GStreamer-Entwickler kritisiert Phonon

Eine der neuen Technologien in der kommenden KDE-Version 4 ist das Multimedia-Framework Phonon (http://phonon.kde.org). Im Gegensatz zum Vorgänger Arts, der noch einen eigenen Soundserver und ein eigene Architektur mitbrachte, liefert Phonon nicht mehr als eine dünne Schicht, die sich über ein beliebiges Multimedia-Framework wie NMM, GStreamer, Jack, Helix oder Xine legt. Der Vorteil: KDE-Anwendungen greifen einheitlich nur auf die API von Phonon zu, das eigentliche Multimedia-Framework bleibt verborgen.

GStreamer-Entwickler Christian Schaller hat dieses Konzept in einem Blog-Eintrag als "kaputtes Rad" bezeichnet (http://blogs.gnome.org/view/uraeus/2006/05/11/0/). Phonon könne nicht alle erdenkliche Funktionalitäten abdecken, die ein Multimedia-Framework biete. Wolle es diese jedoch trotzdem bieten, müssten die Entwickler Phonon so stark aufbohren, dass die API extrem komplex würde. Schaller, der für den Streaming-Spezialisten und GStreamer-Sponsor Fluendo arbeitet, plädiert daher dafür, dass die KDE-Entwickler direkt mit GStreamer arbeiten.

KDE-Entwickler Aaron Seigo hielt dagegen, dass das Projekt sich bereits mit dem Festlegen auf Arts ein blaues Auge geholt habe, und dadurch nicht zuletzt die Benutzer ins Hintertreffen geraten seien. Diesen Fehler wolle niemand wiederholen. Programme wie Amarok hätten den Vorteil verschiedener Backends bewiesen.

Zudem sei die API von GStreamer bislang nicht lange genug binärkompatibel, als das KDE sie direkt verwenden könne. Zuletzt hatte GStreamer mit der Freigabe von Version 0.10 die API geändert. Zudem spräche nichts gegen den Einsatz von Applikationen, die GStreamer oder ein anderes Multimedia-Framework direkt verwenden, im Zusammenspiel mit solchen, die die Phonon-API benutzen.

Auch die Autoren Scott Wheeler und Micheal Pyne sowie der Amarok-Entwickler Ian Monroe schlossen sich mit ähnlichen Äußerungen an. In Juk ermöglichte erst die Implementation verschiedener Backends das Verwenden von GStreamer neben dem alten Arts. Monroe bezeichnete eine abstrakte Multimedia-API in KDE als eine technische Notwendigkeit.

Die Entwickler zeigten sich zuversichtlich, dass GStreamer eine langfristige Perspektive sei, falls sich eine stabile Version profiliere. Schaller selbst machte trotz all seiner Kritik deutlich, dass das GStreamer-Team den Phonon-Entwicklern auch beim Entwicklen eines GStreamer-Backends zur Seite stehe. Unterdessen ist die Phonon-API bereits im Hauptentwicklungszweig von KDE integriert. Als Backends stehen aktuell NMM und Xine bereit.

Qt in LSB 3.1

Die Linux Standard Base (http://freestandards.org/en/LSB/) nimmt mit der neuen Version 3.1 seiner Spezifikation erstmals auch die Qt-Bibliothek des norwegischen Herstellers Trolltech als unterstützte Komponente auf. Damit schließt Qt mit Gtk auf, das schon länger Bestandteil der LSB ist.

Die LSB 3.1 unterstützt dabei vorerst nur die API von Qt 3.3. Ein zusätzlicher Standard enthält auch Qt 4. Da sich diese Version jedoch voraussichtlich erst später verbreitet, ersonnen die LSB-Mitglieder einen Trick: Die neue Qt-Version ist in einem zusätzlichen Standard gekapselt und fließt in einer späteren Version vollständig in die normale LSB-Spezifikation ein.

Ian Murdock, technischer Direktor der Free Standards Group, begrüßte den Schritt. Vor allem das Engagement des KDE-Projektes habe dies möglich gemacht. Die vorliegende Version bestätige, dass alle Beteiligten auf dem richtigen Weg seien, Linux auf dem Desktop voranzutreiben.

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