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Mit Tar eine Linux-Installation für den Notfall präparieren

Linux retten

Wer seine Daten schlau sichert, den schockt selbst ein Festplattencrash nicht sonderlich: Auch ohne Neuinstallation restauriert er sein System im Handumdrehen.

Möglichkeiten zur Datensicherung bietet Linux einige, wie beispielsweise eine Partition mit dd zu speichern. Allerdings benötigt die Eins-zu-eins-Kopie exakt den Speicherplatz, den die Partition auf der Festplatte einnimmt – gleichgültig, ob Daten vorhanden sind oder nicht. Sparsamer ist es, nur die tatsächlich vorhandenen Daten zu sichern, sie in einem Archiv zu bündeln und gleich zu komprimieren. Genau das erledigt unter Linux das Programm Tar.

Schweizer Taschenmesser

Tar ist ein wahres Urgestein der Unix-Geschichte und fehlt als GNU-Variante in keiner Linux-Distribution. Das ursprünglich als "Tape Archiver" entwickelte Programm wurde über die Jahre hinweg stetig erweitert. Seine eigentliche Funktion – Daten auf Bänder zu schreiben – stellte heute nur noch eine von vielen Anwendungsmöglichkeiten dar.

Auf den ersten Blick mag es merkwürdig erscheinen, eine Linux-Installation in einen Tarball zu packen und anderswo zu entpacken, um ein ebenso lauffähiges Linux zu besitzen wie es zuvor. Das liegt an der Vorstellung, Dateien und Verzeichnisse seien nahtlos mit dem Dateisystem verbunden, das wiederum eine Einheit mit dem physikalischen Datenspeicher bilde. Im Grunde aber ergänzen sich die Komponenten. Das erlaubt es, mit dem Befehl

tar -cvjpf /tmp/image-Datum.tar.bz2 /

ein vollständiges Abbild einer Linux-Installation in einer Datei zu bündeln. Diese lässt sich später – sei es im Notfall oder zur Vervielfältigung – auf eine andere Platte und ein anderes Dateisystem entpackten.

Die Option -c veranlasst Tar, ein Archiv zu erzeugen, -p erhält dabei die Zugriffsrechte; -v erzeugt eine ausführliche Ausgabe auf dem Bildschirm. Hinter -f folgt der Name der zu erzeugenden Datei. Der Slash hinter dem Namen der Abbild-Datei gibt den Startpunkt des Archivs an. Die Option -j erzeugt ein Bzip2-komprimiertes Archiv.

Wahlweise kann man anstelle von -j auch -z einsetzen, um das Archiv per Gzip zu komprimierten. Die Unterschiede liegen hier in der Größe des Resultats sowie in der Dauer der Archivierung: Gzip ist schneller, erzeugt jedoch größere Dateien; Bzip2 braucht länger, komprimiert aber besser. Die Dauer eines konkreten Backup-Laufs sowie die Größe des resultierenden Tarballs hängen stark von der Rechnerleistung und den Daten ab.

Inhalte festlegen

Allerdings erzeugt ein Backup nach dem obigen Strickmuster einige Fehlermeldungen: Da Tar ein Abbild von der Wurzel des Dateisystems an erzeugen soll, versucht es, sich selbst in einer Rekursion ins Backup einzubinden. Bei diesem Versuch meldet es, dass die Abbild-Datei sich während des Archivierens verändert hat. Mit diesem Umstand ließe sich zwar leben; es ist aber ohnehin nicht sinnvoll, alle Dateien und Verzeichnisse in das Abbild einfließen zu lassen.

Das Daten aus dem Home-Verzeichnis beispielsweise sollten Sie ohnehin regelmäßig auf ein externes Speichermedium sichern. Im Recovery-Image dagegen haben sie nichts zu suchen, da sie nichts zur eigentlichen Systemwiederherstellung beitragen und zudem den Tarball unnötig aufblähen würden. Dann würde es unter Umständen schwierig, das Image auf ein Wechselmedium wie eine DVD zu brennen.

Um Dateien oder Verzeichnisse explizit aus dem Tarball auszuschließen, bietet Tar die Option --exclude-from an. Diese Option liest die Angaben für Dateien und Verzeichnisse, die nicht mit ins Archiv sollen, aus einer Datei ein:

user # cat << EOF >> /tmp/raus
> /home/*
> /mnt/*
> /usr/portage/distfiles/*
> /tmp/backup-Datum.tar.bz2
> EOF
user # tar -cvjp --exclude-from=/tmp/raus -f /tmp/image-Datum.tar.bz2 /

Die Wildcards hinter der Verzeichnisangabe blenden alle Dateien und Unterverzeichnisse innerhalb des auszuklammernden Verzeichnisses aus. Fehlt die Wildcard, übernimmt Tar das gesamte Verzeichnis nicht ins Archiv. Auch der Dateiname des Images selbst steht in der Exclude-Datei.

Überprüfen Sie vor dem Erstellen des Images auf der Konsole mit Hilfe von mount genau, was im System gerade eingehängt ist. So würden gemountete externe Datenträger oder Netzwerkfreigaben mit ins Abbild einfließen, falls Sie diese nicht aushängen oder ausschließen. Andererseits mounten manche Distributionen aus Sicherheitsgründen die Boot-Partition nicht. Hier ist es wichtig, darauf zu achten, dass sie mit ins Abbild gelangt.

Haben Sie schließlich ein Image mit allen benötigten Inhalten erzeugt, befördern Sie es mittels eines Brennprogramms Ihrer Wahl – etwa K3b [1] – auf eine DVD.

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