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Distribits

01.07.2006

Klein und komplett

Das Hosentaschen-Linux Damn Small Linux (http://www.damnsmalllinux.org) hat Version 2.4 erreicht. Damn Small Linux ist nach wie vor nur knapp 50 MByte groß und läuft bei Rechnern mit mindestens 128 MByte RAM komplett im Arbeitsspeicher. Das System lässt sich über das grafische DSL Control Panel verwalten und durch neue Programme ergänzen.

Im aktuellen Release passten die Entwickler Ndiswrapper an, so dass jetzt noch mehr WLAN-Karten unterstützt werden. Auch die Zahl der verwendbaren Soundkarten vergrößerte sich. Neu dabei ist der kompakte C-Compiler TCC sowie das Programm Rsync zum Abgleich von Dateien und Verzeichnissen.

Die enthaltenen Anwendungen benutzen zum größten Teil Gtk 1.2 als Toolkit. Den Browser Firefox 1.0.6 haben die Entwickler eigens an diese Gtk-Version angepasst. Als E-Mail-Client verwendet Damn Small Linux Sylpheed 0.9.3. Die Büro-Grundausstattung bilden die einfache Tabellenkalkulation Siag 3.5.7 und das Textverarbeitungsprogramm Ted 2.17, das RTF-Dateien liest und schreibt. Der schon etwas betagte Quelltexteditor Beaver 0.2.7 und der Dateimanager Emelfm vervollständigen die Ausrüstung.

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Damn Small Linux passt auf eine Mini-CD oder einen USB-Stick, enthält aber ein komplettes System für unterwegs.

Back to the roots

Die auf Ubuntu 5.10 basierende Linux Genealogy CD (http://www.gramps-project.org) bietet alle notwendigen Werkzeuge für diejenigen, die ihre Familie erforschen möchten. Durch die Verwendung weit verbreiteter Programme steht auch dem Austausch der Daten mit anderen Ahnenforschern nichts im Weg.

Wie Ubuntu gibt es auch die Genealogie-CD in Live- und Installationsvarianten, allerdings läuft sie nur auf PCs mit x86-Prozessoren. Als Desktop kommt Gnome zum Zug, in das sich die Ahnenforschungsanwendung Gramps (siehe Artikel S. 70) perfekt integriert. Hinzu kommen die Programme GeneWeb und LifeLines sowie GraphViz, das Grafiken für Gramps liefert. Auch die wichtigsten Programme für Büro und Internet liegen bei.

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Genealogy CD ist der gut gefüllte Werkzeugkasten für Ahnenforscher.

Centos live

Centos (http://www.centos.org) hat erstmals eine Live-CD herausgegeben. Das Projekt erstellt eine Enterprise-Distribution, für die es die freien Quellen von Red Hat Enterprise Linux (RHEL) 4 (http://www.redhat.com/rhel/) verwendet. Die Entwickler entfernen vor allem die von Red Hat markenrechtlich geschützte Grafiken, halten die Distribution aber binärkompatibel zu RHEL.

Die Live-CD basiert auf dem aktuellen Centos 3.4. In dieser Version hat ein neues Update-System Einzug in die Distribution gefunden. Es basiert auf Yum und verfügt über mehr als 100 Spiegelserver, die Paketquellen bereit halten. Das Update-System sucht automatisch den nächstgelegenen Mirror und lädt von dort die benötigten Dateien. Falls einer der Server nicht erreichbar sein sollte, sucht das System automatisch einen anderen.

Als Enterprise-System bringt Centos Server für NFS, SMB, E-Mail und News sowie einen Groupware-Server mit. Die Dienste lassen sich über ein grafisches Programm ein- und ausschalten.

Auf dem Desktop bietet CentOS alles, was man für die tägliche Büroarbeit benötigt. Als grafische Oberfläche dient Gnome 2.8, OpenOffice liegt in Version 1.1.2 bei, taufrisch sind Evolution (2.0.2) und Firefox (1.5.0.2).

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Die Live-CD von Centos erlaubt einen Blick auf das freie Unternehmens-Linux.

Neue Systeme für die Musikmaschine

Mit iPodHurd (http://www.ipodhurd.org) und iPodLinux (http://www.ipodlinux.org) treten gleich zwei Projekte an, im Apples Mediaplayer-Hardware mit einem alternativen Betriebssystem zu versehen.

iPodhurd befindet sich allerdings erst in der Planungsphase. Es möchte das System GNU/Hurd auf den iPod portieren. Mit Hurd möchte die Free Software Foundation einen alternativen Unix-Kernel schaffen. Demnächst soll das Release K11 von GNU/Hurd auf CD verfügbar sein.

