Buchtipp

01.08.2006

Shell-Skripting, klar strukturiert

Patrick Ditchen behandelt in "Shell-Skript Programmierung" nicht nur die Bash: Er widmet auch der Bourne-Shell-Familie (Sh, Ksh, Bash) und der C-Shell (inklusive ihrer Nachfolgerin Tcsh) je ein eigenes Kapitel. Dabei liefert er jeweils eine ebenso gründliche wie verständliche Einführung von rund 200 Seiten. Dort lernt der Anfänger von Variablen bis zu Kontrollstrukturen alles kennen, was er für erste Shell-Skripte benötigt.

Fortgeschrittenen bietet der Autor Debugging-Methoden sowie Tipps zur Beschleunigung langsamer Skripte. Die Kapitel enden mit umfangreichen Übersichten, die sich zum Nachschlagen eignen. Da Shell-Skripte hauptsächlich den Aufruf externer Programme verpacken, stellt der Verfasser anschließend die wichtigsten Kommandozeilenwerkzeuge vor: Dem leistungsfähigen Awk-Prozessor mit seiner eigenen Sprache gilt ein ganzes Kapitel, ein weiterer Abschnitt versammelt Tools wie Grep, Sed und Diff.

Bei der Auflistung der Netzwerkprogramme fehlt ärgerlicherweise SSH. Diese Lücke setzt sich in den Schlusskapiteln fort, die Beispielskripte zur Systemadministration entwickeln: Das an sich nützliche Skript zum Replizieren von Benutzeraccounts etwa verwendet Rcp statt des sicheren Scp.

Darin liegt aber schon der einzige Mangel dieses ansonsten gelungenen und klar strukturierten Buchs, das sich flüssig liest. Es eignet sich sowohl für Einsteiger ins Shell-Skripting als auch für Anwender, die ihre Ad-Hoc-Skripte verbessern und übersichtlicher gestalten möchten. Die beigelegte CD enthält sämtliche Code-Beispiele.

Infos

Patrick Ditchen Shell-Skript Programmierung Mitp, 2. Auflage 2006 ISBN: 3-8266-1623-5 736 Seiten, CD-ROM 39,95 Euro http://www.mitp.de

1/2K + x = Linux für Studenten

Michael Kofler hat sich als Autor von Büchern zu Linux einen Namen gemacht. Wer vom "Kofler" spricht, meint den Dreizehnhundertseiter "Linux – Installation, Konfiguration, Anwendung". Beim Titel "Linux für Studenten", den das Autorengespann Kofler/Plate in der Reihe Pearson Studium veröffentlicht hat, fällt die Bewertung schwer.

Kapitelweise finden sich mit "dem Kofler" identische Texte – bei 600 Seiten Umfang aber notgedrungen nicht alles. Dafür widmen sich Exkurse zu wissenschaftlichen Anwendungen der studentischen und lehrenden Leserschaft. So finden sich Besprechungen von Software aus den Bereichen Mathematik, Chemie, Biologie und Elektrotechnik. Außerdem gehen die Autoren auf die Programmierung mit Perl ein. Den vermittelten Stoff begleiten Aufgaben, deren Lösung der Studiosus am Buchende findet. Zwei DVDs bringen Debian 3.1 r2 ("Sarge") mit.

Die Erschließung der studierenden Zielgruppe mit Tendenz zur Linux-Nutzung gelingt Kofler/Plate – möglicherweise mit Blick auf die Universitätsbibliotheken – über den in sieben Kofler-Auflagen gestählten Inhalt plus wissenschaftliche Ergänzungen. Rund 40 Euro kostet der halbe – und um diesen Faktor handlichere – "Kofler" plus Uni-spezifischem Supplement, 10 Euro weniger als das Basiswerk: Da mögen auch der studentische Geldbeutel und der Platz im Billy-Regal die Kaufentscheidung beeinflussen.

Infos

Michael Kofler, Jürgen Plate Linux für Studenten Pearson Studium 2006 ISBN: 3-8273-7205-4 607 Seiten, 2 DVDs 39,95 Euro http://www.pearson-studium.de

Shellcode, unnötig komplex

Das Taschenbuch "Shellprogrammierung" von Wolfgang Bock siedelt sich selbst im Segment zwischen Einsteigern und Profis an. Das in fünf Teile gegliederte Buch liefert mit umfangreichen Beispielen und viel Quellcode eine Menge Lesestoff. Der Lektüre liegt außerdem eine CD mit bei, auf der sich alle Code-Beispiele finden.

Der Ansatz eines Brückenschlags zwischen zwei Fähigkeitsstufen macht durchaus Sinn – der Autor schafft es aber nicht, ihn angemessen umzusetzen. So findet sich am Anfang doch eine weitschweifige Einführung in die Grundlagen, wie der Arbeit mit einem Editor. Hier dürfte das Buch ruhig etwas straffer ausfallen.

Ein in Shellcode implementierter Webserver im Kapitel "Netzwerkprogrammierung" wirkt auf den ersten Blick charmant und interessant. In der Praxis überlagert aber die komplexe Natur der Client/Server-Kommunikation im Web häufig die eigentlichen Probleme und macht das Kapitel so schwerer verdaulich als nötig. Gleiches gilt für das Generieren von Shellcode aus XML-Templates mittels einer Stylesheet-Transformation.

Die unnötige Komplexität wäre zu verschmerzen. Dass der Autor allerdings beim Zugriff auf entfernte Rechner SSH nicht erwähnt, bereitet einiges Bauchgrimmen. Auch an anderen Stellen kommt der Aspekt Sicherheit zu kurz. Insgesamt bietet das Buch manchmal ungewöhnliche Lösungen für bekannte Probleme und der Leser erhält zu einem günstigen Preis immerhin ein recht umfangreiches Nachschlagewerk. (Uli Bantle, Mathias Huber, Andreas Bohle/agr)

Infos

Wolfgang Bock Shellprogrammierung BHV 2004 ISBN: 3-8266-8136-3 767 Seiten, CD-ROM 19,95 Euro http://www.vmi-buch.de

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