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Auf leisen Sohlen

Mini-PC mit Pentium-M-Prozessor

01.07.2006 Stark soll er sein, chic, leise, und sich sich binnen Sekunden ein- und ausschalten lassen – der ideale Wohnzimmer-PC. LinuxUser hat einen gefunden.

Egal ob Auto oder PC: Den einen macht es Spaß, das Dröhnen der Motoren zu hören, die anderen lieben es möglichst leise. Gehören Sie zu Letzteren, werden Sie an einem XPC von Shuttle Ihre Freude haben. Das von der Redaktion getestete Pentium-M-System (siehe Kasten "Shuttle SD11G5") summt bei Arbeit und Spiel kaum hörbar vor sich hin. Dank einer Heatpipe, die die Abwärme der CPU nach außen befördert (Abbildung 1), kommt der Mini-PC mit einem einzigen Lüfter aus, dessen Geräuschpegel sich selbst unter Vollast in Grenzen hält.

Abbildung 1: Der XPC von Shuttle. Zwei Stäbe leiten die Wärme vom Prozessor zum zentralen Lüfter. Links vorne der PCI-Express-Slot.

Shuttle SD11G5

Das Testgerät des Typs Shuttle-XPC SD11G5 kam als Barebone ins Labor. Dort erhielt er eine mit 2,2 GHz getaktete CPU des Typs Pentium-M sowie 512 MByte DDR2-Hauptspeicher. Außerdem bauten wir eine SATA-Festplatte mit 120 GByte Kapazität (Samsung SP1213C) sowie einen DVD-Brenner (LG GSA-4163B) ein.

Die Kontaktaufnahme nach außen übernimmt ein Onboard-Gigabit-Ethernet-Controller (Broadcom 5798). Wer einen WLAN-Adapter nachrüsten möchte, nutzt dazu den Mini-PCI-Slot des SD11G5. Für den Betrieb von Peripheriegeräten stehen sechs USB-2.0-Ports sowie zwei Firewire-400-Interfaces zur Verfügung. Tastatur und Maus finden über zwei PS/2-Ports Anschluss.

Für die Grafikausgabe kam im Test das interne Intel-Chipset 915GM+ zum Einsatz, für den Monitor steht ein DVI-Anschluss parat. Der Shuttle verfügt aber auch über einen PCI-Express-Slot (16x) für eine Grafikkarte sowie einen S-Video-Ausgang. Für stramme Töne sorgt ein integrierter 8-Kanal-Soundchip (Creative Soundblaster Live! 24-Bit), ansonsten ist der Rechner im Normalbetrieb – bis auf ein gelegentliches Klackern der Festplatte – kaum zu hören. Als mit Abstand größte Lärmquelle entpuppte sich das DVD-Laufwerk: Hier sollten Sie beim Kauf zu einem möglichst geräuscharmen Gerät greifen.

Ohne CPU, Speicher und Laufwerke belaufen sich die Kosten des Barebone auf rund 450 Euro. Ein Pentium-M mit 1,8 GHz kostet zurzeit rund 250 Euro, das 2-GHz-Modell schlägt mit 300 Euro zu Buche. 512 MByte DDR2-Speicher bekommen Sie für umd die 60 Euro. Setzen Sie den Rechner also selbst zusammen, müssen Sie etwa 1000 Euro ausgeben. Im Internet finden sich Komplettsysteme inklusive Pentium-M ab 1100 Euro.

Installation

Aktuelle Linux-Distributionen lassen sich problemlos auf dem Shuttle installieren. Die Redaktion testete dazu Fedora Core 5, Ubuntu Dapper Drake und Suse Linux 10.1. Ubuntu und Fedora richteten auch die 3D-Beschleunigung des Intel-915-Chips automatisch ein, bei Suse müssen das händisch erledigen. Der interne Grafikchip erreicht in glxgears eine Framerate von 975. Sollte das für Spiele nicht ausreichen, bietet der XPC einen freien PCI-Express-Slot für eine stärkere Grafikkarte. Mit Ausnahme von Suse Linux 10.1 funktionierte auch der Sound sofort. Unter Suse musste dazu noch im Lautstärkeregler der analoge Ausgang als Ausgang eingerichtet werden. Mit einem digitalen Verstärker dreht sich die Ausgangslage: hier funktioniert der Sound bei Suse out-of-the-box, unter Fedora und Ubuntu müssen Sie zunächst noch den digitalen Ausgang als Standardgerät festlegen.

