Amarok 1.4 freigegeben

Das Amarok-Team hat die Version 1.4 der digitalen Jukebox freigegeben. Diese läutet die Serie mit dem Namen "Fast Forward ein", welche den Vorgänger "Airborne" ablöst. Ein Highlight des neue Entwicklungsstrangs ist die bessere Unterstützung für mobile Audio-Player.

Während es für iPod und iRiver ein eigenes Steuermodul gibt, erkennt Amarok 1.4 andere Player als USB-Massenspeicher. Diese findet er auf modernen Distributionen automatisch. Danach steht dem Abgleich der Musikdateien nichts mehr im Wege. Amarok unterscheidet außerdem zwischen verschiedenen Geräten gleicher Bauart und bringt alle auf den jeweils korrekten Stand.

Besitzer von Dateien im den von Apple bevorzugten Formaten Advanced Audio Codec (AAC) oder RealMedia dürfen diese nun auch in Amarok verwenden, denn Fast Forward interpretiert die Meta-Tags dieser Formate nun korrekt und pflegt die Titel so in seine Datenbank ein. Desweiteren holt die Version 1.4 Songtexte nun per Skript, was eine größere Flexibilität bei der Auswahl des Songtext-Anbieters ermöglicht.

Das Punktesystem erlaubt nun auch ein direktes Bewerten durch den Anwender. Diese Funktion komplementiert das schon länger vorhandene, automatische Wertungssystem, das auf dem Hörverhalten des Nutzers basiert. Außerdem sammelt Amarok die Lieddaten nun über einen externen Prozess in seiner Datenbank, was Stabilität und Geschwindigkeit der Software erhöht. Die Serie "Fast Forward" baut als letzte auf KDE 3 auf. Mit Amarok 2.0 stellen die Entwickler auf die KDE-Version 4 um, die voraussichtlich Anfang nächsten Jahres erscheint.

Sorgen um Updates brauchen sich die Benutzer des beliebten Players jedoch nicht zu machen: Die Vorgänger-Serie "Airborne" erstreckte sich über insgesamt zehn Versionen, in denen die Entwickler nicht nur Fehler behoben, sondern auch neue Funktionalitäten hinzufügten. Eine Übersicht über die neuen Features sowie Pakete für alle gängigen Distributionen stellen die Amarok-Macher unter http://amarok.kde.org bereit.

KDE-Gründer Matthias Ettrich grüßt die Benutzer beim ersten Start von Amarok 1.4.

FSFE und KDE arbeiten enger zusammen

Der KDE e.V. (http://ev.kde.org), der das KDE-Projekt in rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten vertritt, tritt künftig als Partner (Associate Member) der Free Software Foundation Europe (FSFE) auf. Gemeinsam wollen die beiden Organisationen freie Software weiter verbreiten sowie den Schutz derselben auf den Desktops in Europa und weltweit vorantreiben.

Für Georg Greve, Präsident der FSFE (http://www.fsfeurope.org), rückt nach dem Erfolg von Server-Projekten wie Apache nun den Desktop immer stärker in den Fokus: "Der Desktop ist eines wichtigsten Schlachtfelder für den langfristigen Erfolg Freier Software", betont er.

Gemeinsam wollen die beiden Projekte das Monopol des Software-Konzerns aufweichen, um Microsofts Desktop-Würgegriff zu beenden. Derzeit läuft unter anderem ein Kartellverfahren, in dem die Europäische Kommission Microsoft vorwirft, seine Marktposition auf dem Desktop auszunutzen, um seinen eigenen Software-Produkten Vorteile zu verschaffen.

Für Eva Brucherseifer, Präsidentin des KDE e.V., ist die Zusammenarbeit jedoch nur ein erster Schritt: "Langfristig müssen wir gemeinsam den Aufbau eines starken Netzwerkes von Desktop-Dienstleistern fördern", so Brucherseifer. Beide Projekte haben in der Vergangenheit bereits inoffiziell an diesen Zielen gearbeitet.

GStreamer-Entwickler kritisiert Phonon

Eine der neuen Technologien in der kommenden KDE-Version 4 ist das Multimedia-Framework Phonon (http://phonon.kde.org). Im Gegensatz zum Vorgänger Arts, der noch einen eigenen Soundserver und ein eigene Architektur mitbrachte, liefert Phonon nicht mehr als eine dünne Schicht, die sich über ein beliebiges Multimedia-Framework wie NMM, GStreamer, Jack, Helix oder Xine legt. Der Vorteil: KDE-Anwendungen greifen einheitlich nur auf die API von Phonon zu, das eigentliche Multimedia-Framework bleibt verborgen.