Wesentlich weiter sind die Entwickler von iPodLinux. Mit Hilfe des neu entwickelten Bootloaders iPodLoader 2 gelang es ihnen bereits, ein Linux-System auf dem Gerät zu starten. iPodLinux verwendet einen angepassten uClinux-Kernel und verfügt mit Podzilla über eine eigens entwickelte grafische Oberfläche. Es existieren einige Anwendungen zum Abspielen von Multimedia-Inhalten, daneben ein Zeichenprogramm, verschiedene Interpreter, Emulatoren sowie ein Texteditor. Unter http://ipodlinux.org/Project_Status haben die Entwickler zusammen gefasst, welche iPod-Modelle die Distribution unterstützt.

Pocketlinux goes Enterprise

Marcus Möller hat die von ihm geschaffene Distribution Pocketlinux in Easys GNU/Linux (http://easys.gnulinux.de) umbenannt. Easys basiert auf dem aktuellen Slackware und hat das Ziel, für jeden Zweck genau ein Programm anzubieten, um den Benutzern die Bedienung zu erleichtern.

Möller zielt mit der Single-CD-Distribution auf Desktop-Anwender in Unternehmen. Easys lässt sich ausschließlich auf x86-Systemen installieren, als Mindestanforderung an den Rechner nennen die Entwickler eine mit wenigstens 400 MHz getaktete Pentium-II-CPU sowie 128 MByte Arbeitsspeicher.

Die Installations-CD bootet in ein Curses-basierendes Installationsprogramm, in dem der Benutzer lediglich die Zielpartition auswählt – alles weitere soll das Setup automatisch erledigen. Es versucht jedoch, den Bootloader Lilo in den MBR des ersten Geräts am ersten IDE-Kanal zu schreiben. Hängt dort keine Festplatte, scheitert der Installer, eine manuelle Konfiguration mit liloconfig steht an.

Sind diese Hürden genommen, überzeugt easys mit einer wohl durchdachten Software-Auswahl. Als Desktop verwendet es "KDE light", eine Kombination aus freien Software-Komponenten: Den Desktop zeichnet Kdesktop, als Windowmanager findet Openbox Verwendung, als Kontrollleiste Fpanel.

Für die Büroarbeit steht die aktuelle Version von OpenOffice zur Verfügung, als Webbrowser Firefox und als E-Mail-Client Kmail. Mit von der Partie sind außerdem die IRC-Anwendung XChat sowie das Grafikprogramm Gimp. Um digitale Fotos kümmert sich Digikam, das eine Erweiterung zum Erstellen von MPEG-Dateien mitbringt.

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Easys besticht durch eine gelungene Software-Auswahl und einen aufgeräumten Desktop.

FreeBSD auf dem Desktop

Nachdem sich die Entwickler des BSD-Derivats FreeBSD (http://www.freebsd.org) bisher vor allem auf den Server-Einsatz konzentriert haben, möchten sie das System dieses Jahr desktoptauglich machen.

Hauptentwickler Scott Long will sein Betriebssystem zu einer ernsthaften Konkurrenz für Linux ausbauen. Dazu fehlen FreeBSD jedoch unter anderem Plug-and-Play-Fähigkeiten, etwa das automatische Erkennen und Einbinden von USB-Geräten. Um diese Funktion nachzurüsten, greifen die Entwickler auf die HAL-Bibliothek des Gnome-Projekts zurück. Als erste Desktop-Umgebung wollen sie Gnome unterstützen, KDE soll in späteren Versionen hinzukommen. (Frank Wieduwilt/mhu/jlu)

Kurz notiert

Ravi, Betreiber des Weblogs Linuxhelp, hat eine Mindmap erstellt, die die Verwandschaftsverhältnisse der wichtigsten Linux-Distributionen zueinander abbildet. Das Diagramm (http://linuxhelp.blogspot.com/2006/04/mind-map-of-linux-distributions.html) ist noch in Arbeit, zeigt aber schon sehr deutlich, dass die aktuellen Distributionen von einigen wenigen Eltern und Großeltern abstammen. Besonders Debian sticht durch seine große Zahl von Kindern und Kindeskindern hervor.

Xandros (http://de.xandros.com) hat einen Büro-Server neu in sein Programm aufgenommen. Das System enthält Datei-, Druck- und Groupware-Server. Es lässt sich auch in Windows-Umgebungen einsetzen und bietet eine grafische Management-Oberfläche für alle Dienste. Als Exchange-Ersatz liegt die Groupware-Lösung Scalix (http://www.scalix.com/de) bei. Xandros Server kostet in der englischen Variante 450 US-Dollar. Die Lizenz gilt für die Installation auf einem Rechner. Im Preis sind 90 Tage E-Mail-Support enthalten. Ein Preis für die deutsche Version steht noch nicht fest.