Powermanagement

Die Vorteile des Pentium-M-Systems liegen auf der Hand: Die CPU senkt in ihrer Freizeit automatisch die Taktrate und spart somit Strom. Zudem unterstützt das System sämtliche Ruhezustände eines Laptops. Um den Rechner zu testen, kompilierten wir Kernel 2.6.16, ließen dabei glxgears laufen und starteten parallel eine Installation der KDE-Jukebox Amarok. Die CPU erhitzt sich auch unter Volllast nicht über 50 Grad Celsius. Exakt bei 40 Grad schaltete das Powermanagement den Lüfter hoch. Die CPU kennt mehrere Geschwindigkeitsstufen: Im Normalbetrieb arbeitet sie mit einer Taktfrequenz von 800 MHz, unter Volllast mit 2,2 GHz.

Suspend-to-Disk funktionierte auf allen Distributionen auf Anhieb. Bei diesem Ruhezustand speichert Linux die wichtigsten Daten auf der Swap-Partition. Der Suspend dauert rund 20 Sekunden, das Aufwachen eine halbe Minute. Unter Fedora Core mussten wir dazu allerdings auf der Kommandozeile den Befehl echo disk > /sys/power/state eingeben. Über den Menüpunkt Ruhezustand wählte Fedora Suspend-to-RAM aus, das aber nicht funktionierte. Unter Suse und Ubuntu funktionierte der Suspend problemlos über Abmelden | Ruhezustand. Unter allen drei Systemen streikte aber anschließend die Sound-Ausgabe (siehe Kasten "Sound-Probleme").

Sound-Probleme

Nach Suspend-to-Disk, Suspend-to-RAM oder Standby schaffte es keine der getesteten Distributionen, den Sound wieder zu aktivieren. Es half weder, die Module vor dem Ruhezustand zu entladen, noch das Soundsystem nach dem Resume neu zu starten. Sämtliche Module waren geladen, alsamixer zeigte keine Probleme an – dennoch blieb der Rechner stumm. Selbst unter Suse Linux mit dem aktuellen ALSA 1.0.11 wollte der Soundchip nach dem Resume keinen Ton mehr von sich geben.

Da laut ALSA-Homepage [1] die Karte aber mit der neuesten Version funktionieren soll, übersetzten wir diese sowie Kernel 2.6.16 von Suse aus den Quellen neu. Für alsa-driver benutzen wir dazu die Configure-Option --with-cards=ca0106. Nach einem Neustart funktionierte der Sound endlich nach jedem Suspend. Die neue ALSA-Version behob unter Ubuntu lediglich das Sound-Problem, hier blieben allerdings die Schwierigkeiten mit dem Display bestehen.

Im BIOS des Shuttle war als ACPI-Schlafzustand Standby (S1) eingestellt. Es unterstützt aber auch Suspend-to-RAM (S3) oder beide Zustände gleichzeitig. Für die Tests stellten wir das BIOS auf S1&S3 ein. Fedora Core kam weder mit Suspend-to-RAM noch mit Standby klar. Das Suspend funktionierte zwar in der Regel, doch beim Resume startete die Distribution stets bei Null, versuchte also einen normalen Neustart. Dapper Drake mit Kernel 2.6.15-23-386 zeigte beim Resume aus Suspend-to-Disk lediglich einen schwarzen Bildschirm an.

Standby über den Befehl echo standby > /sys/power/state funktionierte fast perfekt: Der Rechner versetzte sich in den Tiefschlaf, allerdings schaltete Ubuntu die Grafikkarte nicht ab. Der angeschlossene LCD-Bildschirm zeigte deshalb weiterhin ein Bild an, das langsam ins Schwarze verlief. Nach dem Resume war zwar der Bildschirm wieder da, allerdings mit einigen Anzeigefehlern. Ein Wechsel auf die Konsole mit [Strg]+[Alt]+[F1] und zurück löste aber dieses Problem.

Die beste Powermanagement-Unterstützung zeigte Suse Linux. Nach dem Aktivieren des Standby-Zustandes über die Variable DISABLE_USER_STANDBY in der Datei /etc/powersave/sleep ließ sich der Rechner problemlos in den S1- oder S3-Zustand versetzen und wachte aus diesem auch innerhalb von zwei bis drei Sekunden wieder auf.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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