GStreamer-Entwickler Christian Schaller hat dieses Konzept in einem Blog-Eintrag als "kaputtes Rad" bezeichnet (http://blogs.gnome.org/view/uraeus/2006/05/11/0/). Phonon könne nicht alle erdenkliche Funktionalitäten abdecken, die ein Multimedia-Framework biete. Wolle es diese jedoch trotzdem bieten, müssten die Entwickler Phonon so stark aufbohren, dass die API extrem komplex würde. Schaller, der für den Streaming-Spezialisten und GStreamer-Sponsor Fluendo arbeitet, plädiert daher dafür, dass die KDE-Entwickler direkt mit GStreamer arbeiten.

KDE-Entwickler Aaron Seigo hielt dagegen, dass das Projekt sich bereits mit dem Festlegen auf Arts ein blaues Auge geholt habe, und dadurch nicht zuletzt die Benutzer ins Hintertreffen geraten seien. Diesen Fehler wolle niemand wiederholen. Programme wie Amarok hätten den Vorteil verschiedener Backends bewiesen.

Zudem sei die API von GStreamer bislang nicht lange genug binärkompatibel, als das KDE sie direkt verwenden könne. Zuletzt hatte GStreamer mit der Freigabe von Version 0.10 die API geändert. Zudem spräche nichts gegen den Einsatz von Applikationen, die GStreamer oder ein anderes Multimedia-Framework direkt verwenden, im Zusammenspiel mit solchen, die die Phonon-API benutzen.

Auch die Autoren Scott Wheeler und Micheal Pyne sowie der Amarok-Entwickler Ian Monroe schlossen sich mit ähnlichen Äußerungen an. In Juk ermöglichte erst die Implementation verschiedener Backends das Verwenden von GStreamer neben dem alten Arts. Monroe bezeichnete eine abstrakte Multimedia-API in KDE als eine technische Notwendigkeit.

Die Entwickler zeigten sich zuversichtlich, dass GStreamer eine langfristige Perspektive sei, falls sich eine stabile Version profiliere. Schaller selbst machte trotz all seiner Kritik deutlich, dass das GStreamer-Team den Phonon-Entwicklern auch beim Entwicklen eines GStreamer-Backends zur Seite stehe. Unterdessen ist die Phonon-API bereits im Hauptentwicklungszweig von KDE integriert. Als Backends stehen aktuell NMM und Xine bereit.

Qt in LSB 3.1

Die Linux Standard Base (http://freestandards.org/en/LSB/) nimmt mit der neuen Version 3.1 seiner Spezifikation erstmals auch die Qt-Bibliothek des norwegischen Herstellers Trolltech als unterstützte Komponente auf. Damit schließt Qt mit Gtk auf, das schon länger Bestandteil der LSB ist.

Die LSB 3.1 unterstützt dabei vorerst nur die API von Qt 3.3. Ein zusätzlicher Standard enthält auch Qt 4. Da sich diese Version jedoch voraussichtlich erst später verbreitet, ersonnen die LSB-Mitglieder einen Trick: Die neue Qt-Version ist in einem zusätzlichen Standard gekapselt und fließt in einer späteren Version vollständig in die normale LSB-Spezifikation ein.

Ian Murdock, technischer Direktor der Free Standards Group, begrüßte den Schritt. Vor allem das Engagement des KDE-Projektes habe dies möglich gemacht. Die vorliegende Version bestätige, dass alle Beteiligten auf dem richtigen Weg seien, Linux auf dem Desktop voranzutreiben.

KDE-Artists und OpenCollab beteiligt Community

Die Betreuer von KDE-Artists.org (http://www.kde-artists.org) verpassten ihrer Seite nicht nur ein neues Design, sondern haben sie zugleich mit einigen Funktionen ausgestattet, um die Arbeit der Community besser zu integrieren. So macht es die Site nun interessierten Hobbykünstlern möglich, Neuigkeiten, Anleitungen und Links beizusteuern.

Ein Feature namens Studios, von dem sich die Macher "einen neuen Drall beim Thema Blogging" versprechen, erlaubt es Mitgliedern, den kreativen Prozess ihrer Kunstwerke zu dokumentieren und ihn mit anderen Kollegen zu besprechen.

Die Seite OpenCollab.org, ein Ersatz für das alte Kollaboration-Forum, will einen ähnlichen Ansatz für Entwickler von Anwendungen und interessierte Mitstreiter bieten.

Kubuntu und Ubuntu jetzt gleichwertig

Auf dem LinuxTag 2006 traf Mark Shuttleworth mit dem Vorstand des KDE e.V. zusammen, um über die Zukunft des KDE-Desktops auf der Ubuntu-Plattform zu beraten. Für die Zusammenkunft hatten unter anderem ein Streik der Kubuntu.de-Mannschaft gesorgt. Teile der Kubuntu-Community fürchteten, KDE sei schlechter in die Ubuntu-Plattform integriert als Gnome, da viele der von Canonical beschäftigten Entwickler Gnome-Anwender seien und somit ihre Änderungen nicht auf KDE anpassten.

