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Musik-Software Rosegarden

01.07.2006 Wer auf dem Linux-PC professionelle Musikproduktion betreiben will, kommt am ausgereiften MIDI- und Audio-Editor Rosegarden nicht vorbei.

Professionelle Musiksoftware schlägt schnell mit mehreren hundert Euro zu Buche. Anfang der Neunzigerjahre entstand jedoch an der Universität Bath im Süden Englands mit Rosegarden eine Open-Source-Alternative zur bekannten Windows-Musiksoftware Cubase. Das Programm wurde seitdem ständig weiterentwickelt. Auf der Homepage des Projekts [1] stehen der Quellcode sowie eine einführende Dokumentation zur Verfügung. Zu den jüngsten Errungenschaften des Rosegarden-Teams zählt die Unterstüzung des DSSI-Interface (Sourceforge-Projektseite: [2]), einer Effekt- und Plugin-Schnittstelle ähnlich wie LADSPA [3].

Die Hauptentwickler Chris Cannan, Rich Bown und Gaulliaume Laurent gaben Rosegarden zuletzt in Version 1.2.3 frei. Zuweilen wird dem Programmnamen in Abgrenzung zu einer früheren Generation noch die Ziffer Vier nachgestellt, also: Rosegarden-4 Version 1.2.3. Rosegarden ist inzwischen ein ausgereifter MIDI- und Audio-Editor für die Musik-Produktion am PC. Nur Muse bietet im Open-Source-Bereich ähnlich viele Features. Informationen zu Muse [4] sowie der Quellcode und Binärpakete stehen unter bereit.

Vorbedingung: ALSA und Jack

Vor eigenen Experimenten mit Rosegarden liegen die Mühen der Audio-Konfiguration. Dieser Artikel setzt voraus, dass die Soundkarte durch ALSA (Advanced Linux Sound Achitecture) unterstützt wird und die nötigen Kernel-Module geladen sind. Viele Distributionen vergessen dabei übrigens das Modul snd-seq-midi, das Rosegarden jedoch zwingend voraussetzt. Informationen zu ALSA, unter anderem dazu, für welche Soundkarten Module zur Verfügung stehen finden Sie unter [5].

Rosegarden setzt auf das Audio-Connection Kit Jack [6]. Der darin enthaltene Daemon jackd bietet eine sehr bequeme Möglichkeit, Anwenderprogramme mit den ALSA-Soundtreibern oder auch untereinander zu verbinden. Jack ermöglicht nicht zuletzt sehr geringe Latenzzeiten und steht für die meisten Distributionen als Paket bereit.

Latenz lässt sich nicht vermeiden, Jack kann sie jedoch minimieren. Die besten Ergebnisse erreicht man, wenn root Jack startet. Allerdings hat das zur Folge, dass alle Programme, die auf Jack zugreifen, ebenfalls vom Superuser gestartet werden müssen. Wenn überhaupt, sollte man sehr bewusst und nur in der Endphase der Produktion, in der es auf besondere Präzision ankommt, auf diese Möglichkeit zurückgreifen. Für den Hausgebrauch reicht meistens der Aufruf von jackd -d alsa, um Jack zu starten.

Grafisch verbinden

Den Umgang mit Jack erleichtert das Programm Qjackctl [9]. Das Frontend erlaubt es, beliebige Audio- und auch MIDI-Verbindungen grafisch herzustellen.

Qjackctl (Abbildung 1) überwacht permanent alle zur Verfügung stehenden Audio- und MIDI-Anschlüsse und ermöglicht es, beliebige Verbindungen zwischen ihnen herzustellen. Das Programm zeigt bestehende Verbindungen in einem Fenster an, dass sich durch eine Klick auf den Connect-Buttons öffnet. Nach dem Start von Rosegarden erscheinen in diesem Fenster neue Audio und MIDI-Geräte. Die Verbindungen unter den Geräten hat Rosegarden selbsttätig hergestellt (Abbildung 2).

Abbildung 1: Das Hauptfenster von Qjackctl zeigt nach dem Start eine Reihe von Statusinformationen an, etwa die CPU-Auslastung oder die Anzahl xruns, die nahe Null bleiben sollte.

Abbildung 2: Nach dem Start von Rosegarden macht Qjackctl neue Audio- und MIDI-Anschlüsse verfügbar.

Wer sich nicht mit Konfigurationsproblemen herumschlagen möchte, dem kommen etliche fertig konfigurierte Multimedia-Distributionen entgegen, wie etwa Dynebolic [7] und Agnula/Demudi [8]. Sehr empfehlenswert ist auch die kommerzielle Live-CD Studio To Go von Fervent Software [10]. Sie bietet ein exzellent vorkonfiguriertes Studio und spart damit besonders dem ungeübten Anwender unter Umständen sehr viel Zeit und Nerven.

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LinuxUser 06/2012

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