flock werfen. Der frische Browser integriert die wichtigsten modernen Webdienste und macht so andere Tools überflüssig.

Das Web 2.0 ist in aller Munde, besser gesagt: Medien. Worum es dabei geht, ist nicht so einfach zu sagen, denn es gibt keine grundlegende technologische Revolution wie bei der Einführung des World Wide Web. Bestenfalls die Verwendung von AJAX-Diensten könnte als verbindendes technisches Element der neuen Websites gelten. Wesentliches Merkmal des Web 2.0 ist aber seine soziale Komponente. So firmieren Bookmark-Websites, Foto-Sharing und die Vernetzung von Weblogs auch unter dem Etikett "the social web".

Das wichtigste Tool, um mit solchen Websites zu arbeiten, ist der gute alte Webbrowser, gelegentlich ergänzt durch spezialisierte Anwendungen, zum Beispiel zum Bloggen. Der freie Firefox-Ableger Flock ("Herde") will die die populärsten Dienste direkt in den Browser integrieren und so Hilfsprogramme überflüssig machen [1]. Die Software, die Sie auch auf der Heft-CD finden, steckt noch in der Betaphase und liegt derzeit in Version 0.7.1 vor.

Upload-Maschine

Nach dem Start fragt Flock als erstes die Zugangsdaten zu den verschiedenen Diensten ab, die er beherrscht. Nach dem Start finden Sie diese Einstellungen unter EditAccounts and Services. In allen Anwendungsfällen kennt das Programm mehr als eine Website, die den jeweiligen Dienst anbietet. Foto-Sharing beispielsweise funktioniert nicht nur mit Flickr.com, sondern auch mit Photobucket.com. Größer ist die Auswahl bei den Blogging-Servern. Flickr beherrscht nicht nur die Protokolle der großen Weblog-Hoster wie Blogger.com, Typepad.com und Livejournal.com, sondern auch das freie Wordpress [2].

Etwas beunruhigend ist die Aufforderung, dem Bilderdienst umfassenden Zugriff auf die eigenen Daten einzuräumen. Auch weil sich das Programm hier etwas unklar ausdrückt, bleibt im Dunklen, um welche Rechte es genau geht, und es bleibt ein schlechtes Gefühl. Ohne diese Rechte funktioniert der Dienst allerdings nicht. Hier sollten die Flock-Programmierer für etwas mehr Transparenz sorgen.

Hat man seine Dienste eingestellt, lassen sich alle Funktionen recht intuitiv nutzen. Links neben dem Location-Feld liegen die Buttons für den Bilderdienst und die News-Seite. Die Hilfsprogramme zum Bloggen und zum Hochladen von Fotos finden Sie dagegen im Menü Tools. Ziehen Sie beispielsweise mit Drag & Drop ein Bild von der lokalen Festplatte ins Upload-Fenster (Abbildung 1) und drücken den Upload-Button, erscheint es wie von Zauberhand sofort auf Ihrer Foto-Site.

Abbildung 1: Flock bringt ein übersichtliches Hilfsprogramm zum Foto-Upload mit.

Viel versprechend

Kleine Mängel zeigte Flock beim Test weniger bei der Funktionalität als bei der Optik. So verschwanden im Flickr-Upload-Programm die Buttons zum Hochladen hinter dem Fensterrand. Das Vergrößern des Fensters brachte sie wieder zum Vorschein.

Abgesehen davon, funktionierte Flock mit den getesteten Diensten Blogger.com (Weblogs), Flickr.com (Foto-Sharing) und Del.icio.us (Bookmarks) gut. Gerade die Zusammenarbeit mit Flickr.com war problemlos und machte Spaß. Angesichts der Fülle an Firefox-Extensions, die zum Teil ähnliche Aufgaben erledigen, stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit für einen derart spezialisierten Browser. Die Antwort darauf kann nur die endgültige Flock-Version geben.

Verwechslungsgefahr

Haben Sie Flock gemäß der Anleitung einfach entpackt, bekommen Sie keine Schwierigkeiten. Allerdings müssen Sie das Programm dann mit Pfadangabe starten: ./flock. Rufen Sie einfach nur flock auf, werden Sie vermutlich eine Überraschung erleben. Das Kommandozeilenprogramm flock, das sich normalerweise in /usr/bin befindet, gehört zum Paket Util-Linux und kümmert sich um Datei-Locking (File Locking).

Glossar

AJAX

Asynchronous Javascript and XML, auf deutsch also "asynchrones Javascript und XML". Der Javascript-Code läuft im Browser und fordert nur die Seitenelemente an, die sich überhaupt ändern (über das Javascript-Objekt XMLHttpRequest, daher der Name). Das verkürzt den Anfrage-Antwort-Zyklus und lässt den Benutzer so viel besser mit Websites interagieren, zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen.

Infos

[1] Flock: http://www.flock.com

[2] Rolf Strathewerd, Wordpress installieren und anpassen, LinuxUser 02/02, S. 74

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