Das Kororaa-Projekt (http://kororaa.org), das eine Live-Distribution auf Basis des neuen grafischen Systems Xgl von Novell herausgebracht hat, stellt seine Arbeit vorerst ein. Grund ist die Beschwerde eines Benutzers, der in der Verwendung proprietärer Grafikkartentreiber in Kororaa einen Verstoß gegen die GNU-GPL-Lizenz sieht. Bis zur Klärung der Rechtslage ist der auch Download der Live-CD nicht mehr möglich.

Simply Mepis 6.0 (http://www.mepis.org) steht kurz vor der Fertigstellung. Die Distribution wechselt in dieser Version von Debian "testing" zu Ubuntu als Basis, da die Entwickler die Softwarepakete von Ubuntu für stabiler halten. Das als Desktop-System konzipierte Simply Mepis nutzt KDE 3.5.2 als grafische Oberfläche. Die aktuelle Beta-Version verbessert die Unterstützung von Laptop-typischer Hardware deutlich, insbesondere funktioniert jetzt die biometrische Authentifizierung über den Fingerabdruckleser einiger Lenovo-Laptops.

PC-BSD (http://www.pcbsd.org), eine Desktop-Variante von FreeBSD 6.0, ist in Version 1.0 erschienen. Das System passt auf eine CD und lässt sich mit Hilfe eines grafischen Installationsprogramms einrichten. Als Desktop kommt KDE 3.5.2 zum Einsatz. Die Grundinstallation lässt sich mit Hilfe der Paketverwaltung PBI um weitere Programme erweitern. PBI installiert alle Programme einschließlich der benötigten Bibliotheken unterhalb von /user/local/MyPrograms, wodurch sie sich rückstandslos wieder entfernen lassen. Zusätzlich kann man die Ports von FreeBSD verwenden, die den Download, das Übersetzen und Installieren zahlreicher Softwarepakete automatisieren. Dank der vorkonfigurierten Linux-Binärkompatibilität stellt das Ausführen von Linux-Programmen und Browser-Plugins kein Problem dar. Zum Testen des Systems steht auf der Homepage von PC-BSD ein VMware-Image zum Herunterladen bereit.

Das Linux Professional Institute (http://www.lpi-german.org) bietet die Prüfungen zum Fortgeschrittenen-Zertifikat LPIC-2 jetzt auch in deutscher Sprache an. Der LPIC-2-Test besteht aus den Prüfungen 201 und 202 und kann in den Testzentren der LPI-Partner Thomson Prometric (http://www.prometric.com) und Pearson VUE (http://www.vue.com) abgelegt werden.

MySQL (http://www.mysql.com) hat Ubuntu in den Reigen der unterstützten Distributionen aufgenommen. MySQL bietet künftig Binaries und Quellen des Datenbank-Servers sowie andere Programmpakete für Ubuntu zum Download an, wobei man eng mit den Ubuntu-Entwicklern zusammen arbeiten will. Die MySQL-Entwickler haben alle Programmpakete auf die Besonderheiten von Ubuntu hin optimiert, so dass sie schneller laufen als selbst kompilierte Programme.

Michael Robertson, ehemaliger Besitzer von Linspire, plant mit AjaxOS (http://www.michaelrobertson.com/ajaxos/) ein Betriebssystem auf der Basis von Linspire, das bevorzugt webbasierte, mit AJAX programmierte Anwendungen benutzt. Die Dokumente sollen auf Wunsch auf Servern im Internet abgelegt werden. Die Vorteile eines solchen Systems sieht Robertson darin, dass dem Benutzer Software-Updates erspart bleiben und die Daten überall verfügbar sind. Beispiele und Designstudien der geplanten Ajax-Anwendungen kann man bereits unter http://www.ajaxlaunch.com/ bewundern.

Nachdem es bereits seit einigen Monaten für Mandriva Club-Mitglieder zur Verfügung stand, ist Mandriva One 2006 (http://www.mandriva.com/community/mandrivaone) nun für jedermann zu haben. Die kombinierte Live- und Installations-CD von Mandriva Linux 2006 enthält die wichtigsten Programme aus den Bereichen Büro, Internet und Multimedia. Nach der Installation lässt sich das System um weitere Pakete aus dem Mandriva-Fundus erweitern.

Sun (http://www.sun.com) kooperiert mit Ubuntu (http://www.ubuntu.com) und wird Ubuntu Linux 6.06 auf Sun-Servern der Reihe T1 unterstützen. Die T1-Systeme basieren auf Ultrasparc-T1-Prozessoren. Bisher sind sie nur für Suns hauseigenes System Solaris zertifiziert.

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