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Relationaler Textsatz

LaTeX-Dokumente mit SQL-Abfragen

01.06.2006 LaTeX erzeugt perfekten Textsatz, hat aber kein Interface für den Zugriff auf Datenbanken. Mit LaTeXDB integrieren Sie SQL-Abfragen in Ihre LaTeX-Dokumente und erstellen auf diese Weise zum Beispiel Serienbriefe.

OpenOffice-Anwender erstellen mit der Textverarbeitung in wenigen Schritten Serienbriefe, und auch in anderen Textprogrammen ist diese Funktion selbstverständlich – doch das Textsatzsystem LaTeX [1] kennt kein solches Feature. Dabei gibt es hübsche LaTeX-Klassen für die private oder geschäftliche Korrespondenz, aber sie dienen stets nur dem Verfassen einzelner Schreiben.

Liegen Adress- oder andere Daten als Tabelle in einer der Datenbanken MySQL und Postgresql vor, hilft das in Python geschriebene Tool LaTeXDB [2] weiter: Es integriert SQL-Abfragen in ganz normale LaTeX-Dokumente und verhilft damit auch LaTeX-Freunden zur Serienbrieffunktion.

Bei LaTeXDB handelt es sich nicht um eine echte Erweiterung von LaTeX, sondern um ein Wrapper-Skript: Es sucht in einer LaTeX-Datei nach Datenbankabfragen, leitet diese an die Datenbank weiter und trägt die Ergebnisse in die LaTeX-Datei ein.

Einfache Syntax

Der Aufbau eines LaTeX-Dokuments mit SQL-Aufrufen wird am schnellsten anhand des kleinen Beispiels in Listing 1 deutlich. Bei den fett gedruckten Bereichen des Listings handelt es sich um LaTeXDB-Befehle:

  • \texdbconnection definiert eine Verbindung mit der SQL-Datenbank. Das erste Argument gibt den Datenbanktyp an (MySQL oder PostgreSQL), danach folgen Server, Benutzername, Passwort und Name der Datenbank.
  • In \texdbdef tragen Sie eine SQL-Abfrage ein (in der üblichen SQL-Syntax, also select Spalten from Tabelle ) und geben Metavariablen (hier: ##Vorname und ##Nachname) an, die später im LaTeX-Code den Zugriff auf die Werte ermöglichen.
  • Am wichtigsten ist schließlich die For-Schleife, die durch das neue Schlüsselwort \texdbfor eingeleitet wird: Für alle Ergebnisse der SQL-Abfrage ("result set") fügt LaTeXDB das zweite Argument in das LaTeX-Dokument ein. Dabei ersetzt es die Metavariablen durch die aktuellen Werte aus der Datenbankabfrage.

Der Beispiel-LaTeX-Code holt aus einer simplen User-Tabelle Vor- und Nachnamen. Für jeden Treffer erzeugt LaTeXDB dann einen Block, der mit dem Briefkopf beginnt, dann den Adressaten persönlich anspricht und nach dem Brief-Footer einen Seitenvorschub auslöst: So entsteht ein einfacher Serienbrief.

Listing 1

\documentclass{…}\texdbconnection{MySQL,localhost,user,passwort,texdb}\texdbdef{##Users}{select Vorname,Nachname from Users}{##Vorname,##Nachname}
\begin{document}\texdbfor{##Users}{
   \briefheader
   Hallo, ##Vorname ##Nachname, \\
   anbei schicken wir Ihnen eine aktuelle Preisliste.
   \brieffooter
   \newpage}
\end{document}

TIPP

Beachten Sie bei eigenen LaTeXDB-Experimenten, dass die Metavariablen (die mit ## beginnen), "präfixfrei" sein müssen – es darf also kein Variablenname das Anfangsstück eines anderen Variablennamen sein: ##vorn und ##vorname dürfen nicht gleichzeitig in einem LaTeXDB-Dokument auftauchen.

Programminstallation

LaTeXDB lässt sich schnell installieren: Nach dem Auspacken des Archivs latexdb-0.3.tar.gz liegt im neu erstellten Verzeichnis eine ausführbare Datei install, die Sie mit Root-Rechten aufrufen – das Skript kopiert ein paar Programmdateien und die Manpage in die /usr/local-Hierarchie. Danach können Sie das Programm direkt starten:

$ latexdb -v
/usr/local/bin/latexdb version 0.3 (2006/04/24).
Relased under the GPL.

Klappt das nicht, ist vielleicht der Pfad falsch eingestellt – /usr/local/bin muss in der Variable $PATH auftauchen.

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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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