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Feinheiten des Textsatzes

Professioneller Textsatz mit LaTeX – Teil 3

01.06.2006 Nützliche Addons und Werkzeuge erweitern die Möglichkeiten des Textsatzsystems LaTeX weiter. Erzeugen Sie farbige Texte, Literaturverzeichnisse und optimale PDF-Dateien.

Wer mit dem LaTeX-Standardlayout unzufrieden ist, muss das nicht einfach hinnehmen. Es wurde ursprünglich nach Vorgaben entwickelt, die in Nordamerika vor etwa 20 Jahren galten. Trotz vieler Weiterentwicklungen trifft es nicht jeden Geschmack. Deshalb stellt das KOMA-Projekt [2] Ersatzklassen zur Verfügung, die sich speziell an europäischen typografischen Gepflogenheiten orientieren.

KOMA-Klassen

Die KOMA-Klassen scrartcl, scrreprt, scrbook und scrlettr entsprechen den LaTeX-Standardklassen article, report, book und letter. Der Unterschied macht sich im Layout direkt bemerkbar, nachdem Sie einen dieser Klassennamen im \documentclass{}-Kommando eingesetzt haben. Die KOMA-Klassen bringen außerdem neue Optionen mit, die das Aussehen eines Dokuments weiter verbessern.

Die Satzspiegelkonstruktion, also die Seiteneinteilung, berechnen die KOMA-Klassen auf der Grundlage des Papierformats. Daneben berücksichtigen sie aber auch Faktoren wie die Bindekorrektur sowie die Größe und Laufweite der verwendeten Schrifttypen. Die Satzspiegelberechnung erfolgt mit Hilfe des Pakets typearea, eines Teils von KOMA-Script.

Im Gegensatz zu den Standardklassen lassen die KOMA-Script-Klassen andere Schriftgrößen als 10pt, 11pt und 12pt zu. Die Kommandos normalheadings und smallheadings verkleinern hier die Überschriften, was sich speziell bei kleineren Papierformaten empfiehlt. Die Voreinstellung liegt wie bei den Standardklassen bei bigheadings.

Auch das Inhaltsverzeichnis kennt zusätzliche Optionen. Hier ist es mit den KOMA-Script-Klassen möglich, ein Tabellen-, ein Abbildungs- und ein Literaturverzeichnis aufzunehmen. Dazu dienen die Optionen liststotoc, idxtotoc, bibtotoc, bibtotocnumbered und liststotocnumbered.

Farbenspiele

LaTeX ermöglicht auch farbige Textabschnitte, nachdem Sie das Farbpaket mit Hilfe des Dokuments \usepackage{color} eingebunden haben. Acht vordefinierte Farben stehen dabei zur Verfügung: Weiß (white), Schwarz (black), Blau (blue), Rot (red), Grün (green), gelb (yellow), Zyan (cyan) und Magenta (magenta). Einen farbigen Textabschnitt erzeugen Sie über den Befehl \textcolor{Farbe }{Text }.

Um größere Abschnitte oder ganze Dokumente einzufärben, eignet sich jedoch das Kommando \color{Farbe } besser. Es färbt den gesamten folgenden Text ein, eine weitere \color-Anweisung respektive \normalcolor schalten auf eine andere Farbe um beziehungsweise wechselt zurück zum Standard.

Als Alternative zum color-Paket steht xcolor zur Verfügung. Dessen \color-Anweisung nimmt einen zusätzlichen Parameter entgegen, der den gewählten Farbton abstuft: \color{blue!50} zeigt beispielsweise ein nur halb so intensives Blau wie \color{blue} beziehungsweise \color{blue!100}.

Wollen Sie statt der Schrift- die Hintergrundfarbe ihres Dokuments ändern, verwenden Sie den Befehl \pagecolor{Farbe }. Er färbt den Hintergrund einer Seite und aller darauf folgenden Seiten ein. Wünschen Sie auf den Folgeseiten keinen farbigen Hintergrund mehr, definieren Sie mit \pagecolor{white} wieder einen weißen Hintergrund. In der Praxis empfiehlt sich der Einsatz farbiger Hintergrundseiten nur in Ausnahmefällen, da sich Text darauf oft schlechter lesen lässt und nicht zuletzt die Druckkosten höher ausfallen.

Wer in Dokumenten wichtige Stellen gerne farbig markiert, findet mit \colorbox{Farbe }{Text } das richtige Werkzeug (Abbildung 1). Der Befehl erzeugt einen Textkasten mit der festgelegten Hintergrundfarbe. Die Textfarbe entspricht der aktuellen Textfarbe, also gewöhnlich schwarz. Mit den Kommandos \color oder \textcolor ändern Sie diese. Die folgende Zeile erzeugt weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund:

\colorbox{black}{\color↩
{white}Weiß auf Schwarz}

Abbildung 1: Farbige Textabschnitte heben wichtige Punkte hervor und gestalten Dokumente optisch ansprechend.

Reichen Ihnen die acht vorgegebenen Farben nicht aus, definieren Sie mit \definecolor{Farbname }{Farbmodell }{Farbwert } eigene Farben. Das Argument Farbname legt einen Namen für die neue Farbe fest und mit Farbmodell wählen Sie zwischen einem von drei möglichen Farbmodellen. Das letzte Argument Farbwert beschreibt die neue Farbe. Bei den drei Farbmodellen haben Sie die Wahl zwischen folgenden Einträgen:

  • rgb: RGB steht für Rot-Grün-Blau. Das Argument Farbwert besteht in diesem Fall aus drei durch Kommata separierten Zahlen. Jede Zahl gibt im Bereich zwischen 0 und 1 die Intensität von Rot, Grün beziehungsweise Blau an.
  • gray: Bei diesem Modell legen Sie im Argument Farbwert mit einer Zahl zwischen 0 für Schwarz und 1 für Weiß einen Grauton fest.
  • cmyk: CMYK steht für Cyan, Magenta, Yellow (Gelb) und Key (Kontrast). Das Argument Farbwert besteht hierbei aus vier durch Kommata abgetrennten Zahlen. Sie liegen ebenfalls zwischen 0 und 1 und stehen für die Intensität von Zyan, Purpur, Gelb und dem Kontrast.

Mit diesen Befehlen definieren Sie eine Farbe selbst und setzen sie in einem Dokument ein:

\definecolor{GruenGelb}↩
{cmyk}{0.15,0,0.70,0}
\textcolor{GruenGelb}↩
{Das ist ein Text grün-gelb}
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LinuxUser 03/2012

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