Shuttleworth lenkte in diesem Punkt ein: Er will bei der Vergabe neuer Jobs zwei Entwickler mit KDE-Hintergrund einstellen. In seiner Keynote verkündete Shuttleworth, der sich als "professionellen Träumer" bezeichnete, Kubuntu und Ubuntu würden beim kommenden Release gleichwertige Partner sein. Der ShipIt-Dienst soll künftig CDs beider Varianten kostenlos ausliefern, und Canonical wird für beide kommerziellen Support anbieten.

Wie Shuttleworth weiter bekanntgab, passt das Ubuntu-Projekt gerade das Übersetzungs-Tool Rosetta für KDE an. Rosetta erlaubt es Anwendern, Programme per Web-Interface zu übersetzen. Gleichzeit übernimmt das Bugtracking-Tool Malone künftig Daten aus KDEs Bugzilla und umgekehrt, um inhaltsgleiche Fehlerberichte zu identifizieren.

KDE-4-Entwicklung nimmt Fahrt auf

Nachdem das KDE-Team die grundlegenden KDE-Bibliotheken auf Qt 4 angepasst hat, läuft mit dem Portieren der Basis-Applikationen und des Büropakets KOffice die nächste Phase an. Zu den grundlegenden Neuheiten in den KDE-Bibliotheken zählen vor allem der neu importierte Audio-Layer Phonon sowie das Auslagern veralteter Klassen in eine Kompatiblitätsbibliothek. Insgesamt zeichnet sich eine deutliche Schlankheitskur in den Bibliotheken ab.

Auch die Anwendungen in den Kernmodulen sind bereits zum Großteil portiert: Die KDE-eigene Jukebox Juk verwendet – wie viele Programme innerhalb des KDE-4-Zweiges – bereits Phonon. Die KOffice-Entwickler erhoffen sich von der neuen Qt-Painting-Engine Arthur und den neuen Font-Klassen signifikate Verbesserungen, da diese nun fließkommagenau arbeiten. Eine parallel entwickelte Bibliothek namens Flake, die auf Arthur aufsetzt, sorgt zudem in KOffice für verbesserte Zeichenfunktionen.

Trotz aller Fortschritte warnen die Entwickler Anwender von Drittapplikationen bislang vor einem vorschnellen Portieren: Die Bibliotheken seien keinesfalls stabil und änderten sich teilweise noch recht stark. Eine erste Alpha-Version von KDE 4.0 plant das KDE-Projekt für das Ende des Jahres. Für KOffice 2.0, das darauf aufsetzt, gaben die Entwickler bislang noch keinen Termin bekannt.

Flake-Entwickler Thomas Zander gibt in seinem Blog eine Ausschau auf die KOffice 2.0-Komponente Flake, die unter anderem Kantenglättung und Farbverläufe beherrscht.

Kurz notiert

Die KDE-Entwickler wechseln vom Scons-basierten Build-System Bksys nun auf den Newcomer Cmake. Damit ist es im zweiten Anlauf geglückt, die in die Jahre gekommenen Autotools zu ersetzen, die viele Anwender durch den Dreisatz ./configure && make && make install kennen. Cmake arbeitet plattformunabhängig und bringt eine ganze Reihe von Tests auf gängige Bibliotheken von Haus aus mit. KDE 4 basiert auf dem kommenden System, das auch mehreren Firmen unterstützen. Zudem kompilieren Rechner des Sponsors Kitware (http://www.kitware.com) nächtlich den KDE-Entwicklungszweig unter Windows, Linux und Mac OS und melden Fehler beim Kompilieren an die Entwicklerliste.

Nachdem die Firma Coverity dem KDE-Projekt die Ergebnisse ihrer Sourcecode-Studie zugänglich gemacht hat, arbeiten die Entwickler derzeit daran, die Fehler im Programmcode zu beheben. Viele Fehler seien unkritisch, einige könnten jedoch später zu größeren Problemen führen. Keiner der bislang von Coverty entdeckten Bugs sei sicherheitskritisch, hieß es.

Die ODF-Alliance, die sich dem Verbreiten des OpenDocument-Formates widmet, gewinnt mit dem Beitritt des KDE e.V. ein weiteres Mitglied. Vor allem das KOffice-Projekt, das seit Version 1.5 standardmässig auf das freie Format setzt, ist so in der Allianz vertreten. KOffice enthält eine eigenständige Implementation von OpenDocument. Das Entwickler-Team hat unterdessen KOffice 1.5.1 freigegeben, das neben zahlreichen Korrekturen in den Anwendungen auch Fehler im Umgang mit OpenDocument behebt.

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