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Bremsen los

DVDs in Videos umwandeln mit Handbrake

01.07.2006 DVDs auf portablen Geräten anzuschauen, setzt die Umwandlung ins passende Format voraus. Handbrake erledigt die Konvertierung in verschiedene MPEG4-Formate einfach und schnell.

Wer sich schon einmal mit dutzenden Parametern von Video-Umwandlern wie Mencoder und Transcode herumgeschlagen hat, weiß ein simples Tool zu schätzen. Bei Handbrake handelt es sich zwar auch um ein textbasiertes Programm, im einfachsten Fall erwartet es aber nur die Namen der Ein- und Ausgabedateien. Es beherrscht mehrere MPEG4-Formate, die dafür bekannt sind, dass sie eine gute Bildqualität bei verhältnismäßig kleinen Dateien bieten.

Kommandozeile, aber einfach

Seinen Ursprung hat das Programm auf dem längst eingestellten Betriebssystem BeOS. Mittlerweile gibt es eine Version mit grafischer Oberfläche, die auf Mac OS X läuft. Linux-Benutzern steht bisher nur die Kommandozeilenvariante zur Verfügung, obwohl der Quellcode für eine GTK-Oberfläche schon in der Programmdistribution enthalten ist.

Die Installation von Handbrake klappt mit etwas Glück reibungslos. Tut sie es nicht, sind die Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, etwas begrenzt. Es gibt zwar ein Configure-Skript, das aber keine Parameter verstehen will, also keinen Spielraum für eigene Einstellungen bietet. Hat man es ausgeführt, startet der Befehl jam die Übersetzung. Das gleichnamige Build-Tool müssen Sie also installiert haben. Fehlende Bibliotheken holt es während der Übersetzung selbständig mit Wget aus dem Internet. Wer mit dem Selbstübersetzen Schwierigkeiten hat, findet auf der Heft-CD ausführbare Handbrake-Binaries für Intel-, AMD- und PowerPC-Prozessoren.

Startet man das Programm HBTest mit der Option --help, zeigt es die verfügbaren Parameter mit Kurzerklärung an. Für die meisten Punkte enthält Handbrake sinnvolle Voreinstellungen, sodass Sie im einfachsten Fall nur den Namen der Ausgabedatei und den Gerätenamen oder Mount-Punkt des DVD-Laufwerks angeben müssen:

HBTest -i /dev/dvd -o video.mp4

Das Ausgabeformat versucht Handbrake aus der Datei-Endung zu erschließen, in diesem Fall MPEG4. Wollen Sie stattdessen das Format von Hand festlegen, machen Sie das mit -f. Zusätzlich zum Format können Sie den verwendeten Video-Encoder wählen. Von Haus aus benutzt Handbrake dazu FFmpeg, mit der Option -e xvid stellen Sie den Xvid-Encoder ein. Die besten Ergebnisse liefert der neue und zukunftsträchtige Codec H.264, den Handbrake in der Implementierung namens x264 des Videolan-Projekts verwendet (Abbildung 1). Den Audio-Encoder bestimmen Sie auf Wunsch mit -E.

Abbildung 1: Der neue H.264-Codec (unten) bietet wesentlich bessere Qualität als Divx5 (oben).

Weil sich auf DVDs häufig mehrere so genannte Titel befinden, findet Handbrake eventuell nicht automatisch den Hauptfilm, den Sie encoden möchten. Geben Sie beim entsprechenden Parameter -t den Wert 0 an, listet das Program die DVD-Struktur mit Titeln und Kapiteln auf (Abbildung 2). Um den gewünschten Titel zu encoden, geben Sie statt der 0 einfach die Kapitelnummer an.

Abbildung 2: Handbrake scannt auf Wunsch eingelegte DVDs und gibt Titel sowie Kapitel aus.

Per Default verkleinert Handbrake die Auflösung des Videos um ein Viertel, halbiert also Höhe und Breite des Originals. Um die Bildgröße einzustellen, bietet Handbrake die Optionen -w für Breite und -h für die Höhe. Es genügt, nur eine Dimension anzugeben, das Programm berechnet den anderen Wert unter Beibehaltung des Seitenverhältnisses. Um eine DVD in Originalgröße zu encoden, muss man allerdings berücksichtigen, dass die Videodaten anamorph kodiert sind: Die Dateien auf DVD besitzen die übliche PAL-Auflösung von 720x576, beim Abspielen strecken Video-Player die Breite auf 1024 Punkte. Um diesen Effekte beim Encoden mit Handbrake zu berücksichtigen, müssen Sie also die Breite mit -w 1024 einstellen. Die dabei entstehenden Videodateien fallen natürlich entsprechend groß aus.

Viele Anwender werden eher kleinere Werte wählen, zum Beispiel um eigene DVDs für portable Geräte wie Smartphones, Video-iPods oder die Playstation Portable zu encoden. Diese Gadgets können meist nur Videos mit genau vorgegebenen Werten für Bildgröße sowie Audio- und Video-Bitrate abspielen.

Platz sparen

Um ein Video auf eine CD zu brennen, darf es nicht größer sein als die Speicherkapazität des Mediums, üblicherweise um die 700 MByte. Handbrake bietet dafür den Schalter -S, hinter dem die Größe in MByte folgt. Klarerweise führt diese Beschränkung dazu, dass Handbrake die Qualität des Videos reduziert. Um trotzdem ein Video mit möglichst wenigen Bildstörungen zu erreichen, reduzieren Sie am besten die Bildgröße auf ein Viertel, belassen also die Standardeinstellungen.

Gelegenheit zum Experimentieren bieten die beiden Schalter -q für die Videoqualität und -b für die Bitrate. Die Qualität bewegt sich zwischen 0 (schlecht) und 1 (optimal). Der höchste Wert führte im Test allerdings zu einer Datei, die mit 130 MByte sogar größer war als die originale DVD-Datei (83 MByte). Bessere Qualität erzielen Sie mit dem Schalter -2, der zwei Durchläufe fürs Encoding festlegt, was allerdings auch zweimal so lange dauert wie normal. Die Bitrate legt Handbrake von Haus aus auf 1000 KBit/s fest. Kleinere Werte empfehlen sich vor allem bei den erwähnten Kleingeräten, die nicht mit hohen Bitraten umgehen können.

Wollen Sie auch noch nach der Umwandlung die Sprache der Tonspur wählen, übernehmen Sie einfach alle gewünschten Audio-Tracks der DVD in das Video. Dazu geben Sie hinter dem Schalter -a die Nummern der Spuren an, die Sie der Ausgabe von HBTest -t0 entnehmen können. Mehrere Spuren trennen Sie durch Kommas. Mplayer spielt die gewünschte Audiospur mit dem Schalter -aid ab. Auf ähnliche Weise binden Sie Untertitel in das Video ein. Das übernimmt der Schalter -s, gefolgt von der entsprechenden Zahl. Allerdings kann ein Video immer nur einen Untertitel enthalten.

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LinuxUser 03/2012

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